Teilen:

Zecken breiten sich weiter aus

© Arne Dedert/dpa

Im Raum Bautzen und in Westsachsen gibt es immer mehr kleine Blutsauger. Was Bewohner und Urlauber wissen sollten.

Von Udo Lindner

Chemnitz/Berlin. Das Risiko, sich in Deutschland eine durch Zecken übertragene FSME-Infektion einzufangen, ist nach Einschätzung des Robert-Koch-Institutes stark angestiegen. Die Virusinfektion kann zu Hirnhaut- oder Gehirnentzündung führen. Der aktuelle Atlas des Instituts weist für Deutschland mittlerweile insgesamt 156 Risikogebiete aus. Das sind zehn mehr als noch im vergangenen Jahr. In den zurückliegenden Jahren wurden maximal drei Gebiete neu in diese Gefährdungskategorie aufgenommen.

Gleich drei neue Risikogebiete gibt es in Sachsen. Nachdem das Vogtland bereits 2014 als erstes Risikogebiet für die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) im Freistaat eingestuft worden war, zählen jetzt auch der Erzgebirgskreis, der Kreis Zwickau und der Kreis Bautzen dazu. In diesen Gebieten gab es in den zurückliegenden fünf Jahren mehr als einen Erkrankungsfall auf 100 000 Einwohner.

Fachleute empfehlen den Menschen, die in FSME-Risikogebieten wohnen und arbeiten oder dort Urlaub machen, sich impfen zu lassen. Gegen FSME schützt eine aus drei Einzeldosen bestehende Impfung, die alle drei bis fünf Jahre aufzufrischen ist. Für Versicherte, die in Risikogebieten wohnen, tragen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten.

Im vergangenen Jahr wurden bundesweit knapp 500 Erkrankungsfälle gemeldet, 21 davon in Sachsen. Das waren so viele wie seit zehn Jahren nicht mehr und eine Steigerung zum Vorjahr um 40 Prozent. Allerdings schwankt die jährliche Fallzahl seit 2001 zwischen einem Minimum von 195 im Jahre 2012 und einem Maximum von 546 im Jahre 2006. Das Erkrankungsrisiko steigt ab dem Alter von 40 Jahren deutlich an. Auch zeigt die statistische Auswertung von Krankendaten, dass bei älteren Menschen die Krankheit meist schlimmer verläuft als bei jüngeren. Von den 2017 gemeldeten 485 FSME-Erkrankten waren dem Robert-Koch-Institut zufolge 97 Prozent gar nicht oder unzureichend geimpft.

Mit dem warmen Wetter werden die Zecken nun aktiv. Mikrobiologe Gerhard Dobler, der das Nationale Forschungslabor für FSME leitet, erwartet 2018 ein sehr starkes Zeckenjahr. Dies leitet er aus Modellen mit Zeckendaten ab, die gemeinsam mit Klimaforschern der Universität Wien erstellt wurden. Dobler geht davon aus, dass es doppelt so viele Zecken geben wird wie im Vorjahr. Daraus sei aber keine verlässliche Prognose für tatsächliche FSME-Fälle möglich. Statistisch gesehen gebe es in Risiko-Gebieten unter 30 bis 100 Zecken eine, bei der man sich mit dem Virus anstecken könne. Nach einem Aufenthalt im Freien in solchen sollte der Körper nach Zecken abgesucht werden.