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Wohnungen im „Haus am Zwinger“ geplant

Seit Jahren steht der Büroriegel fast komplett leer. Ein Umbau soll das ändern. Die meisten Händler haben inzwischen resigniert.

© Christian Juppe

Von Tobias Hoeflich

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Bodo Wagner hat aufgegeben. Vergangenen Sonnabend öffnete der 65-Jährige zum letzten Mal die Tür seines Weinhandels in der Kleinen Brüdergasse. Ein Aufkleber mit dem Schriftzug „Abverkauf wegen Schließung“ ist daran aufgebracht. 2006 hatte er sein Geschäft im Erdgeschoss des „Haus am Zwinger“, an der Rückseite des Taschenbergpalais, eröffnet. Doch die ausbleibenden Kunden ließen ihm keine andere Wahl. „Sie sehen es ja selbst. Hier kommt kaum einer lang“, beklagt Wagner. Mehr möchte er auch nicht mehr zu dem Thema sagen. Zu tief sitzt der Frust.

Schon vor reichlich zwei Jahren hat die SZ den Weinhändler besucht. „Wenn dieses Jahr kein neuer Investor gefunden wird, bin ich weg“, sagte der Geschäftsmann damals. Doch er hatte Hoffnung, dass neue Mieter kommen würden, die zusätzliche Laufkundschaft anlocken. Tatsächlich aber haben noch mehr Händler das „Haus am Zwinger“ verlassen, die Geschäftsflächen im Erdgeschoss in der Kleinen Brüdergasse sind fast völlig verwaist. Gleiches gilt für die Etagen darüber.

Wie die Stadtverwaltung aber auf SZ-Anfrage mitteilt, hat das „Haus am Zwinger“ einen neuen Eigentümer. Dieser will bei einer Pressekonferenz nächste Woche seine Pläne vorstellen. „Er beabsichtigt, das seit vielen Jahren leer stehende Gebäude zu revitalisieren“, erklärt Dresdens Baubürgermeister Jörn Marx (CDU). Dafür soll der ursprünglich als Büro- und Geschäftshaus geplante Riegel zu einem Wohnhaus umgebaut werden. „Derzeit laufen Planungen für eine Nutzungsänderung.“

Schon mehrfach hat das 1999 eröffnete „Haus am Zwinger“ den Eigentümer gewechselt. Mehrfach wurden auch Pläne für dessen Nutzung verkündet, die doch nicht umgesetzt wurden. Unter anderem wollte die Radeberger Brauerei ein über mehrere Etagen großes Restaurant eröffnen. Ebenso gab es zuletzt Pläne, das Gebäude als Hotel zu nutzen. Nach den 18 Millionen Euro teuren Umbauarbeiten sollten so 290 Zimmer entstehen. Doch Probleme bei der Finanzierung ließen das Projekt platzen.

Richtig warm geworden sind die Dresdner nie mit dem vom österreichischen Architekten Heinz Tesar entworfenen Haus neben dem Taschenbergpalais. Auf Kritik stießen etwa die Architektur, die Nähe zum Zwinger und die Überbauung eines Teils des Areals, wo einst die Sophienkirche stand. Die Ruine des 1945 beim Bombenangriff beschädigten Gotteshauses wurde Anfang der 60er-Jahre trotz großer Proteste abgetragen. Kurz vor Baubeginn versuchte der damalige Stadtentwicklungsbürgermeister Günther Just vergebens, einen Kompromiss mit dem Investor zu erzielen und das Areal der Sophienkirche unbebaut zu lassen.

Abriss steht nicht zur Debatte

Die neuen Umbaupläne zum Wohnhaus sieht der Augenoptiker-Meister Joachim Skorupa skeptisch. Er ist einer der wenigen Gewerbetreibenden, die noch in dem „Haus am Zwinger“ ansässig sind. Vor zwölf Jahren hat der Optiker hier sein Geschäft eröffnet. „Seitdem hofft man Jahr für Jahr, dass die Lage besser wird.“ Tatsächlich muss auch Skorupa ansehen, wie ein Händler nach dem anderen kapituliert. „Unser Glück ist, dass wir viele Stammkunden haben, die gezielt zu uns kommen“, sagt er. „Deshalb sind wir nicht so sehr von Laufkundschaft abhängig.“

Dass kaum Passanten und Touristen durch die Kleine Brüdergasse schlendern, wundert ihn nicht. „Sie brauchen ja nur mal aus dem Schaufenster zu schauen“, sagt der Optiker und deutet auf die Rückseite des zu DDR-Zeiten errichteten Wohnhauses an der Ecke Wilsdruffer/Schloßstraße. „Das sieht nicht sehr einladend aus.“ Wenn die Gesamtkonstellation so bleibe, werden kaum mehr Passanten in die Brüdergasse gelockt werden. „Hier ist leider eine planerische Sünde, nämlich das DDR-Haus, mit einer zweiten, dem Haus am Zwinger, ergänzt worden.“

Dresdens Baubürgermeister will davon aber nichts wissen. Von Abrissplänen des DDR-Baus ist ihm seitens des Eigentümers nichts bekannt. „Nach unserer Kenntnis beabsichtigt er dessen Erhalt. Dies geht konform mit den städtebaulichen Zielen der Stadt.“ Auch an dem „Haus am Zwinger“ soll nicht gerüttelt werden: „Erklärte städtebauliche Ziele sind die maßgebliche Erhaltung des Gestaltungscharakters des Gebäudes, die Belebung des Hauses insbesondere der Erdgeschosszone sowie eine Aufwertung und Verknüpfung der umliegenden Freiflächen.“

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