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Freital

Zeit der „Leuchtenden Nachtwolken“

Im Sommer kann man in lauen Nächten eine bezaubernde Erscheinung am Himmel beobachten. Bei Tharandt bot sich ein solch faszinierender Blick.

Leuchtende Nachtwolken  am Abend des 17. Juni über dem Landberg bei Herzogswalde.
Leuchtende Nachtwolken am Abend des 17. Juni über dem Landberg bei Herzogswalde. © Heiko Ulbricht

In den Sommermonaten, oft schon ab Mitte Mai, über Juni, Juli und bis Mitte August, kann man in so manch lauer Sommernacht etwa eine Stunde nach Sonnenuntergang über dem Nordhorizont weiße, sehr oft elektrisch blau anmutende Wolken erkennen, welche sehr filigran und mystisch wirken. Es handelt sich dabei um leuchtende Nachtwolken (engl. Noctilucent Clouds) – sehr bezaubernde Erscheinungen.

Im Gegensatz zu anderen Wolkenarten, welche maximal eine Höhe von 13 Kilometern erreichen können, treten die Leuchtwolken in weit größerer Höhe auf: 83 Kilometer! In dieser Höhe befindet sich die Mesopause, eine Übergangszone in den Weltraum. Die Wolken dort werden aufgrund dieser enormen Höhe noch von der Sonne angestrahlt, während der Himmel schon dunkel wird oder schon ist und tiefere Wolken bereits im Dunkeln liegen. Sichtbar sind sie, wenn sich die Sonne zwischen 6 und 16 Grad unter dem Horizont befindet.

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Der Entstehungsprozess der Leuchtenden Nachtwolken ist bis heute nicht vollständig geklärt. Um in der Höhe von 83 km bei der sehr geringen Menge an Wasserdampf überhaupt Eiskristalle auszubilden, bedarf es sehr niedriger Temperaturen um die 140 Grad Kelvin. Auch Kondensationskerne wie Staub sind erforderlich, der meist durch Meteore eingebracht wird.

Man weiß aus Messungen, dass die für die Eisbildung sehr tiefe Temperatur aufgrund der interhemisphärischen Zirkulation nur zwischen Ende Mai und Mitte August erreicht wird.

In diesem Jahr begann die NLC-Saison sehr früh im Mai und auch sehr kräftig, was selten zu beobachten war in den letzten Jahren. In Fachkreisen wurde über eine sehr intensive Saison diskutiert, was sich bewahrheitet hat. Obwohl eine NLC-Saison in der Regel um Anfang/Mitte Juli erst ihren Höhepunkt erreicht, konnten schon jetzt im Juni eindrucksvolle Erscheinungen beobachtet werden, welche die Fachwelt erstaunen ließen. 

Leuchtende Nachtwolken erscheinen um die Pole der Erde, aber Ausbrüche gen Süden sind dieses Jahr sehr intensiv. So wurden die Wolken bereits bis zum 38. Breitengrad gesehen. Diskutiert wird auch die sehr geringe Aktivität unserer Sonne, welche günstig für das Auftreten der leuchtenden Nachtwolken ist, denn die UV-Strahlung der Sonne beeinflusst chemische Reaktionen in dieser Höhe und auch die Temperatur schwankt.

Leuchtende Nachtwolken wurden erstmals im Jahre 1885, zwei Jahre nach dem Ausbruch des Vulkans Krakatau, in der Sundastraße in Indonesien beobachtet und als Folge der gewaltigen Explosion, bei der Unmengen an Staub in die Erdatmosphäre transportiert wurden, interpretiert. Jedoch wurden sie in den folgenden Jahrzehnten wieder beobachtet.

Das kalte, elektrisch blaue Leuchten der NLCs fasziniert den Beobachter, ebenso die unzähligen Formen wie Wellen, gerade Striche, Bögen, Wirbel usw. Aufgrund der bisher sehr stark verlaufenden Saison des Jahres 2019 lohnt der Blick gen Nord derzeit besonders, denn der Höhepunkt im Juli wird noch erreicht. Zur Beobachtung sind natürlich ein normal wolkenfreier Himmel oder größere Wolkenlücken erforderlich. Diese Wolken auch fotografisch festzuhalten, hat mit einem schönen Vordergrundmotiv überaus reizvolle Aspekte. Das Besondere ist auch, dass wir auf dem besten Breitengrad von 51° zur Beobachtung liegen.

Eines der größten und höchsten Displays der NLCs, wie man ein Feld dieser Wolken auch nennt, trat am Abend des 17. Juni nach Sonnenuntergang und am Morgen des 18. Juni vor Sonnenaufgang auf. Davon stammt das Foto, aufgenommen auf dem Landberg bei Herzogswalde am Rande des Tharandter Waldes am Abend des 17. Juni. Bleibt abzuwarten, was sich uns in Sachen „Leuchtende Nachtwolken“ dieses Jahr noch bietet. (Heiko Ulbricht)

Sie wollen noch besser informiert sein? Schauen Sie doch mal auf www.sächsische.de/pirna und in unseren anderen Online-Ausgaben für Freital, Dippoldiswalde und Sebnitz vorbei.

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