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Zahnarzt spendet Praxis für Ukraine

Über den Tschernobylverein Seifhennersdorf läuft eine große Hilfsaktion für ein Kinderkrankenhaus. Aber dafür müssen sie lange warten.

© Matthias Weber

Von Holger Gutte

Neugersdorf. Etwas Wehmut ist am Mittwoch schon bei Sebastian Matauschek aufgekommen, als er zum letzten Mal in seiner Arztpraxis in Neugersdorf stand. Die beiden Behandlungszimmer und der Röntgenraum sind noch voll funktionstüchtig. Für ein paar Minuten sollen sie an diesem Tag noch einmal in Betrieb genommen werden. Diesmal nicht um einen Patienten zu helfen, sondern rein zu Demonstrationszwecken. Gleich danach wird die Zahnarztpraxis in der Neugersdorfer Blumenstraße vollkommen zerlegt.

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Schwester Janet demonstriert noch mal das Röntgengerät.
Schwester Janet demonstriert noch mal das Röntgengerät. © Matthias Weber
Hannelore Pfaff vom Seifhennersdorfer Tschernobylverein (kl. Bild unten) gehört zu den vielen Helfern der Aktion.
Hannelore Pfaff vom Seifhennersdorfer Tschernobylverein (kl. Bild unten) gehört zu den vielen Helfern der Aktion. © Matthias Weber

Sebastian Matauschek spendet die gesamte Einrichtung einem Zahnarzt in der Ukraine. Zumindest einige medizinische Geräte hätte er locker über eBay verkaufen können. „Ich finde es aber besser, die gesamte Einrichtung als Paket abzugeben und zu wissen, dass sie weiter genutzt wird“, sagt der 38-jährige Zahnarzt. 2008 hat er die Praxis in Neugersdorf von seinem Vater übernommen. Es ist aber nicht mehr machbar, sie zusammen mit seiner Praxis in Zittau zu führen, schildert er. Vormittags in Neugersdorf und nachmittags in Zittau oder umgekehrt die Patienten zu behandeln, ist einfach eine Kraftfrage, die auf Dauer nicht zu bewältigen ist. „Und ein junger Arzt auf Anstellungsbasis kommt leider nicht in die Gegend“, erzählt er.

Von seinem Personal in Neugersdorf wird niemand arbeitslos. Im Sommer wird eine Mitarbeiterin in Rente gehen und die anderen hat er alle mit in die Zittauer Praxis übernommen. Und nicht nur sie. Auch viele Patienten folgen ihnen dorthin. Ohne Zahnarzt steht die Stadt Ebersbach-Neugersdorf aber nun nicht da. Praxis-Managerin Janet Zschoppe zählt etwa noch ein Dutzend weitere Zahnärzte in der Stadt auf. Sie hat im Internet recherchiert, wie die etwa 15 Jahre alten medizinischen Geräte derzeit gehandelt werden. 15000 bis 20000 Euro würden schon zusammenkommen, ist sie sich mit ihrem Chef einig.

Aber die Neugersdorferin ist froh, dass ihr Chef sich für die Spendenaktion entschieden hat. Sie hat das alles mit eingefädelt. „Sie und ihr Mann sind gute Freunde unseres Vereins“, sagt Hannelore Pfaff von der „Initiative Kinder von Tschernobyl Seifhennersdorf“. Deshalb wusste sie, was der Verein alles an Spenden sucht. Eine komplette Zahnarztpraxis hatte aber auch er noch nicht nach Weißrussland oder in die Ukraine als Spende übergeben. Mit dem befreundeten Tschernobylverein in Hildesheim ist allerdings schnell ein Kontakt für ein bedürftiges Kinderkrankenhaus in der Ukraine hergestellt worden.

Stephan Neumann, der Vereinsvorsitzende der „Initiative Kinder von Tschernobyl Seifhennersdorf“ freut sich, dass es bei der Aktion wieder so viele Helfer gibt. Denn der Verein wäre allein damit überfordert. Spontan sagen Elektro- und Installationsfirmen aus Neugersdorf und eine Eibauer Tischlerei ihre Unterstützung zu und stellen Monteure zum Abbauen der Geräte ab. Sie müssen sie fachgerecht so abbauen, dass sie in der Ukraine funktionsfähig montiert werden können. „Sie machen das kostenlos für uns und wollen höchstens eine Spendenquittung dafür“, sagt Stephan Neumann.

Am Mittwoch kann er in der Zahnarztpraxis aber noch viel mehr Helfer begrüßen. Viele davon sind keine Vereinsmitglieder, aber langjährige Förderer. Dazu gehört auch Jörg Schulz, der sich wie versprochen um die Verpflegung der Monteure und Helfer kümmert. Kurz darauf kommt auch Lena Scholl mit ihrem Baby und noch einem Verpflegungskörbchen. Die gebürtige Russin ist mindestens so wichtig wie die Monteure bei der Aktion. Denn sie muss notfalls bei der Funktionserläuterung der Geräte übersetzen, falls der ukrainische Arzt kein Deutsch spricht.

Aber der lässt am Mittwoch genauso auf sich warten, wie der Lkw der weißrussischen Spedition, die die Praxiseinrichtung in die Ukraine bringt. Der Transitfahrer ist allerdings erst spät am Abend zuvor in Dresden eingetroffen und konnte am Mittwoch erst nach der Zollüberprüfung alles abladen. Gegen 13 Uhr trifft der „Long-Liner“ in der schmalen Blumenstraße in Neugersdorf ein. Nachdem die Monteure schon mehrmals an diesem Tag umsonst da waren, können sie nun endlich loslegen. Bis zum Abend müssen zwei komplett eingerichtete Behandlungszimmer, die Röntgeneinrichtung mit Bildentwickler, ein Kompressor, Sterilisationstechnik, Möbel bis hin zum Kinderstühlchen aus der Praxis verladen sein. Dazu kommen noch Kisten mit medizinischen Kleingeräten und Arbeitsbekleidung. Zudem steuert die Neugersdorfer Zahnarztpraxis Annett und Andreas Bayer noch weitere Instrumente und Kleingeräte bei.

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