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Zehn Türme auf einen Streich

Am Sonntag startet in Bautzen ein neues Angebot. Gefragt sind Neugier, Fantasie und Puste.

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© Uwe Soeder

Von Miriam Schönbach

Zehn Türme, 800 Stufen, sieben Stunden – wer alle trutzige Bauwerke am Sonntag schaffen will, braucht Kondition. Boæij Benada lächelt mitten in der Röhrscheidtbastei: „Hier müssen die Besucher am wenigsten Puste mitbringen. Beim Nachbarn, dem Lauenturm, braucht es mehr Durchhaltevermögen“, sagt der Türme-Manager. Im Auftrag des Bautzener Tourismusvereins hat er sich den Rundgang entlang der mittelalterlichen Stadtbefestigung ausgedacht. Doch es braucht nicht nur Kraft in den Waden für den Türmepfad. In den Bastionen wartet ein Rätsel. Wer alle Buchstaben für das Lösungswort gefunden hat, kann sich sogar einen Preis bekommen.

Boæij Benada freut sich auf die Premiere für Kopf und Beine. „Selbst ich habe bisher nur neun auf einen Streich geschafft“, sagt der Bautzener. Seit gut zwei Jahren versucht der Touristiker mit zahlreichen Ideen frischen Wind in die imposanten Bauwerke zu bringen. Die Aktion am Denkmaltag soll nun ein weiterer Schritt sein, den Bautzenern ihren gewohnten wie geliebten Anblick wieder ein Stück näher zu bringen. Denn nach Benadas Auffassung sind die Einheimischen die besten Botschafter, um den imposanten Stadtkomplex bekannter zu machen.

Abstecher zum Lauenturm

Stattlich kommt auch die Röhrscheidtbastei daher. 13 geschnitzte Eulen schauen schlau von der Wand ins Rund. Durch die kleinen Fenster lässt sich der herrliche Spätsommertag nur erahnen. Gut zwei Meter dick sind hier die Mauern. Die Bastei gehört ab 1469 zur Stadtbefestigung. Mitte des 19. Jahrhunderts übernimmt der Kamenzer Tuchfabrikant Mörbitz das Gebäude als Lager für seine Fabrik in der ehemaligen Großen Ratsmühle. Wenige Schritte von ihr entfernt errichtet er 1853/54 eine Tuchfabrik, die erst kürzlich am Fuß der Alten Wasserkunst abgerissen wurde.

Diese Denkmale haben am Sonntag geöffnet (Auswahl)

Im Untergrund der Stadt

Bautzen. Die Eröffnung der Sonderausstellung „Neues aus dem Bautzner Untergrund“ ist der offizielle Auftakt zum diesjährigen Tag des offenen Denkmals in der Kreisstadt. Sie findet bereits am Freitag, 19 Uhr, im Museum am Kornmarkt statt. Nach der Begrüßung durch OB Alexander Ahrens hält Dr. Regina Smolnik, Landesarchäologin im Landesamt für Archäologie Sachsen, einen Vortrag „Bautzen archäologisch“. Am Sonntag gibt es zwei einstündige Exkursionen zu archäologischen Denkmälern im Altstadtbereich.

Die Ausstellung gibt allen Interessierten Einblicke in bodendenkmalpflegerische, archäologische Ausgrabungen und Dokumentationen während der letzten zweieinhalb Jahrzehnte. Gezeigt werden Funde

und Befunde aus 12 Bautzener Quartieren der Altstadt und eng daran angrenzenden Gebieten. Während der dynamischen Umbauten der letzten Jahrzehnte kam es durch Baumaßnahmen an vielen Stellen zu Eingriffen in die gewohnte Lauf- oder Fahroberfläche, die in Sachsen durch das Landesamt für Archäologie bodendenkmalpflegerisch begleitet werden. Sie ist danach bis Februar zu sehen.

Museum Bautzen, Kornmarkt 1, Auftakt mit Ausstellungseröffnung: Freitag, 19 Uhr, Exkursionen: Sonntag, 11 und 14 Uhr

Wo die Postkutschen Station machten

Bautzen. Mit einer kleinen Ausstellung zur Geschichte und Führungen durch den markanten Gebäudekomplex an der Goschwitzstraße beteiligt sich die Alte Posthalterei am Denkmaltag. Das Gebäude diente von 1749 bis 1813 als Umspannstelle für Postkutschen auf dem Weg zwischen Breslau und Dresden. Zu diesem Zweck wurde das Gebäude 1759 zu einem perfekten Funktionsbau ausgebaut. 1813 wurde der Standort geschlossen. Nach einem Brand 1827 wurde das Gebäude schwer beschädigt und unter Berücksichtigung der Unterbringung anderer Funktionen wieder aufgebaut.

Alte Posthalterei, Goschwitzstraße 9 in Bautzen, geöffnet 11 bis 15 Uhr, Führungen: 12 und 14 Uhr, Dauer: 25 min, max. 30 Personen pro Führung

Eintauchen in die Waldbad-Geschichte

Wehrsdorf. In Wehrsdorf lautet das Motto des Tages „Damit das Bad im Dorf bleibt“. Interessenten können sich im denkmalgeschützten Waldbad über dessen lange Geschichte informieren. Als Feuerlöschteich nahm es 1936 seinen Anfang. Ein Jahr später kamen Kabinen und Bademeisterhäuschen dazu. Lange blieb die Anlage ohne große Veränderungen erhalten. Erst Mitte der 80er-Jahre erfolgte eine umfangreiche Sanierung. „Doch die Mangelwirtschaft führte zum Einsatz schlechter oder ungeeigneter Baumaterialien, in deren Folge bald neue Schäden zu verzeichnen waren“, heißt es auf der Internetseite des Bades. Die drohende Schließung im Jahr 2001 verhinderte der neu gegründete Waldbadverein, der die Anlage in der Folgezeit auf Vordermann brachte. Dabei blieben historische Elemente denkmalgerecht erhalten, zum Beispiel die hölzernen Kabinen, das Kassenhäuschen und die Beckenmauer aus Granitbossensteinen.

Das und noch viel mehr zeigen Engagierte den Gästen im Waldbad am Sonntag. Außerdem informiert eine Ausstellung über die nicht alltägliche Geschichte des Badvereins und zeigt viele Bilder aus der Vergangenheit. Zudem gibt es Livemusik und einen Malwettbewerb für Kinder.

Waldbad Wehrsdorf, Führung 14 und 17 Uhr

Ein Ungetüm zum Wäscheglätten

Bautzen. Der Gang zur Wäscherolle gehörte für viele noch vor 50 Jahren zum obligaten Abschluss der Großen Wäsche. Seitdem ist die Wäsche pflegeleichter geworden, und die geübten Griffe der Hausfrau mit Rolltuch und Docke sind vergessen. Wie es ging, wird am Sonntag in der Wäscherolle in der Äußeren Lauenstraße demonstriert.

Viehhändler Ernst Zschiedrich aus Löbau kauft 1896 den Gasthof „Halber Mond“ mit handbetriebener Wäschemangel im Hintergebäude Äußere Lauenstraße 40. 1928 erfolgt eine Modernisierung und Umbau des Gebäudekomplexes, dabei wird an der Mangel ein Elektromotor eingebaut. Die Familie Kießling wird 1945 enteignet, erwirbt Gasthof und Mangel ein Jahr später jedoch zurück. Ende 1946 ist das Aus für den Gasthof. Die Mangel wird ab 1954 auch durch Betriebe und Institutionen genutzt. Seit 2000 wird die Wäscherolle immer weniger genutzt.

Historische Wäscherolle „Halber Mond“, Äußere Lauenstraße 16 in Bautzen, geöffnet: 10 bis 17 Uhr, Führungen: 11, 13, 15 Uhr sowie nach Bedarf

Wandern von Denkmal zu Denkmal

Taubenheim. In Taubenheim können Besucher ganz verschiedene Denkmale bei einer Wanderung kennenlernen. In dem Ort gibt es seit wenigen Jahren einen gut ausgeschilderten Denkmalpfad. Bei geführten Touren werden am Sonntag einige Stationen davon besucht und fachmännisch erläutert, unter anderem mehrere Kriegerdenkmale sowie das Grab des Taubenheimer Sonneuhrenvaters Martin Hölzel.

Die geführten Rundgänge dauern jeweils etwa 60 Minuten. Treff dafür ist an der Straße der Jugend 4 in unmittelbarer Nähe der Taubenheimer Kirche. Dort gibt es als Erstes Epitaphien und den sogenannten Sechs-Kinder-Stein von 1674 zu sehen.

Treff an der Straße der Jugend 4 in Taubenheim, Führungen zwischen 10 und 16 Uhr jeweils zur vollen Stunde.

M-Hütte diskutiert Denkmal

Großdubrau. Im Elektroporzellanmuseum Margarethenhütte gibt es am Sonntag viel zu erleben. Neben Führungen durch das Museum ist der Rohölmotor von 1938 in Betrieb zu sehen. Um 14 Uhr findet eine Gesprächsrunde mit Paul Wehrle, dem Schlossbesitzer von Spreewiese, und Arnd Matthes von der Stiftung Umgebindehaus statt. Eine neue Sonderausstellung widmet sich Denkmalen in Großdubrau.

M-Hütte, Hermann-Schomburg-Straße 6 in Großdubrau, 10 bis 17 Uhr

Zu Besuch im Haus der Weberfamilie

Sohland. In Sohland kann das Heimatmuseum Altes Weberhaus, das keine regelmäßigen Öffnungszeiten hat und nur auf Anfrage zu besuchen ist, besichtigt werden. Es ist originalgetreu eingerichtet und zeigt auch viele alte Geräte. Trotz seines langen Bestehens – es gilt mit seinen rund 260 Jahren als eins der ältesten Häuser im Landkreis Bautzen – hat das Gebäude etwas Neues zu bieten: hölzerne Dachrinnen, die je aus einem ganzen Baumstamm gefertigt wurden. Außerdem wurde der Kettbaum des alten Handwebstuhls wieder mit neuem Garn bestückt, sodass bald wieder das Weben vorgeführt werden kann.

Weberhaus, Hainspacher Straße 19 a in Sohland, 14 bis 17 Uhr.

Schlossfest zum Denkmaltag

Gröditz. Der Förderverein Pro Gröditz hat für den Sonntag ein kleines Schlossfest vorbereitet. So gibt es um 11, 13 und 15 Uhr jeweils Schlossführungen, bei denen die Besucher auch einmal in sonst nicht immer zugängliche Räume schauen können. Neben dem Schlossherrn Beat von Zenker zu Pommritz stehen weitere Vorstandsmitglieder rede und Antwort und berichten über den Fortschritt am Gotischen Haus. Wer danach hungrig und durstig ist, der kann sich bei den netten Helfern des Vereins melden. Es gibt Kaffee und Kuchen oder Bratwürste. Ab 14 Uhr gibt es Unterhaltungsmusik mit Tanja und René .

Bereits am Sonnabendabend findet im Rahmen der derzeitigen Ausstellung eine Veranstaltung mit Liebeslyrik statt. Sie beginnt 18 Uhr und hat das Hohelied zum Schwerpunkt. Die Ausstellung zeigt Werke von Eckhard Brock, einem vielseitigen Künstler aus dem Kraichtal. Seine großformatigen Werke sind abstrakt, haben aber hilfreiche Titel bekommen. So kann sich der Besucher in die Farben und Formen hineinversetzen und seine eigene Interpretation finden. Die Ausstellung ist am Sonntag nur eingeschränkt zu besichtigen. Wer das aber möchte, kann sich an den Förderverein wenden. Auch die Galeristin des Künstlers ist vor Ort. Die Ausstellung geht noch bis 8. Oktober. An diesem Tag wird ein Werk von Eckhard Brock zugunsten des Fördervereins versteigert.

Schloss Gröditz, Am Schloss 12 in Weißenberg, 10 bis 17 Uhr

Kostenfrei ins Elementarium

Kamenz. Ohne einen Cent zu bezahlen ins Elementarium? Am Sonntag zum Tag des offenen Denkmals ist das möglich. Von 10 bis 18 Uhr stehen die Türen des Elementariums weit offen. Betrachten kann man das denkmalgeschützte Stadthaus und einen Tag lang die sieben Themenwelten erkunden. Ob beim Waldkonzert unterm Dach, auf dem Erdbebensimulator oder am Karpfenteich - Menschen, Natur und Kultur der Lausitz sprechen hier eine lebendige Sprache. Das Familienmuseum lädt ein zu Entdeckungen auf eigene Faust. Ganz aktuell läuft auch die Sonderausstellung „SiO2 – von Bergkristall bis Smartphone“.

Elementarium, Pulsnitzer Straße 16 in Kamenz, 10 bis 18 Uhr

Führungen und Livemusik an den Schwesternhäusern

Kleinwelka. Ein vielfältiges Programm wird am Sonntag in den Schwesternhäusern in Kleinwelka. Die Gebäude sind von 13 bis 22 geöffnet. Es gibt Führungsangebote, Livemusik, Kaffee und Kuchen im Garten und ab 20 Uhr eine musikalisch unterlegte Illuminationsshow der Künstlerin Andrea Hilger.

Das teils barocke Ensemble der Schwesternhäuser war für die Schwestern der Glaubensgemeinschaft der Herrnhuter Brüderunität in Kleinwelka nicht nur Wohnstatt, sondern auch Arbeitsstätte für verschiedene handwerkliche Tätigkeiten und ihr geistliches Zuhause. Die Gebäude waren in den letzten Jahren ungenutzt und sind sanierungsbedürftig.

Schwesternhäuser Kleinwelka, Zinzendorfplatz 7, 13 bis 22 Uhr

Führungen im Basaltwerk

Baruth. Zwischen 10 und 16 Uhr haben am Sonntag Interessenten die Möglichkeit, an Führungen durch das Basaltwerk Baruth statt. Hier sind Voranmeldungen erwünscht.

Anmeldung bei Hans-Joachim Schmidt unter Telefon 035932 31112

Frau öffnet ihren Bahnhof

Neukirch. Erstmals können sich Besucher am Denkmalstag im Bahnhof in Neukirch-West umschauen. Die neue Eigentümern Marika Barber führt Neugierige von 10 bis 18 Uhr durch das ehemalige Empfangsgebäude. Wer im Bahnhof gewohnt oder gearbeitet hat, darf gern Anekdoten erzählen, Erinnerungsstücke zeigen oder sie Marika Barber gar überlassen. Die Frau sammelt Erinnerungen rund um Bahnhöfe. Vornehmlich natürlich von Menschen, die im Neukircher Bahnhof gewohnt oder gearbeitet haben. Der Bahnhof West war einst belebter Platz, hier tummelten sich morgens und abends Berufspendler, stapelten sich Koffer in der Gepäckaufnahme und trafen sich die Neukircher zum Feierabendbier.

Marika Barber zeigt am Sonntag die einst belebten Plätze, wie sie heute aussehen. Viele Jahre war es still hier und drohte das Gebäude mehr und mehr zu verfallen. Die 32-jährige Demitzerin Marika Barber will dem Haus wieder eine Zukunft geben und packt gerade die ersten dringenden Sanierungsarbeiten an. Sie richtet im Bahnhof zunächst ein privates Lager für ihren angesammelten Trödel ein. Langfristig plant sie einen Mehrzweckraum für öffentliche Veranstaltungen oder Feiern sowie den Ausbau von Wohnungen. „Am Denkmalstag würde ich gern mit potenziellen Kooperationspartnern, Mietern oder auch Sponsoren ins Gespräch zu kommen“, so Marika Barber.

Bahnhof Neukirch-West, 10 bis 18 Uhr

Kunst im Schloss Radibor

Radibor. Schlossherr Erwin Feurer lädt für Sonntag alle kunstinteressierten Besucher ein. Er wird Kunst von Ludy Bauer, der aus Sachsen stammt, aber auch die Schweizer Staatsbürgerschaft hat, zeigen. Außerdem stehen im Park Skulpturen des international anerkannten Schweizer Künstlers Franz Beat Kohlbrenner.

Im Zeichen des Granits

Demitz-Thumitz. Handwerk können die Besucher des Erlebnismuseums „Alte Steinsäge“ in Demitz-Thumitz erleben. Es werden Führungen angeboten und ein Film zur Geschichte der Granitindustrie im Dorf gezeigt. Kinder können sich im Pflastern versuchen. Die Steinsäge war von etwa 1880 bis 1996 in Betrieb. 2012 wurde die Anlage von der Gemeinde rekonstruiert und zum Museum ausgebaut.

„Alte Steinsäge“, Schulsteg 2 in Demitz-Thumitz, 10 bis 18 Uhr

Tanz-“Spätschicht“ in der Energiefabrik

Knappenrode. Zur „Spätschicht“ präsentiert die Energiefabrik Knappenrode am Sonntag, 15 Uhr, eine Tanzperformance durch die Fabrik und ihre Ausstellungsräume. In dem Projekt „TanzLAND- STADT“ des Kirschauer Tanzart-Zentrums für Tanz, Bewegung und Kunst „ertanzen“ sich über 50 Kinder und Jugendliche die Räumlichkeiten der Energiefabrik. Unter der Leitung von Anne Dietrich und Jana Schmück sowie den Gastchoreografen Fernando Balsera und Michael „Bremi“ Grabowski entwickeln die jungen Tänzer stilübergreifende Performance-Konzepte für die Ausstellungsräume. Breakdance, zeitgenössischer Tanz und ungewöhnliche Requisiten verbinden sich zu einer interaktiven Vorstellung und führen den Zuschauer durch das Museum, heißt es in der Einladung. Das unmittelbare Zusammenspiel von Tanz und Architektur, Bergbaugeschichte und junger Lebendigkeit bietet dem Zuschauer eine neue Perspektive und einen besonderen Museumsbesuch.

Energiefabrik Knappenrode, Ernst-Thälmann-Straße 8 in Hoyerswerda, 10 bis 18 Uhr

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Bevor es zum Bautzener Wahrzeichen geht, lohnt sich ein Abstecher im Lauenturm. Das 54 Meter hohe Bauwerk ist der älteste der Stadttortürme. Er wurde um 1400 erbaut, mit gestohlenen Steinen von der Ortenburg. „Der Landvogt war mal länger abwesend, da haben sich die Bautzener bedient“, sagt Dietmar Stange, Chef des Bautzener Tourismusvereins. Auch er will alle zehn Herausforderungen am Sonntag annehmen - mit ein paar Verschnaufpausen zwischendrin. Für das Preisrätsel können sich die Besucher allerdings den Weg nach oben auch sparen, wenn sie unten schon die Frage zum Turm beantworten können. Für alle anderen gibt es den Lösungsbuchstaben in luftiger Höhe.

Kein Training nötig

Zum Verschnaufen ist das Mühltor als kleinster Bautzener Riese richtig. Auch für den Burgwasserturm muss niemand vorher ein Training absolvieren. Der heute älteste Teil der Ortenburg wurde um 1400 zur Wasserversorgung der Festung erbaut. Nur knapp 100 Jahre jünger ist der Matthiasturm. Ihn ließ König Matthias Corvinus 1486 errichten. Hinter seinen Spitzbogenfenstern liegt die St. Georgskapelle. Der Schutzheilige der Ritter gab ihr den Namen. Der „Heilige Nikolaus“ soll dagegen der Namensgeber des Nikolaiturms in direkter Nachbarschaft des Nikolaikirchhofs sein. Die einstige zweischiffige Kirche wohl aus der Mitte des 15. Jahrhunderts brennt beim Stadtbrand 1634 genauso wie die Gerberbastei nieder. Dieser Teil der Stadtbefestigung wird zwischen 1503 und 1506 als letzte und zugleich stärkste der Basteien erbaut. Die Mauern des fünfgeschossigen Rundturms sind dreieinhalb Meter stark. Nach der Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg dauert ihr Aufbau bis 1703. Danach verliert sie ihre Bedeutung zur Verteidigung. Stattdessen bezieht ein Ratsherr die Gerberbastei als sein Sommerquartier ein. Ab 1838 dient das Bollwerk als Turnhalle des Gymnasiums. Inzwischen ist das Haus seit fast 100 Jahren Jugendherberge.

Gespannt ist Boæij Benada auch auf den selten geöffneten Wendischen Turm am Finanzamt – Schuldnergefängnis einst. Auf dem Weg dorthin liegt noch der Schülerturm. In welcher Reihenfolge die sportbegeisterten Rätselfreunde den Türmepfad absolvieren, ist egal. Es gibt an jedem Turm den Plan samt der Teilnehmerkarte. Das Lösungswort muss in den Denkmalpass übertragen und in der Tourist-Info abgegeben werden. Mit einem Handy kann das Rätsel online gelöst werden. Um 17 Uhr findet die Verlosung der drei Preise auf dem Hauptmarkt statt. Es gibt Gutscheine von Mitgliedern des Tourismusvereins im Wert von insgesamt 1000 Euro. „Gewinnen kann sicher nicht jeder. Aber diese Tour versetzt uns in die Lage früherer Stadtkommandanten, die in voller Rüstung ihre Wachen auf den Türmen kontrollieren mussten“, sagt Boæij Benada. Die schweren Panzer bleiben den Turmentdeckern am Sonntag erspart. Stattdessen sollten sie aber Turnschuhe für die 800 Stufen anziehen.