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Wohnungen des Amokfahrers in Sachsen durchsucht

Nach der Tat in Münster sucht die Polizei nach dem Motiv. Ein angeblich in Pirna gefundener Brief könnte helfen.

© Guido Kirchner/dpa

Münster. Die Polizei hat nach der Amokfahrt mit zwei Toten in Münster neben einer Wohnung und einer Lagerhalle in der westfälischen Stadt auch zwei Immobilien in Sachsen durchsucht. Der 48-jährige Täter habe Wohnungen in Dresden und Pirna gehabt, teilte die Polizei am Sonntagabend in Münster mit.

Der Mann hatte sich unmittelbar nach der Tat am Sonnabendnachmittag auf einem beliebten Platz in der Altstadt in seinem Campingbus erschossen. Von den 20 Verletzten schwebten am Sonntag einige immer noch in Lebensgefahr. In der Uni-Klinik gab es Notoperationen. Bei den beiden Todesopfern handelt es sich um eine 51-jährige Frau aus Niedersachsen und einen 65-jährigen Mann aus Nordrhein-Westfalen.

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Bei der Durchsuchung in der Wohnung des Täters in Münster fanden die Ermittler zwar mehrere Gasflaschen sowie Kanister mit Bioethanol und Benzin, wie es weiter hieß. Polizeipräsident Hajo Kuhlisch betonte aber, es gebe weiterhin keine Hinweise auf ein politisches Motiv des Mannes oder mögliche Mittäter. „Wir haben aber Hinweise darauf, dass die Ursachen für die Ausführung der Tat in seiner Persönlichkeit begründet sind“, sagte Kuhlisch.

In einer Wohnung des Amokfahrers in Pirna entdeckte die Polizei ein älteres, 18-seitiges Schreiben, das in Ermittlerkreisen im Nachhinein als klassische Ankündigung eines Suizids gelesen wird. Das berichteten am Sonntag NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung. Der Mann habe darin über gravierende Probleme mit seinen Eltern sowie über regelmäßige Zusammenbrüche geschrieben. Eine besondere Rolle spielt dem Bericht zufolge eine womöglich verpfuschte Operation. Die Polizei äußerte sich nicht zu dem Schreiben. Es sei nun wichtig, „ein möglichst umfassendes Bild über das Verhalten des Täters in den Vorwochen zu erhalten“, teilte sie mit.

Wegen kleinerer Straftaten war der Todesfahrer der Polizei bereits bekannt, sagte die Leitende Oberstaatsanwältin von Münster, Elke Adomeit. Die Verfahren aus den Jahren 2015 und 2016 seien alle eingestellt worden. Es ging damals um eine Bedrohung, Sachbeschädigung, eine Verkehrsunfallflucht und Betrug. Bei den Durchsuchungen in Münster fand die Polizei eine nicht brauchbare Maschinenpistole vom Typ AK47. Experten des Landeskriminalamts entdeckten im Wagen des Mannes zudem die Waffe, mit der sich der 48-jährige gebürtige Sauerländer erschossen hatte, sowie eine Schreckschusswaffe und rund ein Dutzend Feuerwerkskörper.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sagte in Münster: „Dieses feige und brutale Verbrechen hat uns alle sehr betroffen gemacht.“ Er hoffe und bete, dass die Verletzten wieder gesund würden. (SZ/dpa)