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Zahlen, bitte!

Das Bürgerhaus Niesky benötigt 2014 weniger Zuschuss. Trotzdem wird wegen der Kantine im Waggonbau Kritik laut.

© André Schulze

Von Alexander Kempf

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Die eigenen vier Wände sind eines der größten Projekte im Leben. Am 16. November können Interessenten die vier entstehenden Doppelhäuser auf der Landheimstraße besichtigen.

Seit 2003 bezuschusst die gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft Niesky die Bürgerhaus Niesky GmbH und ermöglicht so erst den Erhalt des Kulturhauses mit seinen verschiedenen Angeboten wie Küche, Restaurant oder Saal. Im vergangenen Jahr hat die Finanzspritze ein Volumen von rund 237 600 Euro. Das ist viel Geld. Trotzdem herrscht in der Stadtverwaltung Zufriedenheit. Denn so günstig wie im vergangenen Jahr ist der Zuschuss noch nie ausgefallen. Denn 2013 sind Kosten in Höhe von rund 305 600 Euro angelaufen. Es wurden also fast 70 000 Euro eingespart. „Man kann mit dem Ergebnis zufrieden sein“, konstatiert denn auch Oberbürgermeisterin Beate Hoffmann am Mittwochabend im Verwaltungsausschuss.

Man kann, muss aber nicht. Stadtrat Andreas Kagelmann jedenfalls schmecken die Zahlen nicht. Insbesondere das vom Bürgerhaus betriebene Catering im Waggonbau stößt ihm auf. Dafür sind im vergangenen Jahr 75 127 Euro ausgegeben, aber nur 64 130 Euro eingenommen worden. Das ergibt ein Minus von gut 11 000 Euro. Der Linke-Abgeordnete fürchtet, dass der Waggonbau und seine Mitarbeiter vom Bürgerhaus subventioniert werden. „Das sind Leute, die gutes Geld verdienen, und ihr Essen eins zu eins bezahlen können“, kritisiert er. Kein Unternehmen könne es sich leisten, Essen zu verkaufen, bei denen es zuzahlt.

Wird der Waggonbau begünstigt? Es ist ein Vorwurf, den Geschäftsführer Wilhelm Fischer von der Bürgerhaus GmbH entschieden zurückweist. „Eine Subventionierung erfolgt nicht“, sagt er. Ein Mittagessen ist im Waggonbau nicht günstiger als in den anderen Ausgabestellen des Bürgerhauses. Er räumt aber ein, dass die gesteckten Umsatzziele im Waggonbau nicht erreicht worden sind. Der Geschäftsführer erklärt das damit, dass der Küchenbetrieb dort 2013 geschlossen worden ist und es seither neben den Tagesgerichten auch ein Frühstücksangebot gibt. Wie beides angenommen wird, habe niemand voraussagen können. Es fehlen Vergleichswerte.

Kantinen-Geld fällt kaum ins Gewicht

„Wir müssen das besser machen, aber ich würde noch dieses Jahr abwarten“, sagt Wilhelm Fischer. Anpassungen seien bereits erfolgt. So betreue etwa seit diesem Jahr nur noch eine Arbeitskraft den Waggonbau. So sehr sich die Diskussion an der Kantine im Waggonbau auch erhitzt, gemessen am gesamten Fehlbetrag von 237 600 Euro fällt das Geld kaum ins Gewicht. Der größte Kostentreiber ist, wie schon in den Jahren zuvor, der Saalbetrieb. Allein 2014 übersteigen die Ausgaben die Einnahmen um 135 000 Euro. Trotzdem liest zumindest die Oberbürgermeisterin die Zahlen positiv. Denn die Auslastung sei gestiegen. „Die Anerkennung des Bürgerhauses ist einfach da. Es ist auch bei den privaten Veranstaltern beliebt“, sagt Beate Hoffmann.

Die Stadt will sich das Kulturhaus leisten und sie kann es dank ihres Tochterunternehmens auch. Die gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft hat ihren Gewinn sogar gesteigert. Ein Betrag von 437 859 Euro bleibt nach Abzug der Kosten 2014 übrig. Im Jahr zuvor sind es 428 551 Euro gewesen. Ohne das Bürgerhaus wäre die Gewinnausschüttung für die Stadt natürlich größer. Doch zum Nulltarif wird es das Bürgerhaus nie geben, macht der Geschäftsführer deutlich. „Es gibt kein Kulturhaus, das ohne Subventionierung funktioniert“, so Wilhelm Fischer. Ganz gleich, ob der große Saal geheizt oder gekühlt werde, die Fixkosten sind die ganze Woche über sehr hoch. Geld aber werde damit fast nur am Wochenende verdient.

Stadtrat Andreas Kagelmann reichen die ihm vorliegenden Zahlen nicht aus. Er wünscht sich im Bereich Küche mehr Transparenz und hätte gerne Aufwand und Nutzen für die Schulspeisung aufgeschlüsselt. „Das kann man in der Küche nicht trennen“, antwortet Wilhelm Fischer. Die Grenzen zwischen den fünf Positionen Küche, Restaurant, Catering für den Freizeitpark, Hotel sowie das Catering für den Waggonbau verlaufen fließend. Das Bürgerhaus sei eben ein Mischkonzern.

Immerhin sollen das Catering für den Freizeitpark und das Hotel für die Gesellschaft keine Zuschussgeschäfte sein. Doch fraglich ist, wie aufschlussreich die Zahlen überhaupt sein können, wenn die Grenzen doch fließend sind. Wilhelm Fischer sagt im Technischen Ausschuss selbst, es wäre ein Leichtes, die Kosten für die fünf Positionen anders aufzuschlüsseln. „Wir können aber nicht alles auf den Saal schieben“, so der Geschäftsführer.