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Wohnungstausch im Dreiländereck

Der Liberecer Vize-OB Jan Korytár zieht für einen Monat nach Zittau. Er hofft, dass es ihm weitere Liberecer nachmachen.

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Katja Zimmermann

Zittau/Liberec. Der Arbeitsplatz von Jan Korytár gehört wohl zu den eindrucksvollsten Gebäuden, die Liberec (Reichenberg) zu bieten hat. Gleichwohl repräsentiert das Renaissance-Rathaus die nordböhmische Metropole ähnlich offenkundig wie deren Hausberg, der Jeschken.

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Als nun interessierte Bürger aus Liberec im Sommer an der Besichtigung von verschiedenen Zittauer Wohnungen teilnahmen, war sogar jener Jan Korytár unter ihnen – der Stellvertreter des Oberbürgermeisters von Liberec. Wie Uta-Sylke Standke, die Geschäftsführerin der Wohnbaugesellschaft Zittau, bestätigt, signalisierte er tatsächlich Interesse, hierher zu ziehen. Konkrete Absprachen habe es jedoch noch nicht gegeben. Die SZ hat den 43-jährigen Liberecer jetzt gefragt, wie weit sein Plan, seinen Lebensmittelpunkt für einen Monat nach Zittau zu verlegen, schon fortgeschritten ist.

Warum möchte der Liberecer Politiker nach Zittau ziehen?

Vor allem möchte Jan Korytár zeigen, dass mehr Liberecer über diese Wohn-Alternative nachdenken könnten. Schließlich ist die Entfernung zwischen Zittau und Liberec nur gering. Darum möchte Korytár mehr Liberecer nach Zittau einladen: Das sei eine schöne Stadt, ruhig, gepflegt und mit viel mehr historischen Denkmälern als Liberec. Er halte sie einfach für einen guten Ort zum Leben, schwärmt Korytár. Ursprünglich wollte er schon im November in Zittau wohnen. Seine Arbeitsbelastung habe ihn jedoch dazu gezwungen, diesen Termin zu verschieben. „Aber ich plane das noch immer“, betont der 43-Jährige. Er lässt jedoch offen, wann damit zu rechnen ist.

Wieso sollten Liberecer in Zittau wohnen?

„Wenn ich auf der einen Seite sehe, dass es in Zittau viele freie Wohnungen und Häuser gibt, und auf der anderen Seite in Liberec ein beständiger Druck besteht, weiter Grünflächen zuzubauen, denke ich, dass es angebracht wäre, diese zwei Probleme zu verknüpfen“, so Jan Korytár gegenüber der Sächsischen Zeitung. Es ergebe keinen Sinn, auf der einen Seite ständig zu bauen und 20 Kilometer entfernt immer mehr abzureißen. Er sei der Meinung, dass Liberecer und Zittauer Mitglieder der Europäischen Union sind und einige Probleme gemeinsam lösen könnten, so Korytár.

Woran hängt die Umsetzung des außergewöhnlichen Plans?

„Das Hauptproblem ist die Zeit“, schildert Jan Korytár die Umstände, die ihn bisher davon abgehalten haben, sein persönliches In-Zittau-wohnen-Projekt umzusetzen. Mit der Beantragung von europäischen Projekten sei er ordentlich ausgelastet. Dazu käme, dass er die Funktion einer der Stellvertreter des Oberbürgermeisters erst ein Jahr bekleide und seine Arbeit nicht nur mit halber Kraft verrichten wolle. Deswegen habe er es einfach noch nicht geschafft, den Plan in die Tat umzusetzen.

Wie schätzt Jan Korytár die Liberecer Partnerstadt ein?

Er beschreibt Zittau als ruhige und gepflegte Stadt, deren historisches Zentrum ihm besonders gefalle. „So eins haben wir in Liberec leider nicht. Und auch den deutschen Sinn für Ordnung mag ich.“ Er fahre gern auf die deutsche Seite und stellte sich deshalb die Frage: Warum nicht auch für eine Weile versuchen, in Zittau zu leben?

Wie erlebt der Liberecer Vize-OB die Wohnungssuche?

Mit Vertretern der Stadt Zittau habe er sich schon einige Möglichkeiten zum Wohnen angesehen. Das Wo der Wohnungssuche hält er deshalb für kein Problem – im Gegensatz zur Planung der ganzen Sache. „Darüber hinaus habe ich Familie, es ist also nötig, auch ein paar logistische Probleme zu lösen.“ Aber gerade deswegen wolle er das ja alles ausprobieren: „Damit ich sehe, auf welche Probleme Tschechen treffen können, die sich entscheiden, hinter der Grenze in Zittau zu leben.“ Nach seiner Aussage wäre er froh, wenn die ganze Aktion nach einem Monat nicht damit endet, dass er einfach wieder nach Liberec zieht, sondern dass er damit für weitere Menschen, die Interesse daran haben, in Zittau zu wohnen, den Weg ebnet.

Wie bereitet sich Zittau auf die geplante Aktion vor?

Wenn sich Jan Korytár für eine Mietwohnung in Zittau entscheiden sollte, unterliege das Vertragsverhältnis dem deutschen Mietrecht, ganz ohne Vorteile, erklärt Frau Standke von der Wohnbaugesellschaft. „Werbung und Marketing werden dann gemeinsam mit beiden Städten abgesprochen und natürlich genutzt.“

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