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„Yo, wir schaffen das!“

Ottendorfer Kinder bauen eine Lego-Stadt mit Zoo und Fernsehturm. Am Sonntag kann sie besichtigt werden.

© Thorsten Eckert

Von Nadine Steinmann

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Auf der Suche nach dem perfekten Weihnachtsgeschenk kommt meist Stress auf? Warum nicht einfach ein bisschen Zeit zum Relaxen unter den Baum legen?

Ottendorf-Okrilla. Es ist unglaublich, wie schnell eine Stadt wachsen kann! Vor allem, wenn viele kleine Baumeister gemeinsam anpacken und Stein für Stein zahlreiche Einfamilienhäuser mit wunderschönen Vorgärten in die Höhe schießen lassen. Und das alles an einem einzigen Nachmittag! Keine langen Genehmigungsverfahren, keine Vorschriften über die Farbe der Fassade oder des Daches – jedes Haus ist kunterbunt und spiegelt die Kreativität der Bauherren wider.

Die Jungs bauen fleißig das Fußball-Stadion. Für welche Farbe haben sie sich wohl bei den Sitzen entschieden?
Die Jungs bauen fleißig das Fußball-Stadion. Für welche Farbe haben sie sich wohl bei den Sitzen entschieden? © Thorsten Eckert

Natürlich ist das im realen Leben absolut unwahrscheinlich. Auch, wenn es sich die Vertreter der Ottendorfer Gemeindeverwaltung sicherlich vor allem in Bezug auf die Entwicklung des ehemaligen Betonwerkareals wünschen würden. Denn genau hier scheitern sie seit Jahren an bürokratischen Hürden. Ganz anders läuft es dagegen bei der Stadtentwicklung im Speisesaal der Ottendorfer Grundschule ab. Hier braucht es keine Regeln, sondern nur ganz viele Legosteine und die Lust am kreativen Bauen.

Wie Bob der Baumeister

Kurzum: Eine ganze Stadt aus den kleinen Plastiksteinchen entsteht hier innerhalb von vier Tagen. Zu diesem besonderen Angebot hat die evangelisch-freikirchliche Gemeinde Ottendorf gemeinsam mit dem Kids-Team aus Vorpommern in den vergangenen Tagen eingeladen.

Nachdem die Kinder – vor allem Grundschüler – am ersten Tag die eingangs erwähnten Reihenhäuser gebaut haben, wollen die kleinen Bauherren am Donnerstag vor allem Großprojekte in Angriff nehmen. Getreu dem Motto ihres Vorbildes Bob der Baumeister aus der gleichnamigen Fernsehserie rufen die jungen Ottendorfer vor Baustart laut im Chor: „Yo, wir schaffen das!“ Und zwar gemeinsam! Denn die Liste der Bauprojekte an diesem Tag ist lang: Ein Krankenhaus, eine Bank, der Fernsehturm, ein Strandhotel, ein Fußballstadion, ein Sechseckhaus und ein Restaurant stehen auf dem Bauplan.

In kleinen Gruppen mit maximal vier Kindern geht es deshalb an die Arbeit. Unterstützung bekommen sie – falls es mal klemmen sollte – von den Mitgliedern der Kirchgemeinde und von Christian Vogel, Projektleiter der Lego-Stadt beim Kids-Team. „Wir haben hier über 200 000 Legosteine“, kann er berichten. Die liegen alle vorsortiert und gereinigt in Plastebehältern, sodass die Kinder ganz unkompliziert losbauen können.

Fünf Jahre lang gesammelt

Doch wo kommen die vielen Tausend Steine überhaupt her? Die hat Christian Vogel über fünf Jahre hinweg gesammelt. Als Spenden sind die kleinen, bunten Plastiksteinchen aus ganz Deutschland bei ihm eingegangen. Und da bleiben auch keine Wünsche offen: Von den klassischen Vierer- und Sechser-Steinen in allen Farben über kleine Blümchen bis hin zum pinken Fahrrad, Lego-Polizisten, Basketball-Körben, Fensterrahmen und Briefkästen ist alles zu finden!

Und genau das bereitet den jüngsten Ottendorfern in diesen Tagen besonders viel Freude. Während die eine Gruppe Jungs darüber diskutiert, welche Farbe die Sitzplätze im Stadion haben sollen, baut eine andere Gruppe fleißig am Krankenhaus. Etage für Etage entsteht das Gebäude, das sich am Ende des Tages in die Lego-Stadt einreihen wird. Doch was kann jetzt noch kommen? „In den nächsten Tagen bauen wir noch einen Bauernhof, eine Schule, einen Leuchtturm, einen Flughafen und ein Hochhaus“, verrät Christian Vogel freudig.

Familiengottesdienst und Besichtigung

Und gerade bei Letztgenannten könnte es noch spannend werden. „Die Kinder entscheiden, wie hoch es tatsächlich wird“, erzählt der Kids-Team-Mitarbeiter. Zwei Meter, drei Meter? Wer es herausfinden möchte und neugierig ist, was die Ottendorfer Kinder in den vergangenen Tagen gemeistert haben, kann an diesem Sonntag einfach mal im Speisesaal der Grundschule vorbeischauen. Denn ab 10.30 Uhr laden die Veranstalter dann zu einem Familiengottesdienst mit anschließender Besichtigung der Lego-Stadt. „Hier kann jeder gern vorbeikommen“, berichtet Ronny Menzel von der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde. Und ein Besuch lohnt sich! Denn so schnell wie die Stadt entstanden ist, wird sie leider auch wieder abgebaut. Dann verschwinden die 200 000 Steinchen wieder in ihren Kisten und gehen gemeinsam mit Christian Vogel weiter auf Reisen, um noch viele andere Kinder in Deutschland zu begeistern.