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„Yakari“ verdrängt Winnetou

Die Begeisterung für die Ureinwohner Nordamerikas hält an. Auch wenn Winnetou neuen Helden Platz machen muss. Zum Karl-May-Fest in Radebeul werden dennoch Traditionen der Indianer lebendig.

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© dpa

Radebeul Das Interesse für die Ureinwohner Nordamerikas und deren Kultur ist nach Einschätzung des Karl-May-Museums in Radebeul auch heute noch ungebrochen. „Die Faszination besteht über Generationen“, sagte die Direktorin des Radebeuler Karl-May-Museum, Claudia Kaulfuß, der Deutschen Presse-Agentur. Gerade Kinder seien begeistert von den Federhauben, dem Bogenschießen und dem Reiten.

Allerdings habe sich der Zugang gewandelt, so Kaulfuß. Winnetou, der Held aus den Romanen Karl Mays, sei vielen Kindern heute kaum noch ein Begriff. Stattdessen erfreue sich die Zeichentrick-Serie „Yakari“ mit einem kleinen Indianerjungen im Fernsehen großer Beliebtheit.

„Darauf haben wir als Museum reagiert“, erklärte Kaulfuß. Noch bis August ist die für Kinder entworfene Ausstellung „Yakari, Winnetou & Co. - Indianerbegeisterung gestern und heute“ in Radebeul zu sehen. Jungen und Mädchen können sich selbst in indianischen Geschicklichkeits- und Würfelspielen versuchen und dabei etwas über die Kultur der Ureinwohner lernen - und über Karl May. „Schließlich hat er die Indianerbegeisterung in Europa erst ausgelöst.“ Rund 57 000 Besucher kommen jedes Jahr in das Radebeuler Museum.

Zur Einstimmung auf die Karl-May-Festtage (15. bis 17. Mai) lädt das Museum am Himmelfahrtstag zum Rendezvous: Oneida-Indianer zeigen Tänze, zudem wird eine kleine „Lacrosse“-Ausstellung über das traditionelle Ballspiel der Ureinwohner Nordamerikas eröffnet.

Zum Fest selbst reist auch Cecil Pavlat vom Ojibwa-Stamm an. Er forderte im Vorjahr die Rückgabe eines Skalps, der sich seit Jahrzehnten im Besitz des Museums befindet. „Wir werden unsere Gespräche fortführen“, kündigte Kaulfuß an. Ein gemeinsames Forschungsprojekt soll klären, woher der Haarschopf stammt. Der Forschungsplan steht seit Februar. Wann Ergebnisse vorliegen, ist noch unklar. Die Quellen seien oft mehr als 100 Jahre alt. „Es dauert, sie zu erforschen.“ (dpa)