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Zehntausende Abtrünnige stellen Brähmig ins Abseits

Der CDU-Abgeordnete muss seinen Stuhl räumen. Wie alle Direktkandidaten war er aber stärker als seine Partei.

© Daniel Förster

Von Gunnar Klehm

Sächsische Schweiz/ Osterzgebirge. Die Fallhöhe war hoch. Als Unterstützer der Merkelschen Politik – wenn auch manchmal geringschätzig als Hinterbänkler stigmatisiert – hatte Klaus Brähmig zur Bundestagswahl 2013 noch hervorragende 50,2 Prozent der Erststimmen als CDU-Kandidat geholt. Damit lag er sogar bundesweit im Spitzenfeld. Nun gab es den jähen Absturz. Klaus Brähmig ist sein Mandat los. Wie groß die Dimension nicht nur für den CDU-Politiker selbst, sondern für seine Partei ist, macht ein Vergleich der absoluten Stimmen deutlich. Vor vier Jahren machten noch 72 644 Menschen aus dem Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge ihr Kreuzchen hinter Brähmigs Namen. Am vergangenen Sonntag waren es 44 353. Das bedeutet, dass sich über 28 000 Menschen von Klaus Brähmig als ihren Vertreter im Bundestag abgewandt haben. Das ist von der Größe her ein volles Stadion, das sich geschlossen verabschiedete. Auch das dürfte einer der Superlativen dieser Wahl sein.

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CDU noch schwächer als Brähmig

Bei den massiven Verlusten für Klaus Brähmig als Direktkandidat ragen die in den Gemeinden Dohma und Stadt Wehlen noch heraus. Hier hat sich Brähmigs Stimmenanteil mehr als halbiert. Den größten Prozentsatz holte er noch in Rabenau mit 33,7. Aber auch das war ein herber Absturz und nur Platz zwei hinter Frauke Petry (AfD). Das schwächste Ergebnis erzielte er schon fast traditionell in seiner Heimatgemeinde Gohrisch. Das war auch 2013 schon so. Damals waren die 36,4 Prozent allerdings Platz eins. Diesmal landete er mit seinen 19,3 Prozent sogar auf Platz drei, noch hinter André Hahn (Die Linke). Dennoch kann sich Brähmig zugutehalten, dass er außer in Gohrisch in allen Gemeinden mehr Stimmen holte als seine Partei, die CDU. Es kann also nicht ausschließlich am Kandidaten gelegen haben.

AfD gewinnt auf ganzer Linie

Die Alternative für Deutschland ist komplett in allen Gemeinden des Landkreises die stärkste Partei geworden und überall erhielt Frauke Petry die meisten Erststimmen. Dass dieser Erfolg flächendeckend in Stadt und Land möglich ist, hatten zuvor nur AfD-Wähler für möglich gehalten. Petry erhielt in fast allen Gemeinden mehr Stimmen als ihre Partei. Nur in Müglitztal und Struppen bekam die AfD mehr Zweitstimmen. Die Hochburgen sind Rathmannsdorf (43,9 Prozent) und Dohma (43,5 Prozent). In beiden Gemeinden spielte das Thema Flüchtlinge in den vergangenen beiden Jahren eine große Rolle.

Linke-Kandidat punktet zu Hause

Die Linke hat mit André Hahn offenbar den richtigen Kandidaten für ihr Klientel aufgestellt. Nicht nur, dass er offenbar in seiner Heimatgemeinde Gohrisch beliebt ist – hier holte er mit 23,2 Prozent mit Abstand die meisten Stimmen. Fast überall ist ihm gelungen, mehr Stimmen als seine Partei auf sich zu vereinen. Nur in den Mini-Gemeinden Dorfhain und Hermsdorf/Erz. hat er das nicht geschafft. Die geringste Unterstützung erhielt er mit 9,3 Prozent in Hartmannsdorf-Reichenau. An absoluten Stimmen büßte aber auch Hahn gegenüber 2013 ein. Fast 5 000 Wählerinnen und Wähler sind ein herber Verlust.

SPD und FDP vereinzelt zweistellig

Bei den anderen Parteien kann man kaum noch von Hochburgen sprechen, so schwach sind die Ergebnisse. Zweistellig schaffte es SPD-Kandidat Klaus Wolframm immerhin in der Großen Kreisstadt Freital mit 10,4 Prozent. Seine Partei schaffte das allerdings lediglich in Rathmannsdorf. Der FDP gelang das immerhin in drei Gemeinden – Bannewitz, Kurort Rathen und Hermsdorf/Erz.

Sonstige verlieren an Bedeutung

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Bei den anderen Kandidaten und Parteien muss man im Landkreis schon Mikro-Zentren betrachten, um Besonderheiten zu ermitteln. Bündnis 90/Die Grünen haben insgesamt leicht verloren und schafften es lediglich in Tharandt, die Fünf-Prozent-Hürde zu überspringen. Der NPD gelang das nur noch in Kurort Rathen und Reinhardtsdorf-Schöna. Vor vier Jahren war das noch Standard. Die Partei hat offenbar massiv an die AfD abgegeben. Auch die Freien Wähler haben an Zustimmung verloren. In Hartmannsdorf-Reichenau gab es mit drei Prozent noch das beste Ergebnis. Dort stellen die Freien Wähler seit Jahren den Bürgermeister. Für den Einzelbewerber Roland Hoyer wird es vermutlich eine Genugtuung sein, dass er in seiner Heimat Dohna mit 3,5 Prozent das beste Ergebnis erzielte.