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„Zähne aus dem Maul, sonst knallt’s!“

Ein 33-jähriger Waldheimer soll in eine Wohnung eingedrungen sein, geschlagen und beleidigt haben. Das kostet ihn 1.700 Euro.

Von Helene Krause

Regelrechter Tumult herrscht zeitweise im Saal des Amtsgerichts. Zuschauer, Angeklagter und Zeuge schreien sich an, werfen sich Lügen vor. Richter René Stitterich droht wiederholt, die Zuschauer rauszuwerfen. Erst, als er den Saal verlassen und wiederkommen will, wenn Ruhe eingetreten sei, kann die Verhandlung weitergehen. Vorgeworfen werden einem 33-jährigen Mann aus Waldheim mehrfache Beleidigung, Hausfriedensbruch, Körperverletzung und Sachbeschädigung.

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Am 6. Juni 2013 gegen 21. 15 Uhr soll er widerrechtlich in die Wohnung seiner Exfreundin in Waldheim eingedrungen sein. Erst als ein Nachbar kam, verschwand er. Des Weiteren soll er am 16. Juni 2013 in der Gartenstraße in Waldheim ein Ehepaar mehrfach beleidigt haben. Es fielen Worte wie: „Scher Dich dahin, wo Du hergekommen bist“ und „Zähne aus dem Maul, sonst knallt’s“. Am 7. November 2013 soll er in der Schlossstraße in Waldheim einen 28-jährigen Waldheimer mit der Hand ins Gesicht geschlagen, ihn beleidigt und ihm die Jacke zerrissen haben. Als die Mutter des Geschädigten hinzukam, beleidigte der Beschuldigte auch sie. Tage später traf er die Geschädigte noch einmal auf der Straße. Wieder beleidigte er sie mit Worten wie: „Du hast einen Hurensohn!“ und ähnlichen Obszönitäten.

Zu den Vorwürfen befragt, erklärt der Beschuldigte, dass er mit den Leuten hätte ruhig reden wollen. Die Beleidigungen des Ehepaares in der Gartenstraße wären nur erfolgt, weil der Ehemann die Kinder des Angeklagten, die in einem benachbarten Garten spielten, in übelster Weise beschimpft habe. Doch das bestreitet das Ehepaar. „Die Kinder haben an einem Zaun gerüttelt“, erklärt der Ehemann. „Ich habe sie darauf hingewiesen, dass zu unterlassen, da der Zaun kaputt geht.“ Der 28-jährige Waldheimer sagt in der Zeugenvernehmung: „Er schlug auf mich ein, weil er dachte, ich habe ihn angezeigt. Immer wieder sagte er, dass er wegen meiner Anzeige 600 Euro zahlen müsste.“ Dabei hatte der Zeuge ihn gar nicht angezeigt. Die Anzeige soll die Exfreundin des Angeklagten gemacht haben, weil er sie immer geschlagen habe. Zur Tatzeit soll der Beschuldigte nach Zeugenaussage unter Alkoholeinfluss gestanden haben.

Weil die Zeugen keinen Belastungseifer zeigen und vor Gericht genau das wiedergeben, was sie schon vor Monaten in der polizeilichen Vernehmung ausgesagt hatten, verurteilt das Gericht den Angeklagten für die Beleidigung des Ehepaares zu einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen und für die Körperverletzung in Tateinheit mit Sachbeschädigung und Beleidigung von Mutter und Sohn zu 90 Tagessätzen. Die Höhe des Tagessatzes beträgt zehn Euro.

Die Anklage wegen Hausfriedensbruchs in der Wohnung der Exfreundin wird im Hinblick auf ein früheres Verfahren gegen den Angeklagten, und weil die Hauptbelastungszeugin vor Gericht nicht erschienen ist, eingestellt. Am 21. Mai 2013 hatte der Beschuldigte wegen Hausfriedensbruchs, Körperverletzung und Sachbeschädigung einen Strafbefehl erhalten. Er sollte 550 Euro zahlen. Weil er die Zahlung bis heute nicht leistete, wird die Geldstrafe in das jetzige Urteil einbezogen.