Merken

Wolken überm Sonnenhof

Heidenaus Wohnungsgesellschaft will mehr Platz für Betreutes Wohnen schaffen. Das ist unsozial, sagen Kritiker.

Teilen
Folgen
© Kristin Richter

Von Heike Sabel

Auf der einen Seite der Sonnenhof mit seinen gelben und grünen Balkonverkleidungen, auf der anderen tristes DDR-Plattenbaugrau. Nach dem Willen von Heidenaus städtischer Wohnungsgesellschaft WVH soll es hier auch bald bunt werden, sie plant den Sonnenhof II. Doch bevor der entstehen kann, müssen aus der alten Platte sämtliche Mieter raus. Wenn sie nach dem Umbau wieder einziehen wollen, müssen sie mehr Miete bezahlen. Das können die meisten nicht. Deshalb haben sich betroffene Mieter bereits im vergangenen Jahr mit einer Petition an Bürgermeister Jürgen Opitz (CDU) gewandt. Nun gibt es eine Antwort, die die Mieter nicht zufriedenstellt, eine Umfrage, die auf Kritik stößt, und eine Forderung.

Die Petition: Gegen Auszug und höhere Mieten

Die städtische Wohnungsgesellschaft WVH will die Käthe-Kollwitz-Straße 15-25 zum Betreuten Wohnen Sonnenhof II ausbauen. Das soll ab 2019 passieren. Die Bewohner der Eingänge 15/17/19 können zwar während des ersten Bauabschnittes noch in ihren Wohnungen bleiben, doch weil die Arbeiten ihren Wohnkomfort einschränken, bietet die WVH ihnen bei Bedarf andere Wohnungen an. Für die meisten heißt das: ausziehen für immer, denn sie können die dann höhere Miete nicht zahlen. Bewohner aller Eingänge haben deshalb im Spätherbst eine Petition an den Bürgermeister unterschrieben. Ihre größten Sorgen: die höhere Miete im künftigen neuen Sonnenhof und die Schwierigkeit, eine preiswertere Wohnung zu finden.

Bürgermeister Jürgen Opitz hat ihnen nun geantwortet. Als Aufsichtsratsvorsitzender der WVH verspricht er den Mietern, auch in Zukunft Wohnungen zu „sozialverträglichen Mietpreisen“. Von Stadtrat Michael Schürer (Heidenauer Bürgerinitiative) nach einer konkreten Höhe gefragt, wollte sich Opitz jedoch nicht festlegen. Dafür bekennt er sich zur Unterstützung der „zukunftsorientierten Maßnahmen der WVH“. Auch das Wohnungsunternehmen verspricht, den Betroffenen Wohnungen entsprechend ihrer jetzigen Miete bereitzustellen.

Die Umfrage: Betreutes Wohnen ist für die meisten keine Option

Die Fraktion der Linken/Grünen im Stadtrat hat 70- bis 75-jährige Heidenauer Mieter nach ihren Wohn-Wünschen und finanziellen Möglichkeiten gefragt. Der Zeitpunkt für die Umfrage um den Jahreswechsel sowie eine fehlende Ankündigung der Umfrage seien zwar ungünstig gewesen, räumt die Fraktion ein, aber die Ergebnisse durchaus verwertbar.

Wichtig sei den Befragten, dass sie so lange wie möglich in ihren Wohnungen bleiben können. Wenn sie ausziehen, dann nur ins Pflegeheim. Ein Betreutes Wohnen ist für die meisten keine Option. Noch können sie ihre Mieten gut zahlen. Eine Erhöhung wird jedoch kritisch gesehen. Die Fraktion geht zudem davon aus, dass es für Jüngere – insbesondere Geringverdienende – immer schwieriger wird, im Alter die steigenden Mieten zu zahlen.

Die Sonnenhof-Diskussion bewegt auch einige der Heidenauer, die an der Umfrage teilnahmen. Die Linken zitieren zum Beispiel eine Frau: „Wir haben nichts gegen eine Sanierung, aber sie muss bezahlbar sein. Das, was die WVH vorhat, ist mit unserer Rente nicht zu bezahlen.“ Ein anderer Schreiber wird zitiert: „Es kommt uns vor, als würde man hier Rentner abzocken wollen.“ Die Fraktion erwägt, die Umfrage fortzuführen. Die CDU im Stadtrat zweifelte die Umfrage unter anderem wegen des Datenschutzes an. Doch die Linken hatten sich abgesichert. Ordnungsamtsleiter Torsten Walther bestätigte, dass alles seine Richtigkeit hatte.

Die Forderung: Pläne für Sonnenhof II stoppen

Für die Linken gibt es nur eine Konsequenz: Die Planung und Umsetzung des Projektes Sonnenhof II muss gestoppt werden. Die Schmerzgrenze für die Mieter seien 6,50 Euro pro Quadratmeter, so die Linken. Die WVH kalkuliert derzeit mit einem Euro mehr plus Betreuungspauschale. Diese beträgt im Sonnenhof I 80 Euro für eine Person, 120 Euro für zwei in einer Wohnung. Wenn die Leute die künftig höhere Miete nicht zahlen können, befürchten die Linken nach dem Umbau einen Leerstand, dessen Kosten alle Mieter tragen müssen.

Der Antrag auf Stopp wird innerhalb von drei Monaten im Stadtrat entschieden. Bis dahin arbeitet die WVH weiter an ihrem Vorhaben.