merken

Zappenduster in Herrnhut

In der Stadt haben Diebe zweimal nacheinander LEDs aus Laternen ausgebaut. Das zwingt die Stadt zur Reaktion.

© Rafael Sampedro

Von Anja Beutler

Herrnhut. Wenn man auf moderne Technik setzt, kann man auch mal im Dunkeln stehen. Den Herrnhutern ist es vor rund einem Monat so ergangen. Diebe haben bei fünf Altstadtleuchten im Stadtgebiet nämlich die LED-Leuchten ausgebaut. Betroffen war unter anderem der Weg, der vom Zinzendorfplatz zwischen Förderschule und dem Herrschaftshaus hindurchführt – ein eher unbeobachteter Winkel. Zugeschlagen haben die Diebe dabei nicht nur einmal, sagt Holm Vogt, dessen Elektrofirma für die Stadt die geklauten „Birnen“ ersetzt hat: „Drei, vier Tage nachdem wir den Auftrag erledigt hatten, waren die LEDs schon wieder weg“, erinnert er sich. Als das Stadtamt bei ihm anrief, dachte er zuerst, es handele sich noch um die alte Sache. „Aber es waren exakt dieselben Lampen im Stadtgebiet wieder abgebaut und ausgeraubt worden“, erklärt Vogt die überraschende Wende.

Anzeige
Schlossherr gesucht!
Schlossherr gesucht!

Herbst-Auktionen mit außergewöhnlichen Immobilien aus Ostsachsen

Abgebaut ist übrigens die passende Bezeichnung für das, was der oder die Diebe da getrieben haben: „Da waren die Kandelaber richtig abgenommen worden, damit man an die LED rankommt“, schildert Bauamtsleiterin Ute Hähnel die Lage. Die Lampenteile haben die Diebe dann fein säuberlich auf die Hecke oder den Rasen gelegt. So zumindest wurden sie am Morgen danach vorgefunden – zum Großteil unbeschadet.

Aber wozu das alles? Was kann man mit den LEDs anstellen? „Die Fassung der gestohlenen LEDs ist eine normale E27er, wie bei den bekannten Glühbirnen“, sagt Holm Vogt. Allerdings würde man ein solches Leuchtmittel nicht in eine Küchenlampe eindrehen. „Das ist bei der Leistung eher etwas für Bauscheinwerfer oder Außenleuchten“, sagt er. Von solchen Diebstählen hatte er bislang auch noch nie gehört. „Da hat jemand alles genau beobachtet“, ist Vogt sich sicher.

Die Stadt Herrnhut will jedenfalls nicht länger als Leuchten-Selbstbedienungsladen herhalten und ist an den sensiblen Stellen nun wieder auf herkömmliche Sparlampen umgestiegen. Denn auf Dauer wird der LED-Ersatz teuer: „Bei einer LED müssen sie zwischen 40 und 50 Euro pro Stück rechnen, bei einer Sparlampe mit rund zehn Euro“, bilanziert Vogt. Und das fällt dann am Ende schon ins Gewicht.

Dass nun alle Orte im Umkreis mit ähnlichen Phänomenen zu rechnen haben, ist übrigens unwahrscheinlich. Eine kleine Umfrage bei einigen umliegenden Gemeinden – wie beispielsweise in Bernstadt, das in der Kernstadt zu 80 Prozent auf LED setzt – und bei der Polizei zeigte auch ein klares Bild: LED-Diebstahl in größerem Stil gibt es offenbar nicht. Die Erklärung dafür ist an manchen Stellen recht augenscheinlich: Viele Laternenmasten in den Dörfern sind mit fünf bis sechs Metern weitaus höher als die Altstadtlampen in Herrnhut, die nur gut drei Meter hoch sind. Da müssten die Diebe schon mit einer Hubbühne arbeiten und nicht nur mit einer Leiter.

Roland Höhne, der als Vorsitzender des Sächsischen Städte- und Gemeindebundes das Ohr bei den Sorgen der Bürgermeisterkollegen hat, hörte bislang ebenfalls noch nichts von ähnlichen Fällen. Und auch Rosenbach – seine Gemeinde – hat dergleichen nicht befürchten: Seine Laternen sind nicht nur viel zu hoch, sie sind auch mit Natriumdampf-Modellen bestückt, die ohnehin eine spezielle Technik benötigen.

Auf moderne LED-Technik werden die Herrnhuter an den Orten, wo Diebe nachts relativ ungestört sind – demnächst also zumindest verzichten müssen. Die altbewährte Sparlampe ist ebenso erhellend und hat einen gewissen Diebstahlschutz.