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Sport

Wozu braucht man eigentlich den DFB?

DFB-Präsident Reinhard Grindel hat am Dienstag alle Ämter im Verband niedergelegt. Ein Kommentar von SZ-Redakteur Daniel Klein.

© dpa/Montage: SZ-Bildstelle

Nun ist also der nächste DFB-Präsident über eine Affäre gestolpert. Nebeneinkünfte soll Reinhard Grindel nicht korrekt angegeben und eine Luxusuhr als Geschenk angenommen haben. Viele werden mit der Schulter zucken, ein echter Aufreger ist das nicht mehr. Zu abgestumpft sind die Fußballfans angesichts der in den vergangenen Jahren aufgedeckten Bestechungen und Korruptionen bei Fifa, Uefa oder DFB.

Das Schulterzucken ist ein Indiz für die zunehmende Entfremdung zwischen der Fußballbasis und den hohen Funktionären. Und die könnte Folgen haben. In den Bundesliga-Stadien kann man die ersten bereits erkennen, dort bleiben in dieser Saison auffallend viele Zuschauerplätze leer. Die fortschreitende Zerstückelung der Spieltage, die immer irrwitzigeren Ablösesummen und Gehälter, die Verlegung der Champions League ins Bezahlfernsehen – damit können sich längst nicht mehr alle Fans identifizieren.

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Auch mit dem Deutschen Fußballbund, der von einer Verlegenheit in die nächste stolpert, wird das zunehmend schwerer. Der Fall Grindel könnte dazu führen, dass der gesamte DFB infrage gestellt wird. Die obersten beiden Ligen verwalten und vermarkten sich längst selbst, bei der Nationalelf und den Bundesliga-Schiedsrichtern wäre es ein logischer Schritt. Blieben noch die Amateure – aber brauchen die wirklich einen riesigen Verband mit zig Gremien, Ausschüssen und Funktionären als Überbau? Ließen sich die unteren Ligen und der Nachwuchs nicht auch professioneller und effektiver in regionalen Strukturen managen? Und wäre dann nicht mehr Geld übrig für die, die es wirklich benötigen?

Der Gedanke mag reizvoll sein, umsetzbar ist er jedoch nicht. Eine Sportart braucht eine bundesweit agierende Instanz, die Regeln aufstellt und deren Einhaltung überwacht. Der DFB ist eine Autorität. Präsidenten, die sich nicht an Regeln halten, beschädigen diese Autorität.

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E-Mail an Daniel Klein.

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