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„Wollen wir den Moped-Führerschein ab 15?“

Der CDU-Landtagsabgeordnete Jens Michel lädt seit fünf Jahren zum politischen Stammtisch. So erfährt er, was die Leute bewegt.

© Archivfoto: Daniel Förster

Von Franz Werfel

Sebnitz/Freital. An diesem Abend kommt im Restaurant des Sebnitzer Sportzentrums Soli Vital eine buntgemixte Runde zusammen. Der Lohmener CDU-Landtagsabgeordnete Jens Michel hat zu seinem politischen Stammtisch geladen. Seit fünf Jahren macht er das so, „immer am letzten Montag im Monat – außer bei Ferien oder Fußballweltmeisterschaften“, sagt er.

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Bei diesen Zusammenkünften gibt es für ihn und seine Gäste feste Rituale: Trinken in gemütlicher Runde in neutraler Umgebung, Essen gibt es meist erst nach der 90-minütigen Diskussion. Zu Beginn wird über die Tagesordnung abgestimmt, die Michel vorschlägt. Eigene Vorschläge kann jeder einbringen. Meist bleiben drei Punkte, die jeweils 30 Minuten lang diskutiert werden. Heute: Diesel-Fahrverbot im Nationalpark, Moped-Führerschein ab 15 und die Frage, ob es wichtig ist, ob Bundesminister aus Ost- oder Westdeutschland kommen. Letztere hatte viele Ostdeutsche bewegt, weil die CDU für das neue Kabinett außer der Kanzlerin keinen weiteren Kandidaten mit Ost-Biografie aufgestellt hatte.

Diese Frage treibt die meisten der 16 Gäste, davon sechs mit CDU-Parteibuch, besonders um. Schnell kommen die Diskutanten an diesem Montag im März weg von der Ausgangsfrage. Denn für ein Bundesministerium solle vor allem die Qualifikation zählen, nicht Parteienproporz. Da sind sich die meisten einig. Schon eher stört sie, dass fast 30 Jahre nach der Wiedervereinigung in Sachsen noch mancher Minister, vor allem aber Staatssekretäre sowie Referats- und Abteilungsleiter, aus dem Westen stammen. „Unsere Leute sollten mehr Chancen bekommen“, sagt einer. „Ab wann ist man denn Sachse?“, fragt Michel. Jemand witzelt: „Wenn man ,Nu‘ sagt.“

Ein älterer Einwohner, der Abteilungsleiter in einem großen westdeutschen Unternehmen war, sagt: „Beziehungen schaden nur, wenn man sie nicht hat.“ Zustimmendes Genicke. Ein jüngerer Mann, der in Sebnitz wohnt und lange in China gearbeitet hat, erzählt, dass westdeutsche Kollegen durchaus eine andere Kultur an den Tag legen, wenn es darum geht, in Führungspositionen zu kommen. „Hier im Osten gibt es weniger Ellenbogen.“ Aber vielleicht geht es bei der Frage nach den „Posten für den Osten“ auch um mehr: Um Aufstiegschancen für Jüngere, um Netzwerke, Seilschaften und Eliten. Und darum, wie Ossis davon etwas abbekommen können.

Abgehakt, nächstes Thema: Diesel-Verbot im Nationalpark? Klar wird: Große Spediteure sollten auf die Schiene ausweichen. Man sollte Leuchttürme schaffen für vorbildliche Projekte, mit Elektro-Motoren oder Hybrid-Antrieben. Einwohner und Touristen aber sollen weiterhin mit Diesel fahren. „Sonst würden wir uns ins eigene Fleisch schneiden“, sagt eine der drei anwesenden Damen. Michel: „Ich halte also fest: Niemand hat die Absicht, den Diesel zu verbieten.“ Das Moped-Thema ist ebenfalls schnell durch. Alle finden es gut, dass man in Sachsen ab 15 den Moped-Führerschein machen darf. Das helfe den jungen Leuten auf dem Land, mobil zu sein.

Jens Michel macht das geschickt. Er führt in die Themen ein – und nimmt sich dann zurück, hört zu. Für ihn sind diese Treffen Gold wert. Er hat das Ohr an den Bürgern, die sehr offen sprechen, und bekommt mit, was sie umtreibt. Beim nächsten Stammtisch, sagt Jens Michel, will er einen ausgeben. Dann gibt es von seinem politischen Debattierklub die 33. Ausgabe.

Der nächste Stammtisch findet statt am Montag, 28. Mai, 19 Uhr im Amtshof Königstein, Pirnaer Straße 30.