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Wohnen im Knast

Am alten Gefängnis auf dem Domberg wird gebaut – wer hier einzieht, muss Fantasie und ein Gefühl für alte Mauern haben.

© Claudia Hübschmann

Von Udo Lemke

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Meißen. Georg Spiegelfeld ist in Oberösterreich zu Hause und seit sechs Jahren auf dem Domberg – genauer im alten Gefängnis. Denn sei 2012, als er das Gebäude für 250 000 von einem Wiener Architekten erwarb, beschäftigt er sich damit. „Ich versuche, die Seele eines Hauses zu erkennen, und handle danach“, beschreibt er sein Credo. Fast 40 Mal hat er das schon bei denkmalgeschützten Objekten getan, die er saniert hat und bei noch einmal so vielen, bei denen er beratend zu Seite gestanden hat.

Der grau-braune Putz des Gefängnisses wird ausgebessert. © Claudia Hübschmann
Die meisten der alten Gefängniszellen sollen als Beispiele eines Zweckbaus vom Anfang des 20. Jahrhunderts erhalten bleiben. © Claudia Hübschmann
Auch der Zellentrakt wird erhalten, allerdings soll zu Südseite des Burgberges eine Halle über drei Etagen Licht ins Gebäude bringen. © Jannes Beyer

Nun also das alte Gefängnis. Das Diffizile an dem Gemäuer findet sich gleich am Eingang. Denn dort sind früher einmal die alten Gewölbe herausgebrochen und durch eine Stützmauer ersetzt worden, weshalb nun die Einfahrt zum Innenhof verbaut ist.

Die Stützmauer muss weg und die beiden darüber liegenden Stockwerke durch Träger abgefangen werden. Damit sind gerade die Arbeiter der Leipziger Hochbau GmbH beschäftigt. Zu dieser speziellen Schwierigkeit kommt eine allgemeine, die alle Anlieger auf dem Domberg haben, hinzu: Weil durch die engen Burgtore keine großen Lkw hindurchpassen und der Domplatz und die Zufahrten nur für Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen Gewicht zugelassen sind, muss sämtlicher Bauschutt und alles Baumaterial umgeladen werden. Dafür ist ein Stück des Parkplatzes unten an der Ecke Meisastraße/Leipziger Straße reserviert.

Georg Spiegelfeld macht nicht nur aus der Not eine Tugend, indem er soviel als möglich der originalen Bausubstanz des alten Gefängnisses aufarbeiten und belassen will, um die Transportkosten zu reduzieren. Diese Herangehensweise entspricht generell seinem Verständnis von Bauen. So bleiben Dach und Außenhaut des Gebäudekomplexes weitestgehend erhalten, es werden nur Reparaturen vorgenommen. „Ich verkaufe nicht Quadratmeter, sondern Lebensraum“, nennt Georg Spiegelfeld eine weitere seiner Maximen. Konkret sieht das beim alten Gefängnis so aus, dass von den etwa 1 200 Quadratmetern Gebäudefläche nur etwa die Hälfte geheizte Fläche sein wird.

Davon drei Wohnungen von 60, 80 und 140 Quadratmetern und zwei Gewerberäume. Ob für Läden oder Büros, muss sich zeigen. „In der Denkmalpflege spricht man vom Mut zur Leere.“ Das heißt, dass die künftigen Mieter der Wohnungen bzw. der Gewerberäume neben ihren eigenen Räumen viel Platz in dem aus vier Flügeln bestehenden Gebäudekomplex haben werden. So soll der Zellentrakt zum Dom hin erhalten werden, ebenso wie der zur Burgbergaußenmauer. Hier soll in Abstimmung mit der Denkmalpflege die Wand geöffnet werden, so dass Licht ins Gebäude und in den Innenhof kann – der einzige gravierende Eingriff in die historische Bausubstanz. „Die Zusammenarbeit mit der hiesigen Denkmalpflege ist exzellent. Sie verhindert nicht, sondern arbeitet aktiv an Lösungen mit“, sagt Georg Spiegelfeld.

Er sei der Bauträger - eine in Österreich geschützte Berufsbezeichnung: „Das ist der, der am Ende die Rechnungen zahlt und für Erfolg oder Misserfolg verantwortlich ist.“ Für die Projektierung des Ganzen zeichnet der Leipziger Architekt Matthias Förster verantwortlich. „Das Ganze lebt vom Kontrast des Alten mit dem Neuen.“ So werden Fenster und Türen, Geländer und Mauerwerk aufgearbeitet. Teilweise nicht einmal neu gestrichen, sondern geölt.

Für die Fertigstellung des Rohbaus plant Georg Spiegelfeld Kosten von etwa 600 000 Euro. Der Rohbau, wozu auch drei Garagen gehören werden, soll im Sommer fertig sein, dann soll auf die Suche nach Partnern, die hier leben und arbeiten wollen, gegangen werden. „Ich brauche keine Millionäre, sondern fantasievolle Kulturmenschen. So halte ich es in meinen Objekten immer“, erklärt der 61-Jährige.

Nach der Fertigstellung der Eingangssituation folgt der Ausbau des Hofes. Dieser muss um etwa einen halben Meter abgesenkt werden, um künftig zu verhindern, dass Wasser hineinläuft und die Mauern durchfeuchtet. Wenn der Rohbau fertig ist, folgt die zweite Phase, der Innenausbau. Dafür plant Georg Spiegelfeld noch einmal eine Investition von 600 000 Euro.