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Zahlen vom grünen Tisch passen nicht

SZ-Redakteurin Jenny Thümmler über Realitäten bei der ambulanten Versorgung

Die Kassenärztliche Vereinigung ist ein gutes Beispiel dafür, dass Entscheidungen am grünen Tisch nicht funktionieren. Wer allen Ernstes behauptet, zwei Chirurgen würden für Görlitz ausreichen, sollte sich ein paar Tage in den Wartezimmern umsehen. Die Statistik sieht die vielen Patienten, die wegen chronischer Erkrankungen zum Teil jedes Quartal zum Arzt kommen, eben nicht. Die Statistik sagt nur, dass sich ein Chirurg in Görlitz um 38 833 Patienten kümmern kann, teilt die Kassenärztliche Vereinigung mit. Für Görlitz und das Umland mit rund 75 000 Einwohnern wären demnach nur zwei Chirurgen nötig. Mit vieren sind wir also deutlich überversorgt. Das muss wie ein Schlag ins Gesicht sein für Patienten, die trotz Termin zwei Stunden im Wartezimmer sitzen oder erst für den Herbst einen Termin bekommen haben, und für Ärzte und Mitarbeiter, die seit Monaten Überstunden machen.

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Und dabei ist Görlitz – das für die Statistik der Kassenärztlichen Vereinigung mit dem früheren NOL-Kreis bis hoch nach Weißwasser zusammengefasst wird – noch gut bedient. Die alten Landkreise Löbau-Zittau und Bautzen haben ähnlich viele Einwohner und ein Drittel weniger Chirurgen, die ambulant tätig sind. Dort ist die Not also noch größer. Laut den Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung sind aber natürlich auch diese Kreise überversorgt mit Chirurgen. Das ist unverständlich und völlig an der Realität vorbei.

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