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Bauen und Wohnen

Wohnschadstoffe gestern und heute

Früher wurde vieles verbaut, das heute als lebensgefährlich bekannt ist.

Für die Beseitigung von Bauschadstoffen wie Asbest sind besondere Schutzmaßnahmen erforderlich.
Für die Beseitigung von Bauschadstoffen wie Asbest sind besondere Schutzmaßnahmen erforderlich. © Ecology / stock.adobe.com

Was man in seinem privatesten Umfeld wohl am allerwenigsten erleben möchte, sind Giftstoffe, die einen krankmachen. Allerdings war der Einsatz verschiedener belasteter Baustoffe für viele Jahrzehnte – und bei uns in Sachsen ob der DDR Gesetzgebung sogar teils noch etwas länger – leider in vielen Fällen Usus. 

Der folgende Artikel möchte den Leser mit auf Spurensuche nehmen. Vor allem zur Information, aber auch zum Verbraucherschutz – denn hinter jedem alten, unsanierten Gebäude, das man vielleicht erwerben möchte, können sich diese Gifte theoretisch verbergen. 

1. Was haben denn Giftstoffe im Wohnumfeld zu suchen? Ein historischer Exkurs

Im Verlauf dieses Artikels werden uns Stoffe begegnen, bei denen man sich selbst als Laie fragt, wie jemand auf die haarsträubende Idee kommen konnte, etwas derart Gefährliches in abertausenden öffentlichen und privaten Gebäuden zu nutzen. Das prominenteste Beispiel dürfte den meisten Lesern geläufig sein: Der Palast der Republik, der ausschließlich deshalb 1990 geschlossen wurde, weil er in höchstem Maß mit Asbest belastet war.

Doch so berechtigt die Frage nach den Gründen ist, man kann sich nicht beantworten, ohne einen historischen Kontext zu bemühen. Denn all die Wohnschadstoffe, um die es hier geht, lassen sich grob in den Zeitraum zwischen 1945 und 1990 mit Schwerpunkt 1960er, 70er und 80er verorten.

Dazu muss man verstehen, dass es eine Zeit des Aufbruchs war – in beiden deutschen Staaten und der gesamten Welt wohlgemerkt. Es wurde mit Hochdruck entwickelt, geforscht, das betraft auch den Bereich der Bau- sowie angeschlossener Stoffe, etwa Holzschutzchemie. 

Erstmals in Jahrtausenden des Hausbaus wurden in großem Maßstab vergleichsweise „künstliche“ Stoffe eingesetzt. Der Grund für die Nutzung ist trivial: Sie wiesen Eigenschaften auf, die sie erheblich besser machten als alles, was zuvor bekannt war.

Asbest beispielsweise wurde deshalb genutzt, weil es eine überragende Feuerfestigkeit aufweist, enorm haltbar ist und hohe Dämm-Eigenschaften liefert. Heute als hochgiftig bekannte Kleber wurden genutzt, weil sie starke Ko- und Adhäsionskräfte hatten und es somit ermöglichten, aus losen Holzfasern in jede Richtung belastbare Spanplatten zu fertigen. Und bei Holzschutzmitteln sah es zunächst so aus, als habe die chemische Industrie endlich ein Mittel gegen Insekten und Pilze gefunden, die seit Jahrtausenden Holzkonstruktionen zusetzten.

Ein Grund für den massenhaften Einsatz der heute als giftig bekannten Schadstoffe war das Nachkriegsgebot, schnell, viel und günstig bauen zu müssen. 
Ein Grund für den massenhaften Einsatz der heute als giftig bekannten Schadstoffe war das Nachkriegsgebot, schnell, viel und günstig bauen zu müssen.  © bluedesign / stock.adobe.com

Wo man auch hinsieht, bietet sich das gleiche Bild: Es war eine Zeit der Entwicklungen, des Aufbruchs. Man entdeckte Stoffe, deren Eigenschaften es ermöglichten, viele Probleme zu lösen – und das auch noch zu niedrigen Kosten.

Wie so häufig bei neuen Materialien oder Techniken dämpfte die Begeisterung alles andere. Warnungen wurden von Herstellern, Verbänden, Lobbyisten und Regierungsseiten kleingeredet – bei Asbest etwa hatte man bereits seit 1900 den Verdacht, dass er Lungenkrebs auslöst. In Deutschland war die sogenannte Asbestose ab 1943 als Berufskrankheit anerkannt. Doch erst 1969 verbot die DDR den besonders gefährlichen (weil ungebundenen) Spritzasbest. In der BRD dauerte es sogar noch zehn Jahre länger. Und erst 1995 wurde in Deutschland die generelle Asbestverwendung untersagt.

Fassen wir die Gründe für die Nutzung kurz zusammen:

1. Die innovativen Stoffe waren die Antwort auf Notwendigkeiten und Probleme.

2. Sie waren zwar das Produkt intensiver Forschung, aber es wurden entweder die Nebenwirkungen nicht ebenso sorgfältig erforscht oder es fehlten zunächst schlicht Langzeiterfahrungen.

3. Politisch und teils mit starker Lobby-Arbeit wurde lange Zeit der Nutzen als höher bewertet als die Schäden.

Das hat nicht primär mit bösem Willen zu tun. Viel mehr dürfte es eine Kombination aus allzu blinder Zukunftsgläubigkeit, Druck der Notwendigkeiten (etwa Wohnraumschaffung) und einer gehörigen Portion Ignoranz gewesen sein; teils auch unter dem Eindruck viel tiefergehender politischer Erwägungen.

Diese Kombination findet sich auch an anderer Stelle wieder – etwa in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, als in vielen Schuhgeschäften ein Röntgenapparat stand, mit dem man die Passform kontrollieren konnte. Weitere Bereiche sind die Atomkraft, Medikamente (Stichwort Contergan) und die Agrarchemie – bis heute, was die Diskussion um Glyphosat eindrucksvoll beweist. 

2. Auf Spurensuche nach den Altgiften

Für einige der belasteten Baustoffe ist auch die Entfernung und Entsorgung mit Problemen behaftet. Oft müssen besondere Schutzmaßnahmen getroffen werden. Die wichtigsten Schadstoffe und kritischen Materialien stellen wir hier vor.

Die Asbestfaser (hier unter dem Mikroskop) steht sinnbildlich für viele Wohngifte: Die Gefahr wurde meist erst nach langer Nutzung erkannt bzw. korrekt zugeordnet.
Die Asbestfaser (hier unter dem Mikroskop) steht sinnbildlich für viele Wohngifte: Die Gefahr wurde meist erst nach langer Nutzung erkannt bzw. korrekt zugeordnet. © Pvince73 / stock.adobe.com

Asbest

Asbest sind Fasern von Silikat-Mineralen, kommen also in der Natur vor und werden im Bergbau gewonnen. Der Grund für ihre Nutzung ist eine Kombination von Eigenschaften:

• hohe Belastbarkeit jenseits von gleichstarkem Stahl

• Hitzebeständigkeit bis 1000°C

• Widerstandsfähigkeit gegen petrochemische Produkte und Säuren/Laugen

• kann gesponnen und so zu Stoffen verwoben werden

Aus diesen Gründen wurde Asbest auch auf vielfältige Weise im Hausbau eingesetzt:

• Als Verstärkungsfaser für alle möglichen Zementprodukte

• in Dämm- und Dichtungsmaterialien, auch zwecks Brandschutz

• in diversen Bodenbelägen

• in Putzen, vornehmlich auf Beton und Stahl

• in alten Nachtspeicher-Öfen

Die Gefährlichkeit von Asbest beruht dabei darauf, dass die Faser so extrem widerstandsfähig ist. Gelangt sie in die Lunge, versucht der Körper, diesen Fremdstoff zu zersetzen. Da das aber nicht funktioniert, wird das umgebende Gewebe immer wieder und wieder verletzt, was langfristig Krebs entstehen lassen kann.  

Dabei geht die größte Gefahr von sogenannten schwachgebundenen Asbestfasern aus. Etwa in Spritzputz, Dämmwolle, aber auch Bodenbelägen, wo sie durch die tägliche Belastung aus dem Material gelöst werden. Weit weniger gefährlich sind gebundene Asbestmaterialien, etwa die genannten Zementprodukte. Allerdings können auch sie durch Verwitterung und besonders mechanische Belastung (Schleifen, Zerkleinern…) zum Problem werden. 

Für weitere Informationen sei dem Leser das sehr umfangreiche Werk „Faserjahre“ der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung nahegelegt, das als wichtigste Studie zum Thema Asbest und seiner Krankheiten in DDR, BRD und Gesamtdeutschland gilt.

© Nationales Asbest-Profil Deutschland

Biozide

Biozide umfassen eine Gruppe von Stoffen, die in Holzschutzmitteln zum Insekten- und Pilzschutz zum Einsatz kamen. Primär sind das:

• Dichlordiphenyltrichlorethan, DDT

• γ-Hexachlorcyclohexan, Lindan

• Pentachlorphenol, PCP

• Permethrin

Oft kamen diese Stoffe wegen ihrer unterschiedlichen Wirksamkeit gemischt vor, etwa bei dem in der DDR als Hylotox 59 vertriebenen Holzschutzmittel oder früheren Rezepturen des in Westdeutschland vertriebenen Xyladecor/Xylamon.  

Grundsätzlich wurden damit alle möglichen Holzbauteile behandelt, besonders prominent war die Nutzung in Dachstühlen sowie generell Tragbalkenkonstruktionen. Hier besteht die Gefahr darin, dass die chemischen Produkte sowohl krebserregend sind, wie sie zahlreiche andere Schäden hervorrufen können. Etwa Multiple Sklerose, Leberkrankheiten, Erbgutveränderungen sowie Störungen des Hormonhaushalts. 

Formaldehyd

Formaldehyd ist wegen seiner Eigenschaften nach wie vor einer der der wichtigsten chemischen Stoffe und darf weiterhin verwendet werden – wenngleich mit strengen Grenzwerten. Auch dieser Stoff fand breite Verwendung. Das liegt daran, dass er sowohl ein Biozid ist, wie die Grundlage für zahlreiche Kleber bzw. Kunststoffe. Im Haus waren einst die größten Nutzungen:

• Holzprodukte, die verleimt wurden, etwa Faserholzplatten

• Wohntextilien, insbesondere Teppiche

• Farben und Lacke auf allen möglichen Oberflächen

• einige Kunststoffe, etwa solche aus Melaminharz und Polyoxymethylen (POM-H) (früher oft bei Küchenprodukten verwendet)

• aufgeschäumte Baustoffe, etwa Dämm-Platten

Je nach Konzentration erzeugt Formaldehyd unterschiedliche Schäden beim Menschen. Die Belastung mit dem Stoff entsteht durch das Ausgasen, was oft über einen längeren Zeitraum geschieht. So gelangt das Formaldehyd in den Körper. 

In höchsten Konzentrationen ist Formaldehyd für die Reizung von Schleimhäuten und Atemwegen verantwortlich, kann die Netzhaut schädigen und zu Erblindung führen. Langfristig ist es krebserregend und kann im Gehirn Veränderungen hervorrufen. 

Schwermetalle

Schwermetalle unterscheiden sich insofern von all den genannten Stoffen, als dass sie nicht „primär“ genutzt wurden. Das heißt, nicht ihre Eigenschaften waren es, wegen derer die sie direkt genutzt wurden. Vielmehr wurden sie oft nur als Beiwerk in anderen Stoffen genutzt. 

Eine Auswahl:

• Arsen, kam in PVC-Kunststoffen sowie Holzschutzmitteln zum Einsatz

• Blei, vor allem in Farben und Lacken, dazu auch als Material für Trinkwasserrohre sowie in einigen Kunststoffen

• Cadmium, ebenfalls in PVC-Kunststoffen sowie Farben und Lacken, ferner in Batterien

• Chrom, genutzt in Holzschutzmitteln, Farben und Lacken

• Nickel, wurde ebenfalls in PVC-Kunststoffen sowie Farben und Lacken genutzt

• Quecksilber, fand sich in Holzschutzmitteln, in Farben und Lacken und alten Elektrogeräten (Nutzung als Quecksilberschalter)

• Zinn, wurde auch für Holzschutzmittel genutzt, war zudem ein beliebtes Mittel zum Schutz von Textilien

Dabei haben die Schwermetalle sehr breitgefächerte biologische Auswirkungen, weil sie sich unterschiedlich im Körper anreichen und dort langfristige Folgen, etwa Allergien und Stoffwechselstörungen, auslösen. 

VOCs, Lösungsmittel und Weichmacher

VOC steht für Volatile Organic Compounds, also flüchtige organische Substanzen. In diese Gruppe fallen verschiedene Stoffe, die alle wiederum in den überwiegenden Fällen als Lösungsmittel bzw. Weichmacher zum Einsatz kamen. 

Was hierbei die Gefahr darstellt, ist die Tatsache, dass all diese Stoffe auch nach Jahren noch aus den jeweiligen Produkten ausdünsten können. Teils bei Raumtemperatur, teils auch wenn diese erhöht wird – etwa durch Wärmezugabe, um etwas bei der Renovierung besser lösen zu können.

Für die VOC-Belastung ist vor allem das massenhafte Aufkommen von Kunststoffprodukten in den 1960ern und -70ern verantwortlich. Sie alle enthielten kritische Weichmacher. 
Für die VOC-Belastung ist vor allem das massenhafte Aufkommen von Kunststoffprodukten in den 1960ern und -70ern verantwortlich. Sie alle enthielten kritische Weichmacher.  © Dario Lo Presti / stock.adobe.com

Das große Problem an der Sache: Es gibt so viele unterschiedliche dieser Stoffe und sie fanden zwischen Kellerabdichtung und Dachfenstergriff aus Kunststoff so viele Anwendungen, dass es den Rahmen dieses Artikels bei weitem sprengen würde, sie alle aufzulisten. Egal ob Farben, Fensterkitt, Kunststoffprodukte, Fugenmörtel… überall ist die Gefahr groß, dass VOCs und Co. darin stecken. 

Die Gefahren:

• Atemwegserkrankungen

• Gastrointestinale Probleme

• Hautkrankheiten

• Konzentrationsschwächen

• Kopfschmerzen/Migräne

• Müdigkeit

• Schleimhautirritationen

Zusammengefasst werden diese Faktoren unter dem sogenannten Sick Building Syndrome (SBS), das für Wissenschaftler als Dachbegriff für unspezifische Gesundheitsbeeinträchtigungen durch das Nutzen eines Gebäudes steht. 

Sonderfall: Das Dreckige Dutzend

Waren die bisherigen Stoffe schon höchst bedenklich, so sind es diejenigen, die in der Wissenschaftswelt als Dirty Dozen bzw. Dreckiges Dutzend bezeichnet werden, in einem noch höheren Maße. Das bereits in den Holzschutzmitteln genannte DDT gehört ebenso hierzu wie eine ganze Reihe weiterer Insektizide.

Allerdings: Mit den Polychlorierten Biphenyle (PCB) gehört dazu auch ein Stoff, der vor allem im der Hauselektrik zu finden ist. Etwa in Kondensatoren, elektrischen Isolatoren. Dazu aber auch, weil es ein Weichmacher ist, immer wieder in Dichtungsmassen. 

© Quelle unbekannt

3. Wie sieht es heute aus?

Die Stoffe und Materialien, die im vorherigen Kapitel genannt wurden, dürfen als zumindest aus dem privaten Hausbau verbannt angesehen werden. Doch nicht zuletzt eingedenk der Tatsache, dass natürlich Jahr für Jahr neue Stoffe auf den Markt kommen, stellt sich die Frage, wie es heute um die Gesundheitsbelastung mit innovativen Stoffen beschert ist. 

Viele Mythen, wenige Gifte

Manche Leser werden sich wahrscheinlich noch an die großen Skandale bezüglich Wohngiften erinnern; teils vor, teils nach der Wende. Mit einem seitdem (und auch deswegen) bemerkenswert gesteigerten Bewusstsein in der breiten Bevölkerung geht auch eine wesentlich kritischere Betrachtung aller Baustoffe einher – der Begriff „Wohngesund“ ist eine vergleichsweise neue Erfindung, die den Wunsch nach genereller Abwesenheit von Schadstoffen zum Ausdruck bringt. 

Doch dieser Wunsch nach Schutz sorgte und sorgt dafür, dass auch immer wieder Falschbehauptungen aufgestellt werden. So wird immer wieder behauptet, dass in Vinylböden gesundheitsschädliche Weichmacher stecken würden. Tatsächlich ist bei diesen Materialien das Gegenteil der Fall

Denn gerade, weil es sich dabei um Kunststoffe handelt, unterliegen PVC-Böden besonderem Augenmerk der Politik. Kurzum: Gefährliche Weichmacher sind mittlerweile EU-weit schärfstens reguliert, müssen gekennzeichnet werden – in Konsumprodukten wie den genannten Böden sind sie deshalb praktisch ausgestorben. Die Produkte sind entsprechend gekennzeichnet. 

Die vielen Skandale um die Wohnschadstoffe führten dazu, das heute sehr streng reguliert wird. Sorgen machen müssen sich heutige Häuslebauer nicht mehr. 
Die vielen Skandale um die Wohnschadstoffe führten dazu, das heute sehr streng reguliert wird. Sorgen machen müssen sich heutige Häuslebauer nicht mehr.  © Bernd Leitner / stock.adobe.com

Ähnliches gilt bei Farben und Lacken. Auch hier werden häufig Behauptungen aufgestellt, die nicht haltbar sind. So sind etwa die allermeisten Farben heute wasserbasiert, wodurch bereits ein Großteil der möglichen Schadstoffbelastung wegfällt – das gilt sowohl für neu erworbene, lackierte Produkte, als auch für Farben, die es zu kaufen gibt – im Zweifelsfall kann man sich bei allem auf das Gütesiegel des Blauen Umweltengels verlassen, da dieses scharfe Grenzwerte vorgibt. 

Nicht zuletzt wird auch bei Wärmedämmungen aus Styropor immer wieder behauptet, diese seien giftig – hier sogar in teils schnellem Wechsel. Dabei steht eigentlich dahinter eine simple Maxime: Heutige Baustoffe sind bei ordnungsgemäßer Nutzung ungiftig.

Wird eine Polystyrolplatte verbrannt und man setzt sich dem Rauch aus, ist dies giftig. Der Knackpunkt ist der große Unterschied zu den alten Wohngiften: Diese waren und sind immer schädlich, auch wenn man die Gegenstände ganz ordnungsgemäß nutzt. 

Die alten wirken nach

Was in Sachen Wohngiften das heute schärfste Problem darstellt, sind deshalb grundsätzlich Altbauten. Und zwar:

• generell alle Häuser, die zwischen 1945 und der Wende errichtet wurden

• ältere Gebäude, die zwischen 1945 und der Wende Renovierungs- und Sanierungsmaßnahmen erfuhren

• Gebäude aus diesem Zeitraum, die nie saniert wurden und in geringerem Maß auch solche, die nach der Wende überarbeitet wurden 

Das Problem daran ist, dass die allermeisten Wohngifte in all den Jahrzehnten nicht wirklich an Wirksamkeit eingebüßt haben. 

Muss ich mir Sorgen machen?

Sicher ist sicher. Wer einen Altbau erwirbt, egal ob saniert oder nicht, sollte sicherheitshalber einen Baubiologen bestellen, der es überprüft. 
Sicher ist sicher. Wer einen Altbau erwirbt, egal ob saniert oder nicht, sollte sicherheitshalber einen Baubiologen bestellen, der es überprüft.  © Microgen / stock.adobe.com

Sorgen ja, Panik jedoch nicht. Grundsätzlich sollte man vor dem Kauf eines betagten Hauses einen Baubiologen bzw. einen Bauschadstoff-Sachverständigen hinzuziehen. Diese Experten wissen einerseits, wie das Haus hinsichtlich seines Bauzeitraums generell zu bewerten ist, wie sie andererseits durch Erfahrung und Messtechnik in der Lage sind, konkrete Ergebnisse zu liefern. 

Das gilt übrigens auch, wenn man bereits länger in einem Haus lebt und mit unspezifischen Krankheiten, häufiger Müdigkeit usw. zu kämpfen hat. Wie bereits erwähnt, bei vielen Wohngiften ist es die jahrelange Einwirkdauer, die das Problem ist. Solche Experten nehmen dann beispielsweise Luftproben, analysieren den Hausstaub, nehmen Proben von Baustoffen vor – und oft können sie auch auf einen Blick erkennen, dass etwas im Argen liegt. 

Doch auch selbst kann man bereits etwas tun, indem man achtsam ist:

• Einrichtung bzw. Ausbaumaterialien wirken ebenso alt wie das Gebäude

• es gibt irritierende, irgendwie „chemische“ Gerüche

• seit dem Einzug oder Renovierungsarbeiten mehren sich Gesundheitsprobleme, etwa Allergien

• sobald man sich länger außer Haus befindet, scheint es einem allgemein besser zu gehen 

Je mehr davon zutrifft, desto mehr sollte einem das ein Alarmsignal sein. Hier sollte konsequent eine Analyse durchgeführt werden. 

Übrigens: Wenn Schadstoffe entdeckt werden, muss das nicht automatisch den finanziellen Ruin bedeuten. Die Industrie hat diverse Mittel und Wege ersonnen, mit denen die Probleme eingedämmt werden können. So existieren etwa Folien, mit denen sich Biozid-belastete Balken versiegeln lassen.

Wohnschadstoffe haben sich gewandelt

Was seit der Wende gebaut wurde, ist um Längen sicher als alles, was vorher kam. Das ist ein Fakt. Und je neuer ein Gebäude ist, desto schärfer sind die Regularien, die alles umfassen, was darin verbaut wurde. 

Aber: Was in der heutigen globalisierten Welt immer wieder ein Thema ist, sind Wohnschadstoffe, die auf anderen Wegen in unsere Heime gelangen. Und da sind die Bewohner oft selbst schuld. Der Grund: Wir kaufen heute übers Netz zahllose Dinge, die in Ländern produziert werden, in denen weitaus laschere Gesetze gelten. 

Hauptquelle diverser Skandale in der jüngeren Vergangenheit ist immer wieder China, dazu aber auch weitere „Billiglohnländer“. Das Problem daran ist, dass hier die Kontrollmaßnahmen von Deutschland und der EU nicht greifen – dazu wird schlicht viel zu viel importiert und es ist unmöglich, jeden in Hamburg, Rotterdam und Co. eintreffenden Container mit Lampen, Couches usw. so zu analysieren, dass alle Risiken ausgeschlossen werden können. 

Deshalb ein guter Rat: Soweit wie möglich auf Einrichtungsgegenstände Made in Germany bzw. Made in EU setzen. Nur dann kann man sicher sein, dass diese wirklich den hiesigen Grenzwerten und Verboten gerecht werden. 

Ist Elektromagnetismus ein Wohngift?

Zuletzt sei das Augenmerk des Lesers für das finale Kapitel auf etwas gerichtet, dass immer wieder kontrovers diskutiert wird: Elektromagnetismus. Wir leben heute in einer Welt, die zunehmend von Funksignalen beherrscht wird – W LAN und Handynetze, um nur zwei zu nennen. In praktisch keinem Ort, keinem Heim funkt es nicht mehr, sei es durch Produkte der Bewohner oder Funkwellen von außen. Und egal ob es sich um das normale UKW-Radiosignal handelt oder hochfrequente 5G-Anwendungen: Alle Funkwellen sind elektromagnetisch. 

Seit langem ist bekannt, dass starke elektromagnetische Felder Schäden im Körper hervorrufen können – deshalb gibt es hier Grenzwerte. Fest steht auch, dass Elektrosmog derzeit als „möglicherweise krebserregend“ eingestuft wird. Wie bei so vielen anderen Wohngiften fehlt hier schlicht die Langzeiterfahrung, denn gerade die hochfrequenten Funkanwendungen im Alltag sind vergleichsweise neu. Auch, wenn es sich nicht um ein klassisches Wohngift handelt, könnten die unsichtbaren Strahlungen also gesundheitsschädlich sein. 

Für den Verbraucher sollte das zumindest eine Leitlinie sein: Nicht jedes „Gadget“ kaufen, nur weil es Spaß macht. Wer auch an dieser Stelle auf Nummer Sicher gehen will, sollte versuchen, zumindest zuhause die elektromagnetische Belastung zu reduzieren – das kann auch schon darin bestehen, sein Handy nachts nicht am Kopfende auf dem Nachttisch zu deponieren. 

Nach Ansicht nicht weniger Experten sind die zahllosen Funkwellen in unserem Alltag ein Gesundheitsrisiko für sich. Ihr Rat: Nach möglichkeit zuhause reduzieren. 
Nach Ansicht nicht weniger Experten sind die zahllosen Funkwellen in unserem Alltag ein Gesundheitsrisiko für sich. Ihr Rat: Nach möglichkeit zuhause reduzieren.  © Hanoi Photography / stock.adobe.com

Zusammenfassung

Die Bauweisen der Jahre zwischen 1945 und 1990 sind nicht nur durch andere Baustile geprägt, sondern vor allem davon, dass damals viele Wege erstmalig beschritten wurden. Dahinter verbirgt sich auch der Hauptgrund, warum aus heutiger Sicht wirklich gefährliche Materialien ganz selbstverständlich im Wohnumfeld eingesetzt wurden – wie so häufig war die Forschung erst hinterher schlauer. 

Eines allerdings kann man dieser Phase zugutehalten: sie schuf auf der ganzen Welt ein sehr breites Bewusstsein für Wohngesundheit und ist heute der wichtigste Grund dafür, warum man praktisch bedenkenlos bauen und einrichten kann.

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit der externen Redakteurin S. Buchholz.