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Zahl der Selbstzahler steigt

Ärzte bieten ihren Patienten laut einer Studie der AOK immer häufiger Zusatzleistungen an, die dem Mediziner privat bezahlt werden müssen. Der Bundes-Patientenbeauftragte hadert mit Sinn und Kosten mancher Maßnahme.

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© dpa

Berlin. Patienten werden in deutschen Arztpraxen immer häufiger Diagnose- und Behandlungsmethoden zum Selbstzahlen angeboten. Laut einer am Montag in Berlin veröffentlichten Umfrage des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) hat innerhalb von zwölf Monaten jeder dritte gesetzlich Versicherte eine solche „Individuelle Gesundheitsleistung“ (IGeL) offeriert bekommen.

Die Quote dieser Versicherten stieg damit deutlich von 29,9 Prozent 2012 auf mittlerweile 33,3 Prozent. 2001 waren es noch 8,9 Prozent gewesen.

Insgesamt hätten 2014 rund 20 Millionen gesetzlich Versicherte Erfahrung mit privaten Zusatzleistungen gemacht. Der Anstoß kommt in 72 Prozent der Fälle vom Arzt. In drei von vier Fällen wurde die angebotene Leistung auch erbracht. Mit Abstand am häufigsten werden Ultraschalluntersuchungen - im Wesentlichen zur Krebsfrüherkennung bei Frauen - und Leistungen im Rahmen der Glaukom-Früherkennung angeboten.

Der Bundes-Patientenbeauftragte Karl-Josef Laumann (CDU) kritisierte Ärzte, die nicht richtig über Sinn und Kosten von IGeL-Leistungen aufklärten. Oder die Patienten unter Druck setzten, diese zu akzeptieren. Das sei eine „Riesensauerei“, sagte er der „Bild“-Zeitung. „Sollte sich gesetzgeberischer Korrekturbedarf zeigen, werden wir natürlich handeln.“

Der WIdO-Monitor basiert auf einer bundesweit repräsentativen Erhebung unter Personen ab 18 Jahren, die gesetzlich krankenversichert sind. Die Stichprobenziehung und Durchführung der Telefon-Interviews erfolgten im Zeitraum vom 9. Januar bis zum 18. Februar 2015. (dpa)