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Wohnungsgenossenschaften bauen wieder höher

In Leipzig entsteht das erste Hochhaus seit der Wende. Mieten in Sachsen sind laut Verband nicht so teuer wie behauptet.

© VSWG

Von Georg Moeritz

Dresden. Abriss in Riesa, Görlitz und Zwickau, Neubau in den Großstädten, aber auch in Döbeln und Dippoldiswalde: Die sächsischen Wohnungs-genossenschaften stehen weiterhin im Spagat zwischen Leerstand und sozialem Wohnungsbau. Voraussichtlich werden sie in diesem Jahr 474 Wohnungen abreißen und dafür Zuschüsse vom Staat bekommen, aber zugleich 493 neue Wohnungen bauen. Axel Viehweger, Vorstand des Verbandes Sächsischer Wohnungsgenossenschaften, wies am Donnerstag in Dresden auf geplante Neubauten hin – vor allem Wohnungen für Familien würden benötigt, kleine gebe es genug.

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Leerstand: Viel frei in Bautzen, Zwickau und Riesa-Großenhain

Mehr als 33 000 Genossenschaftswohnungen in Sachsen sind seit der Wende abgerissen worden, doch fast 22 000 stehen leer. Der Leerstand hat laut Viehweger in den beiden vergangenen Jahren wieder etwas zugenommen – während die Wohnungsgenossenschaften erstmals mehr Wohnungen neu bauten, als sie abrissen. Doch der Leerstand ist ungleich verteilt. Karten des Verbandes zeigen beispielsweise jeweils rund 1 000 freie Genossenschaftswohnungen im Raum Bautzen und im Raum Riesa-Großenhain. Noch schwerer haben es die genossenschaftlichen Vermieter in Zwickau und Aue-Schwarzenberg. Daher werde es in Regionen wie Zwickau und Riesa weiter „Rückbau“ geben müssen, sagen die Verbandsvertreter. Das bedeute nicht Rückzug. In Neugersdorf wurden voriges Jahr 60 Wohnungen abgerissen, aber an ihre Stelle treten laut Viehweger 26 moderne Wohnungen, mit Tagespflege im Parterre.

Trends: Aufstocken in Dresden, Aufzüge einbauen

Von Jahr zu Jahr stecken die Wohnungsgenossenschaften mehr Geld in Neubauten oder Balkons und Aufzüge, schon wegen der niedrigen Zinsen. Voriges Jahr stiegen ihre Ausgaben für Neubauten von 47 auf 85 Millionen Euro, für dieses Jahr sind 124 Millionen vorgesehen. Allerdings gehen erfahrungsgemäß nicht alle Pläne auf – mal fehlen Handwerker, mal streiten die Bauherren mit der Stadt Dresden um Zufahrtswege für die Feuerwehr oder mit der Stadt Leipzig um Parkflächen. Erst nächstes Jahr fertig wird laut Viehweger wegen solcher Streitigkeiten das erste Wohnhochhaus seit der Wende, das eine Genossenschaft neu baut – ein 13-Geschosser in Leipzig-Grünau. Höher hinaus wollen Genossen auch in der Dresdner Johannstadt: Nahe dem Fetscherplatz stocken sie vorhandene Wohnblöcke um zwei Etagen auf. So lassen sich auch die Kosten für den Aufzug besser auf die Mieter verteilen. Benötigt wird der – häufig sind es gerade die oberen Etagen in Wohnblöcken, die leer stehen. Neubauten gibt es laut Viehweger dieses Jahr voraussichtlich auch in Döbeln, Ottendorf-Okrilla, Meißen, Freital und Dippoldiswalde. Kleinere Projekte stünden auch in Hoyerswerda und Löbau bevor. Vorn bei den Neubauplanungen liegen aber Dresden mit 131 Wohnungen und Chemnitz mit 125.

Mieten: Große Unterschiede je nach Region und Baujahr

Die Karten des Verbandes zeigen innerhalb Sachsens starke Unterschiede bei den Mieten: Im Kreis Görlitz zahlen Genossenschaftsmieter durchschnittlich 4,23 Euro kalt pro Quadratmeter, noch weniger die Vogtländer mit 3,93 Euro. In Dresden liegt der Durchschnitt für rund 43 000 Genossenschaftswohnungen bei 5,42 Euro. Die Mietnebenkosten lagen im Dezember bei 2,13 Euro. Mit diesen Zahlen will Viehweger belegen, dass Berichte über „Horrorzahlen“ bei Mieten in Sachsen übertrieben seien. Zwar würden Vermieter etwa in Internet-Angeboten hohe Preise nennen – aber das heiße nicht, dass die immer bezahlt würden. In Sachsen insgesamt gibt es laut Viehweger „ein Überangebot“ an Wohnungen. Vor allem in Leipzig könne von Mangel keine Rede sein, dort stünden Tausende Wohnungen leer, und im benachbarten Delitzsch sei auch noch viel Platz. Freilich müssten für Pendler gute Verbindungen in die Großstädte geschaffen werden.

Aussichten: Geschäftsklima zeigt abwärts

Für Neubauwohnungen verlangen auch Genossenschaften laut Viehweger häufig Preise von zehn Euro kalt und mehr – das leisten sich nach seinen Angaben zum Beispiel Ehepaare, die vom Land zurück in die Stadt ziehen. Eine große Sorge in den 210 Genossenschaften ist laut Umfrage allerdings drohende Altersarmut. In allen sächsischen Landkreisen rechnen die Verbandsvertreter für die kommenden Jahre mit schlechterem Geschäft.