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Wohnen im Holz-Denkmal von Stetzsch

Vor 90 Jahren wurde die Holzhaussiedlung gebaut. Feuer und Flut konnten ihr nichts anhaben. Dafür etwas Anderes.

© Sven Ellger

Von Annechristin Bonß

Dresden. Alle acht Jahre muss das Gerüst stehen. Die Holzblanken an den 18 Häusern rund um die Alsenstraße in Stetzsch brauchen eine Frischekur. Dann rücken die Arbeiter mit Holzschutzmittel, Imprägnierung und Pinsel an. Alle acht Jahre. Seit 90 Jahren. Dieses Jubiläum feiert die Holzhaussiedlung in Stetzsch in diesem Jahr. Die Siedlung gilt als Denkmal. Zudem sind die Häuser einzeln denkmalgeschützt. Und die Bewohner mächtig stolz darauf.

Charlotte Meentzen
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Die Häuser wurden vor 90 Jahren gebaut – hauptsächlich aus Holz.
Die Häuser wurden vor 90 Jahren gebaut – hauptsächlich aus Holz. © privat

Einige der Häuser sind von Anfang an in Familienbesitz. Hier leben noch unmittelbare Nachkommen der ersten Siedler. Die haben vor 90 Jahren mitgebaut, haben die Gruben für die Keller ausgehoben und die Fundamente errichtet. Dann kamen die Holzbohlen. Nur sieben Zentimeter dick sind die Latten, die noch immer die Außenhaut der Häuser bilden. „Alles in den Häusern ist aus Holz“, sagt Frank Rüdiger. „Fenster, Türen, die Böden und Decken, die Wände und Treppenaufgänge.“ Der 72-Jährige lebt im Haus mit der Nummer 6. Er ist hier geboren, nicht im Krankenhaus. Seine Eltern haben das Holzhaus gekauft. Heute ist er Vorstand im Verein Holzhaussiedlung Dresden-Stetzsch.

Die Mitglieder kümmern sich auch um die Geschichte der Siedlung. Zum 90-jährigen Bestehen soll eine Chronik erscheinen. Sie erzählt von den Anfängen. Als es rund um die Siedlung keine vielbefahrene Bundesstraße gab. Als Felder und Wiesen an die Gärten grenzten, keine Einfamilienhäuser. „Damals herrschte große Wohnungsnot in der Stadt“, sagt Erhard Seidel. Der 81-Jährige lebt seit seiner Geburt in der Siedlung. Seine Großeltern haben hier gebaut. Die Stadtverwaltung kaufte damals Land am Stadtrand auf und ließ die Bewohner bauen, nicht nur in Stetzsch, sondern auch in Gruna und in Naußlitz. 21500 Reichsmark haben die Vorfahren von Erhard Seidel für das Häuschen bezahlt. Nicht auf einmal, sondern in vielen Raten. Umgerechnet sind das über 140 000 Euro.

Dafür bekamen die Siedler durchaus viel Luxus im Vergleich zu anderen Wohnungen der damaligen Zeit. Geheizt wurde zwar mit Kohle. Allerdings mussten die Bewohner nur einmal anfeuern. Vom Keller aus strömte die warme Luft in Leitungen durch das ganze Haus. Die Toilette war vom Bad getrennt und verfügte bereits über eine richtige Spülung. Vier Zimmer standen pro Eingang zur Verfügung, dazu Küche, Bad, Toilette und Abstellkammer. Einige der Siedler haben einzelne Zimmer untervermietet. „Und nach dem Krieg haben hier viele Flüchtlinge Unterschlupf gefunden“, sagt Renate Thie, die sich ebenfalls im Verein engagiert. Bomben waren nicht auf die Ortschaften am Stadtrand gefallen. Und auch große Feuer blieben in all den Jahren aus. Die Holzhaussiedlung in Gruna brannte hingegen nach der Bombardierung Dresdens komplett ab.

Nach dem Krieg gab es andere Probleme für die Siedler. In der Mangelwirtschaft der DDR war es nicht so leicht, die notwendigen Holzschutzmittel zu bekommen. Dabei ist die Pflege der Fassaden sehr wichtig. Holz ist weit anfälliger als Beton. Eigentlich waren die Häuser nur für 60 Jahre ausgelegt. Das feuchte Klima im Elbtal ist zusätzlich ungünstig für das Material. Deshalb sind Holzhäuser eigentlich eher im Gebirge zu finden. Der Holzwurm macht es den Siedlern mitunter ebenfalls schwer. In ihrer Zwangslage, ihre Häuser dennoch schützen zu wollen, haben die Bewohner mit Schiefer und Dachpappschindeln die Fassaden geschützt.

Der Aufwand hat sich gelohnt. „Wir fühlen uns wohl hier“, sagt Frank Rüdiger. Viele der Vorgärten sind liebevoll gepflegt. Das ist dem Vereinschef wichtig. Schön soll es sein. Früher wurden in den Gärten Erdbeeren geerntet. Heute blüht und grünt es vor den Häusern. Die Bewohner schätzen das Miteinander. Hier gibt es sie noch, die Geschichten über den Gartenzaun. Es sei wie eine große Gartensparte, sagen sie manchmal. Langsam gibt es auch wieder mehr Kinder, die auf der kleinen Straße spielen. Das Jubiläum feiern die Siedler natürlich zusammen. „Wenn ich nach der Tankstelle von der B6 zur Siedlung abbiege, atme ich durch“, sagt Renate Thie.