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Prozess um Massenschlägerei zieht sich

Im April 2015 eskaliert ein Streit zwischen 40 Bewohnern. Nun steht einer der Schläger vor Gericht – nicht zum ersten Mal.

© Archiv/Kamprath

Von Stephan Klingbeil

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Das Schlittschuhlaufen im FEZ “Hains“ ist ein herrlicher Spaß – egal ob als Eisprinzessin oder -prinz, mit Pirouetten drehen oder als blutiger Anfänger.

Osterzgebirge. Vier Funkstreifenwagen mit Polizisten und ein Team der Bundespolizei waren an jenem 7. April 2015 ausgerückt, um die Ausschreitungen am und im Asylbewerberheim Schmiedeberg in den Griff zu bekommen. Ehe die Beamten gegen 19 Uhr alarmiert wurden, hatte sich ein Streit zwischen Tunesiern und Eritreern zu einer Massenschlägerei hochgeschaukelt. Mindestens 40 der Bewohner seien daran beteiligt gewesen – unter anderem ein 26-jähriger Tunesier, der sich derzeit am Landgericht Dresden wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten muss.

Bei der Keilerei an jenem Abend soll er einen Fernseher nach drei anderen Afrikanern geworfen und sie mit einem Feuerlöscher besprüht haben. Was der Auslöser für den Streit gewesen sei, hätte er nicht mitbekommen. Er habe seinen Freunden helfen wollen. Dass es um eine Lappalie ging, ist klar. Laut Zeugen wurde im Vorfeld darüber diskutiert, wer auf dem Fußballplatz am Heim mitspielen darf. Vielleicht war es aber auch bloße Langeweile und die latente Spannung zwischen den jungen Männern.

Jedenfalls entlud sich diese auf drastische Weise. Es setzte bei dem Handgemenge nicht nur Fausthiebe. Auch mit Messern und Stöcken seien die Beteiligten aufeinander losgegangen. Vier von ihnen wurden verletzt. In mehreren Zimmern wurde das Mobiliar demoliert, Türen gingen kaputt und mehrere Feuerlöscher wurden entleert. Während sich die Strafkammer ein Bild von den Hintergründen der Massenschlägerei und der möglichen Beteiligung des Angeklagten machen will, verfolgt der großgewachsene Angeklagte scheinbar unbeeindruckt das Geschehen. Der Mann kennt das Prozedere. Er sitzt bereits in Haft, war schon wegen Drogenhandels, Körperverletzung und Diebstahls verurteilt worden zu zwei Freiheitsstrafen über insgesamt vier Jahre und einen Monat. Nun droht dem Mann die nächste Verurteilung.

Er hat bereits vieles von den Vorwürfen gegen ihn eingeräumt, seinen Beitrag dabei allerdings abgeschwächt. Auch könne er sich an manche Details von damals nicht mehr erinnern. Dennoch ist der Strafrahmen im Gegenzug schon gesteckt: Höchstens drei Jahre und elf Monate Gefängnis stehen nun als Strafe im Raum. Bereits fest steht, dass die Identität des Mannes aus der Anklage nicht stimmt. Der Tunesier hatte – angeblich auf Anraten der Schleuser – mit diesem falschen Namen Asyl beantragt und war zunächst als Libyer registriert worden. Den Schwindel klärte er schon zu Verhandlungsbeginn auf. Ein Urteil steht noch aus. Der Prozess wird im Februar fortgesetzt.