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Zank um Zaun

Am Wachauer Schlosspark steht die neue Umgrenzung. Sie gefällt offenbar nicht jedem.

© Thorsten Eckert

Von Thomas Drendel

Wachau. Ja, das ist doch …? Genau, das ist exakt der Zaun, der an Kasernen der Bundeswehr und am Militärhistorischen Museum in Dresden steht. Jetzt sind die Zaunfelder am Schlosspark in Wachau zu sehen. Etwas niedriger als die in Dresden, aber sonst exakt die gleichen, aus Metall mit viereckigen Stäben, oben abgeschrägt, sodass eine kleine Spitze entsteht. Nüchtern, klar, ganz ohne Schnörkel begrenzt er jetzt den barocken Park.

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Was haben das Dresdner Bundeswehrgelände und der Wachauer Schlosspark gemeinsam? An beiden steht der gleiche Zaun. © Thorsten Eckert

Sehr zum Ärger von Steffen Jakob, Chef des Vereins Wachauer WunderLand und unmittelbarer Schlossnachbar. „Über Geschmack lässt sich streiten, aber dieser Zaun ist in meinen Augen nur hässlich“, schimpft er. „Ich frage mich, was ein solcher Kasernenzaun an einem Schosspark zu suchen hat. Hier hätte ein Zaun nach historischem Vorbild hingehört“, sagt der Vereinsvorsitzende. Die Untere Denkmalbehörde verteidigt hingegen den Zaun. „Es handelt sich um einen schlichten Zaun, der vorher auf Denkmalverträglichkeit geprüft wurde“, sagt Sabine Rötschke vom Landratsamt in Bautzen. Es gebe keinen Grund, etwas an dem Zaun zu ändern. Da der barocke Schlosspark mit erheblichen Mitteln von Bund und dem Freistaat wieder aufgebaut wird, wurde vor Beginn ein umfangreiches Denkmalgutachten erarbeitet. In der Folge mussten ursprüngliche Planungen der Gemeinde überarbeitet werden, beispielsweise wurde eine Abweichung der Wegeführung von den historischen Plänen korrigiert. Gegenstand der „Denkmalschutzrechtlichen Genehmigung“ dürfte auch der Zaun gewesen sein.

Die Ähnlichkeit des Wachauer Schloss-und des Dresdner Militärzaunes ist offenbar auch Spaßvögeln aufgefallen. Sie haben sich die Mühe gemacht und haben den Zaun in Dresden fotografiert, samt Hinweisschild „Militärischer Sicherheitsbereich, Unbefugtes Betreten verboten, Vorsicht Schusswaffengebrauch“ und das Bild dann in der Nähe des Wachauer Zaunes an einen Baum geheftet. Wohl, um ihre Ablehnung des Zaunes zu zeigen. In die ähnliche Richtung dürften Zettel am Zaun gehen, auf denen der Text „Vorsicht freilaufende Affen und Hühner“ zu lesen ist.

Die Mitarbeiter vom Landratsamt finden die Schilder wenig amüsant. Sie zeigen einen völlig unsinnigen Text, erklärte Sabine Rötschke vom Landratsamt. – Im Schlosspark selber sind die Arbeiten bereits weit fortgeschritten. Wege wurden angelegt, Baumstümpfe aus dem Boden geholt. Wenn in den nächsten Wochen die Pflanzzeit beginnt, dann kommen die neuen Sträucher und Bäume in die Erde. Neu angepflanzt werden rund 50 Bäume, vor allem Buchen, Linden und Eichen. Groß ist die Menge der benötigten Sträucher. Etwa 1 600 Stück sind vorgesehen, vor allem die Alpen-Johannisbeere und die Gemeine Schneebeere.

Die historische Brücke über den Kirchteich wird allerdings im Zuge der Parksanierung noch nicht in Ordnung gebracht. Sie stammt vermutlich aus England. Sie soll aus Anlass einer deutschlandweiten Ausstellung nach Dresden verschifft worden sein. Nach der Ausstellung wollte man sich den Rücktransport sparen und suchte Käufer. Der Wachauer Schlossherr Gustav Adolf Gotthelf Kühne erwarb das Bauwerk und ließ es nach Wachau bringen. Der Leipziger Kaufmannssohn hatte 1883 das Schloss gekauft. Im Sommer vergangenen Jahres war bekannt geworden, dass der Park erheblich teurer wird als vorgesehen. Nach Angaben von Bürgermeister Veit Künzelmann (CDU) steigen die Kosten für den Wiederaufbau erheblich von rund 420 000 Euro auf etwa 550 000 Euro. Er war bei dem Tornado zu Pfingsten im Jahre 2010 verwüstet worden. Zahlreiche Bäume knickten um. Seitdem gibt es Bestrebungen für einen Wiederaufbau. So rief bereits vor sieben Jahren die Offene Bürgerliste (OBL) zur Wiederaufforstung auf.

Der Park soll bei der Eröffnungsfeier zum Jubiläum „800 Jahre Wachau“ am Freitag, dem 17. August 2018, eingeweiht werden.