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Wozu eine Partei gut sein kann

Oft verpönt und gerügt sind sie tatsächlich unsere letzte Rettung.

© Robert Michael

Von Gunnar Saft

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Auf die Töpfe, fertig, los! 

In der Sächsischen Schweiz stehen die Kulinarischen Wochen vor der Tür und mit der Aktion "Mach was draus!" hat jeder die Chance auf tolle und leckere Preise.

IN Sachsen werden wieder Parteihäuser gestürmt. Aber keine Angst, statt wie einst in der untergegangenen Weimarer Republik (Jüngere Leser googeln das jetzt erst mal und lesen danach weiter!), benutzt man dafür heute keine Brechstangen und Steine mehr. Inzwischen reichen für einen solchen Sturm ein Computer mit Internetanschluss oder ein Brief. (Brief nicht gleich googeln, das kann man auch so wissen.)

GESTÜRMT wird aktuell Sachsens SPD-Zentrale. Im Hauptquartier der chronisch mitgliederschwachen 12,4-Prozent-Partei stapeln sich nämlich zurzeit die Mitgliedsanträge von Menschen, die mit der SPD unzufrieden sind. Kein Schreibfehler! Die Sache soll so laufen: Alle unzufriedenen Wähler, die dagegen sind, dass SPD und CDU auf Bundesebene eine neue Groko bilden, werden ganz schnell SPD-Mitglieder. Denn die dürfen bald abstimmen, ob es auch tatsächlich zu einer Groko II kommt. Die vielen Neu-Sozis sind quasi alle trojanische Pferde (googeln!), bescheren den Sozialdemokraten zunächst aber einen Mitgliederrekord: 5 000. Sachsens Parteichef und Pro-Grokoer Martin Dulig hat dagegen weiter nur eine Stimme. Das könnte reichen – überrannt!

WENN das auch eine ganz wilde Rechnerei ist, steckt darin aber Potenzial. Mitgliedsanträge gibt es auch bei anderen Sachsen-Parteien. Sollte uns bei denen etwas nicht passen, treten wir künftig nicht zu, sondern ein. Und dann wird sofort neu abgestimmt, so einfach. Komisch nur, dass wir erst jetzt darauf kommen, was wir lange Zeit allenfalls ahnten: Nicht als Wähler, sondern nur als Parteifreund entscheidet man wirklich!