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Zackige Sommertour

Martin Dulig verbreitete in Löbau, Herrnhut und am Berzdorfer See gute Laune – und hörte sich Sorgen an.

© Matthias Weber

Von Romy Altmann-Kühr & Anja Beutler

Zu Küchentischen hat Martin Dulig ja bekanntermaßen eine besondere Beziehung. Seit einigen Jahren schon begibt sich der SPD-Politiker mit seiner Küchentisch-Tour durch den Freistaat und kommt mit Bürgern ins Gespräch. Zentrales Element bei diesem Diskussionsformat ist der ausgediente Küchentisch der Duligs. Bei seiner Stippvisite gestern auf der Haus-Schminke-Baustelle in Löbau interessierte sich Martin Dulig deshalb auch hier besonders für den Küchentisch und nahm an dem Möbel Platz.

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Beim Haus Schminke in Löbau setzte er mit Geschäftsführerin Claudia Muntschick einen Glasstein im Dach ein.
Beim Haus Schminke in Löbau setzte er mit Geschäftsführerin Claudia Muntschick einen Glasstein im Dach ein. © Matthias Weber
Auch dem Berzdorfer See stattete er einen Besuch ab.
Auch dem Berzdorfer See stattete er einen Besuch ab. © Pawel Sosnowski/pawelsosnowski.c

Dulig war in den vergangenen Tagen auf Sommertour in seiner Funktion als sächsischer Minister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr auch in Löbau und Umgebung. Das Haus Schminke besuchte er kurz vor dem Abschluss der Bauarbeiten, die gerade hier stattfinden. Dabei legte Dulig auch selbst Hand an und setzte ein Glaselement auf dem Dach ein. Claudia Muntschick, Geschäftsführerin der Stiftung Haus Schminke, zeigte Dulig die Raffinessen des denkmalgeschützten Hauses – und der Küche. Hier steht zum Beispiel ein Original-Tisch einer sogenannten Frankfurter Küche, die sozusagen die Mutter der heute bekannten Einbauküche ist. Im Haus Schminke hat die Tischplatte einen dunkelgrünen Linoleumbelag. Das hat seinen Grund, wie Frau Muntschick dem staunenden Minister erklärte: „Auf diese Farbe setzen sich Fliegen nicht.“ Auch sonst entdeckte der Minister im Haus viele praktische Details, die ihn als Vater einer Großfamilie faszinierten. Dulig ist schließlich selbst Vater von sechs Kindern.

Dass er mit den Jüngsten gut umgehen kann, war beim Besuch der Herrnhuter Sterne GmbH kurz danach nicht zu übersehen: Mit Sternekind Deborah Jael Novakova, die „in die dritte Klasse kommt“, unterhielt sich der Minister und gelernte Pädagoge buchstäblich auf Augenhöhe, was den hochgewachsenen Politiker zu einem Kniefall nötigte. Klackssache für den Sozialdemokraten, der anschließend in der Entdeckerwelt der Sterne mit Jael noch einen Kletterkurs samt Rutschpartie absolvieren musste und natürlich auch einen Stern gebastelt hat.

Der Besuch war für Oskar Scholz, Geschäftsführer des Herrnhuter Unternehmens, zudem eine gute Gelegenheit, den neusten Erfolg zu verkünden: Die Sternemanufaktur wird erstmals als familienfreundliches Unternehmen zertifiziert. Gerade einmal anderthalb Wochen liege nun die Prüfung zurück, erklärte Scholz stolz. In den vergangenen Monaten hatte das Unternehmen in der Tat enorme Investitionen gestemmt und jene Entdeckerwelt geschaffen, in der nun auch der Minister probeweise klettern und basteln konnte.

Der Stern, den Dulig fingerfertig zusammenleimte, hatte natürlich weiße und grüne Zacken – typisch sächsisch eben. Eigentlich aber, so verriet der Minister, möge er die Sterne „mit dem roten Kern und den weißen Spitzen“ am liebsten. Die prompt folgende Spitze der kleinen Jael, dass es sich dabei allerdings um gelbe Spitzen handelte, quittierte der Ministermitreisetross mit herzhaftem Lachen.

Dass sich Dulig durchaus mit Herrnhuter Sternen und auch mit den Losungen der Brüdergemeinde auskennt, zeigte sich beim Besuch im Kirchensaal. Für 2,4 Millionen Euro will die Brüdergemeine ihn bis zum Jubiläumsjahr 2022 sanieren. Eine erkleckliche Förderung für die Orgelrestaurierung hatten Bund und Land erst vor wenigen Tagen zugesagt und Ministerpräsident Michael Kretschmer auch nach Herrnhut gebracht. Solche Geschenke hatte Dulig freilich nicht im Gepäck, aber er bekam als kleines Andenken von der Kirchenleitung ein Losungsbuch überreicht. Erfreut zückte Dulig sein Handy und erklärte, dass er dieses Stück Herrnhut täglich nutze: „Ich lese sie auf Twitter und meine Frau liest sie im Buch“, sagte er und fragte, wer denn den Twitter-Account der Herrnhuter betreue. Brüder-Unitäts-Sprecher Erdmann Carstens musste dann lächelnd eingestehen, dass die Herrnhuter das Twittern gar nicht selbst machten, sondern offenbar ein Fan der Losungen.

Auf Hilfe aus dem Freistaat hoffen freilich auch alle Freunde des Berzdorfer Sees, den Dulig am Vormittag besuchte:

Görlitz’ Oberbürgermeister Siegfried Deinege wies dabei zum Beispiel auf die Schiffbarkeitserklärung hin. Sie legt, grob gesprochen, fest, was genau wo erlaubt ist am und auf dem See. Wo ist welche touristische Nutzung möglich, wo darf welche Art Boote fahren? Die Stadt und andere Anlieger haben ihre Vorstellungen und Pläne eingereicht, „wir haben alle Zuarbeiten gemacht“, so Deinege. Wie die Schiffbarkeitserklärung am Ende aussieht, das erarbeitet die Landesdirektion Sachsen.

( mit SZ/sdn)