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Zahl der Einbrüche auf Vorjahresniveau

Stadt und Polizei geben eine Erklärung zu Radebeul heraus – und bemühen dazu auch die 2015er-Statistik.

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© Arvid Müller

Von Peter Redlich

Radebeul. André Stübner, einer der zwei Geschäftsführer des Radebeuler Fahrradgeschäftes Tretmühle, hat aufgerüstet. Eine neue, noch teurere Alarmanlage als bisher. Stählerne Rollläden am Schaufenster des Ladens für E-Bikes. Gut 5 000 Euro mussten dafür aufgewandt werden.

Vor zwei Wochen haben hier nächtliche Einbrecher Fahrräder im Gesamtwert von 10 000 Euro gestohlen. „Ich habe die folgenden Nächte im Kleinbus vor dem Laden in der Moritzburger Straße geschlafen, so aufgewühlt war ich“, sagt Stübner.

Wie das Geschäft Tretmühle traf es über mehrere Tage gleich eine ganze Reihe von Geschäften und Gaststätten in der Moritzburger Straße, der Bahnhofstraße, in Altkötzschenbroda in West sowie an der Meißner Straße und der Hauptstraße in Radebeul-Ost.

Vor einigen Tagen saßen Radebeuls Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos), Revierleiter Hanjo Protze und Kripochef Jörg Kretzschmar im Rathaus zusammen, um zu dieser besonderen Lage zu beraten. Am gestrigen Donnerstag gaben sie dazu eine Information heraus. Darin heißt es: „Für die Stadt Radebeul ist im Trendabgleich festzustellen, dass aktuell beim ‚Besonders schweren Fall des Diebstahls‘ insgesamt circa 71 Prozent des Fallaufkommens des Vorjahres erreicht sind. Es ist also zu vermuten, dass am Jahresende ungefähr die Vorjahresbelastung bei diesen Delikten und Begehungsweisen erreicht wird.“

In diesem Zusammenhang muss allerdings erwähnt werden, dass bereits im Vorjahr die Zahl der Ladeneinbrüche im Landkreis Meißen erheblich zugenommen hat. Der für den Kreis zuständige Chef der Polizeidirektion Dresden, Horst Kretzschmar, nannte im Frühjahr dieses Jahres die 2015 besonders auffällige Steigerung von Wohnungseinbrüchen um fast 30 Prozent. Reichlich 300 Ladeneinbrüche standen 2015 in der Polizeistatistik, Tendenz ansteigend. Damals hieß es, selbst die Zahl der Einbrüche bei Tag habe sich mehr als verdoppelt.

Wie dreist Einbrecher sind, musste der auch in Radebeul mit seiner Gaststätte „Sushi und Wein“ ansässige Dresdner Unternehmer Wolfgang Förster in den letzten Tagen feststellen. Bis nach 7 Uhr am Morgen agierten Diebe in seiner Einrichtung direkt an der Meißner Straße und schleppten einen 100-Kilo-Tresor mit 600 Euro Wechselgeld weg.

Immerhin heißt es in der Information von Revierleiter Protze: „Gleichwohl nehmen wir die ungewöhnliche Häufung von vollendeten Einbrüchen und Versuchen in Räumlichkeiten aller Art in der Region seit August sehr ernst und reagieren selbstverständlich auch darauf.“

Die Vertreter des Polizeireviers hätten in dem Gespräch einen Maßnahmenkatalog vorgestellt, der unter anderem zusätzliche Einsatzmaßnahmen und eine Intensivierung der kriminaltechnischen Tatortarbeit beinhalte. Details sollen jedoch aus einsatz- und kriminaltaktischen Überlegungen heraus verborgen bleiben.

Hanjo Protze sagte auf Nachfrage der SZ, dass mittlerweile auch die Kriminalpolizei von Dresden mit eingebunden sei und helfe. Dies nannte der Revierleiter auch deshalb, weil im Kreis Meißen weitere Delikte zu klären seien. So beispielsweise die Brandserie im Friedewald zwischen Weinböhla und Coswig, Einbrüche im Moritzburger und Radeburger wie auch im Nossener Gebiet.

Zu Radebeul sagte er, dass in den nächsten Wochen weitere Maßnahmen zu erwarten seien. Wollte jedoch nicht konkreter werden.

An einigen der betroffenen Radebeuler Geschäften haben die Inhaber die Markierungen der Kripo zur Spurensicherung gleich drangelassen, um zu signalisieren: Hier seid ihr schon gewesen!

In den letzten Tagen ist die vorher beinahe im Tagesrhythmus gehäufte Zahl von Einbrüchen abgeebbt. Ob das schon eine Folge der Polizeimaßnahmen ist, wollte Kripochef Jörg Kretzschmar nicht bestätigen. „Das wäre Kaffeesatzleserei“, sagte er. Er hoffe jedoch, dass es jetzt ruhig bleibe.

Zugleich würden die Spuren zu den aufgenommenen Einbrüchen, auch den versuchten, derzeit intensiv untersucht. DNA-Analysen, so Kretzschmar, dauern jedoch, wegen des hohen Laboraufwandes, etwas länger.

In jedem Fall, da sind sich Polizei und Stadtverwaltung einig, sollten vor allem die Bürger wachsam sein. In der Mitteilung heißt es dazu: Bei Beobachtungen zu Vorbereitungshandlungen und in der akuten Einbruchsituation sofort die Polizei, vorzugsweise über den Polizeinotruf 110, informieren; Tatorte für die polizeiliche Spurensuche möglichst nicht verändern. Der Bevölkerung und auch den Gewerbetreibenden wird in diesem Zusammenhang für die bisherigen Hinweise und die Unterstützung gedankt.