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Wolf kommt in die Siedlung

© privat

In Rudeln ist das Tier in der Lausitz keine Seltenheit. In Rietschen sucht ein Einzelgänger die Nähe der Menschen.

Von Sabine Ohlenbusch und Bernhard Donke

Teicha. Wolf und Mensch leben im Landkreis Görlitz seit einigen Jahren zusammen. Meist sind die Raubtiere scheu und gehen dem Menschen aus dem Weg. Im Rietschener Ortsteil Teicha bekommen die Bewohner aber immer häufiger Besuch. Karolin Scharf in Rietschen hat sogar ein sehr deutliches Foto von dem Tier geschossen. Hier ist der Wolf gleich zweimal am 14. und am 21. November auf den Hof der Familie gekommen. Ohne Furcht lief er gut eine Viertelstunde zwischen Autos und Gebäuden umher.

Deshalb sind viele Teichaer besorgt. Auch Leser der SZ machen sich Gedanken und teilen diese auch mit. Hans-Joachim Ladusch aus Weißwasser schreibt: „Ihren Überlegungen und Aussagen über den Wolf stimmen wir keinesfalls zu. Der Wolf ist ein Raubtier, und daher kein Tier wie jedes andere auch. Problemwölfe und verhaltensauffällige Tiere sollten daher sehr wohl bejagt werden. Die ungehemmte und unkontrollierte Vermehrung des Wolfes darf es nicht geben. Eine Ausrottung aber auch nicht. Alles muss in vernünftigen Relationen stehen.“

Landrat Bernd Lange hat sich kürzlich ebenfalls dazu geäußert, was mit solchen Wölfen passieren soll, die sich eben nicht wolfsgemäß verhalten. Wie sein Bautzener Kollege Michael Harig spricht er sich dafür aus, Wölfe zu töten, wenn notwendig.

Denn nicht nur die Frage steht im Raum, ob einzelne Tiere den Menschen gefährlich werden können. Schäfer und andere Tierhalter fürchten um ihre Tiere. Gerade Mitte November ist die Schafherde des Ehepaares Wiedmer aus Kaltwasser angegriffen worden. 15 Tiere haben dabei ihr Leben verloren. Andrea Wiedmer schlägt bei Facebook vor: „Die Mitarbeiter im Wolfsbüro oder von Lupus könnten den Schäfern helfen bei der immer mehr zunehmenden Arbeit durch den Wolf (Koppel bauen, Flatterband etc.). Auch diese Arbeit wird durch kein Wolfsbüro bezahlt.“ Sie fordern eine vernünftige Lösung für sich, aber auch für das Wildtier. Dazu sollten aber Lupus und das Wolfsbüro neutral sein.

Damit spricht sie die steigenden Vorsichtsmaßnahmen an, die notwendig werden, um die Tiere vor dem Wolf zu schützen. Die Lernfähigkeit von Wölfen ist bekannt. Insbesondere konnten die Wildtiere nach einmaligem Überspringen eines Elektrozaunes auch zukünftig solche Hindernisse erfolgreich überwinden. Aber es gibt wissenschaftliche Erkenntnisse, dass es dennoch Mittel gibt, die nach wie vor die Raubtiere fern halten.

Der Einsatz von Elektrozäunen, kombiniert mit dem sogenannten Flatterband oder der Einsatz von Herdenschutzhunden unterbindet Forschungen der Universität Wien zufolge sofort Übergriffe durch Wölfe. Das Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz gibt zudem an, dass es in Sachsen bislang in keinem Fall zu einer Überwindung von Zäunen mit Flatterband kam. Selbst das sogenannte Rosenthaler Rudel, das Zäune überwand, scheiterte daran.

Auch die Landespolitik ist auf dieses Problem aufmerksam geworden. „Das Zusammenleben von Mensch und Wolf funktioniert nur dann, wenn die Nutztiere richtig geschützt werden. Der konsequente Einsatz von Präventionsmaßnahmen ist unbedingt notwendig“, fordert Wolfram Günther, umweltpolitischer Sprecher der Landtagsfraktion der Grünen. „Es ist die Aufgabe der Staatsregierung, die Nutztierhalter auch unter Einbeziehung der Verbände für konsequente Schutzmaßnahmen zu sensibilisieren.“