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Xavier hatte über 100 Sachen drauf

Hobbymeteorologe Jens Tischer hat den Donnerstag-Sturm in Lückersdorf vermessen. Viele Bäume kippten um.

© Jonny Linke

Von Nicole Preuß, Reiner Hanke und Frank Oehl

Kamenz. Xavier hat gewütet. Vor allem im Norden und in der Mitte Deutschlands. Aber auch, wenn auch etwas abgeschwächt, im Raum Kamenz. Das hat der Lückersdorfer Hobbymeteorologe Jens Tischer registriert. Er spricht von einem Orkantief, das durchgezogen ist. „Es hat auch dem nordöstlichen Sachsen hohe Windgeschwindigkeiten gebracht.“ Es sei diesmal aber im Gegensatz zu manch anderem Sturm gut von den Wetterdiensten vorhergesagt worden und zog im Eiltempo von der Nordsee bis zum Donnerstagabend nach Mittelpolen. Zum Beispiel zwischen 16 und 18 Uhr mit bis zu 106 km/h über Lückersdorf. Hier konnte Jens Tischer einen Sturm bis zur Stärke 11 messen. „Das Problem war der frühe Zeitpunkt, da die Bäume noch sehr belaubt sind und damit einen hohen Widerstand darstellen.“ Viele hielten dem Druck nicht stand.

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An der Schillerstraße in Pulsnitz erwischte der Sturm eine Weide. Zu weiteren Sturm-Einsätzen mussten die Pulsnitzer Feuerwehrleute nach den Worten von Wehrleiter Dirk Kunte nicht ausrücken.
An der Schillerstraße in Pulsnitz erwischte der Sturm eine Weide. Zu weiteren Sturm-Einsätzen mussten die Pulsnitzer Feuerwehrleute nach den Worten von Wehrleiter Dirk Kunte nicht ausrücken. © Reiner Hanke
Die Zufahrt zur Joliot-Curie-Siedlung in Kamenz musste nach dem Sturm für längere Zeit gesperrt bleiben. Hier hatte sich ein umgestürzter Baum in einer Stromfreileitung der Ewag verfangen.
Die Zufahrt zur Joliot-Curie-Siedlung in Kamenz musste nach dem Sturm für längere Zeit gesperrt bleiben. Hier hatte sich ein umgestürzter Baum in einer Stromfreileitung der Ewag verfangen. © René Plaul

Feuerwehreinsätze nach dem Sturm

In Bischofswerda warf der der Sturm am Donnerstag gegen 18:45 Uhr einen Baum gegen ein Wohnhaus.
In Bischofswerda warf der der Sturm am Donnerstag gegen 18:45 Uhr einen Baum gegen ein Wohnhaus.
Zum Glück entstand an dem Haus in der Belmsdorfer Straße kein Schaden.
Zum Glück entstand an dem Haus in der Belmsdorfer Straße kein Schaden.
Die Feeuerwehr rückte mit der Drehleiter an.
Die Feeuerwehr rückte mit der Drehleiter an.
Der Baum wurde aus seinen Wurzeln gehoben.
Der Baum wurde aus seinen Wurzeln gehoben.
Auch in Dahlowitz musste die Feuerwehr anrücken.
Auch in Dahlowitz musste die Feuerwehr anrücken.
Bei einem großen Baum in Dahlowitz brach ein dicker Ast ab.
Bei einem großen Baum in Dahlowitz brach ein dicker Ast ab.
Der beschädigte Baum.
Der beschädigte Baum.
Die Standsicherheit des Baumes war nicht mehr gewährleistet. Er wurde schließlich abgetragen.
Die Standsicherheit des Baumes war nicht mehr gewährleistet. Er wurde schließlich abgetragen.
In Liebenau bei Kamenz fiel ein Baum in ein Dach.
In Liebenau bei Kamenz fiel ein Baum in ein Dach.
Der Dachstuhl wurde erheblich beschädigt.
Der Dachstuhl wurde erheblich beschädigt.
Die Wurzeln hatten den Baum nicht halten können.
Die Wurzeln hatten den Baum nicht halten können.

Zeitweise waren im Landkreis Bautzen die Kameraden von sage und schreibe 140 Feuerwehren alarmiert, teilte die Kreisverwaltung auf Nachfrage mit. In Kamenz wurde eine kleine Einsatzzentrale, die sogenannte Landfunkstelle, in Betrieb genommen, die viele Einsätze in Schönteichen und Kamenz koordinierte. Das Sturmtief richtete glücklicherweise bei Weitem nicht den Schaden an, den die Wetterlage „Paul“ Ende Juni in Königsbrück, Pulsnitz und im Haselbachtal hinterlassen hatte. Umgestürzte Bäume, die zum Teil auch auf großen Staatsstraßen lagen, mussten trotzdem beseitigt werden. Dazu kamen einige Schäden an Häusern.

Eine große Esche stürzte zum Beispiel auf die alte Mühle in Liebenau und beschädigte das Dach erheblich. Feuerwehrleute aus Cunnersdorf, Schönbach, Bernbruch und Brauna wurden alarmiert, die Feuerwehren aus Cunnersdorf und Brauna rasten aber dann gleich zum nächsten Einsatz. „Es war so viel los, deshalb hat dann Bernbruch übernommen“, sagt der Cunnersdorfer Wehrleiter Michael Penner.

Umleitungen eingerichtet

Ein großer Baum stürzte auch auf ein Haus in der Joliot-Curie-Siedlung in Kamenz und beschädigte dabei die Stromleitung. Die Feuerwehr hatte Mühe, den Baum zu beräumen. „Das war in der Nacht gar nicht möglich“, sagt der Kamenzer Ortswehrleiter Steffen Geisendorf. Die Straße wurde voll gesperrt und der Baum erst am Vormittag weggeschafft. Die Busse, die die Straße als Umleitungsstrecke für die gesperrte Königsbrücker Straße nutzen, und die Anwohner der Siedlung mussten sich deshalb vorübergehend auf Umwege einstellen.

Die Feuerwehr Königsbrück räumte in acht Einsätzen mehrere kleinere Bäume und heruntergebrochene Äste von den Straßen. Die Feuerwehr Schwepnitz war ebenfalls deshalb in der Nacht im Einsatz, in der Gemeinde waren vor allem die kleineren Gemeindestraßen betroffen. Ein Mast, der in Neukirch weggebrochen war, musste außerdem beräumt werden. In Brauna krachte ein Baum in eine Telefonleitung. Die Kamenzer Feuerwehr räumte mehrere kleine Bäume und stärkere Äste von der Staatsstraße bei Deutschbaselitz. „Die Straße war aber nie voll gesperrt“, sagt Steffen Geisendorf. Die Feuerwehrleute aus Biehla und Straßgräbchen kümmerten sich um einen umgestürzten Baum auf der Staatsstraße zwischen Biehla und dem Abzweig nach Hausdorf.

Der Zugverkehr zwischen Kamenz und Dresden war zeitweise unterbrochen, weil erst Bäume von den Gleisen geholt werden mussten. „Es waren aber nur kurze Abschnitte betroffen“, sagt eine Sprecherin der Städtebahn Sachsen. Freitagmorgen rollten nach Unternehmensangaben alle Züge wieder nach Plan. Es musste am Vormittag zwar zeitweise Schienenersatzverkehr zwischen Dresden und Königsbrück eingesetzt werden, doch das hatte nichts mit dem Sturm zu tun.

Der Raum Pulsnitz-Rödertal kam diesmal eher glimpflich davon, schätzen dortige Kameraden ein. Ein paar Schilder, Baustellenabsperrungen und Äste flogen durch die Gegend. Zur Schillerstraße in Pulsnitz rückten die Feuerwehrleute aus, weil gegen 17.20 Uhr eine Weide auf ein benachbartes Grundstück gefallen war. Die Äste blockierten den Zugang zum Grundstück. Mit der Kettensäge konnten die Kameraden schnell helfen.

Auch Enso und Ewag betroffen

In Ohorn kippte gegen Abend ein Baum in eine Freileitung. Das sorgte nach den Informationen der Enso für einen gut einstündigen Stromausfall von 18.30 bis 19.45 in Teilen der Schleisberg- und Hauswalder Straße: „28 Haushalte waren betroffen“, so Enso-Sprecherin Birgit Freund. Der Schaden habe schnell behoben und nach dem Entfernen des Baumes der Strom schnell wieder zugeschaltet werden können. Ein beschädigter Hausanschluss wurde am Freitag repariert. Insgesamt gab es im Enso-Regionalbereich Bautzen 25 Störungen. 1 400 Kunden waren betroffen.

Auch im Versorgungsbereich der Ewag Kamenz gab es kürzere Stromausfälle. Neben der Freileitung in der Joliot-Curie-Siedlung war auch eine überirdische Versorgungsstrecke am Hennersdorfer Weg in Kamenz betroffen. Ewag-Vorstand Torstern Pfuhl: „Unsere Techniker bekamen die Probleme zügig in den Griff.“ Nach etwa 45 Minuten lag wieder Strom an.