Merken

Zeitreise entlang der Saaldecke

Die Restaurierungsarbeiten im Saal des Wilden Mannes haben begonnen. Das große Deckenbild ist fast vollständig zu sehen.

Teilen
Folgen
© Dietmar Thomas

Von Sylvia jentzsch

Ostrau. Stück für Stück entfernt Restaurator Thomas Höhne mit dem Heißluftgebläse, Spachtel oder Skalpell die Latexschicht auf der opulenten Stuckdekoration im Saal des Wilden Mannes. Immer mehr wird sichtbar, dass der Ballsaal des ehemaligen Gasthofes ein wahres Schmuckstück ist. Das bestätigt auch Restaurator Matthais Steude spricht von einer Rarität, die die Berechtigung hat, geschützt zu werden.

„Es ist eine spannende Aufgabe, hier zu arbeiten. Es gibt nur noch wenige Gasthöfe mit solchen Sälen. Ich freue mich, dass sich Leute für die Erhaltung dieses Kulturdenkmals starkgemacht haben“, sagte, Matthias Steude.

Er und Thomas Höhne von der Höhne & Steude GbR Leisnig wollen im Saal des Wilden Mannes eine sogenannte Musterachse für das Gestaltungskonzept anlegen. Dabei werden alle Bereiche der Decke des Ballsaales tangiert. Anhand dieser ist eine Zeitreise zu erleben. Zu sehen ist die klassizistische Deckenmalerei, die voraussichtlich mit dem Bau des Gebäudes im Jahr 1850 entstanden ist. Nach der Reichsgründung 1871 entsprach die Gestaltung nicht mehr dem Geschmack der Zeit.

Man wollte mehr präsentieren – Innen wie Außen. Und so entstand Ende des 19. Jahrhunderts unter anderem die Decke des Saales im Jugendstil. Zurzeit legt Matthais Steude Bilder, die sich zwischen den Stuckelementen befinden, frei. Bei den Gipsfiguren erkennen die Fachleute, welche Teile vergoldet waren. „Wahrscheinlich ist nicht mit echtem Gold gearbeitet worden. Es gab damals schon Alternativen“, so der Restaurator.

Schon fast in seiner gesamten Schönheit ist das Deckengemälde zu sehen, das voraussichtlich 1924/25 entstanden ist. Es zeigt einen Engelsreigen. „Wir gehen von dieser Entstehungszeit aus, weil, die Stilistik und Didaktik passen. Der Dekorationsmaler hat mit Öl gearbeitet“, sagte Matthias Steude.

Eingangsbereich, wie im Original

Bisher waren nur ein Engel und ein Kranich zu sehen. Nun ist fast das gesamte Ensemble freigelegt. „Mit hoher Wahrscheinlichkeit befindet sich unter diesem Engelsreigen eine klassizistische Ausmalung. Doch die soll wahrscheinlich nicht freigelegt werden“, sagte Steude. Es sollen lediglich sogenannte Sichtfenster entstehen. Die klassizistische Malerei zeigt architektonische Elemente in kräftigen, klaren Farben. „Hier sind auch Hacklöcher zu sehen, weil die später eingebauten Gipselemente an der Holzdecke befestigt worden sind“, so der Restaurator.

Möglich wurden diese Arbeiten durch eine finanzielle Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD). Das Geld kommt aus Spenden und der Glücksspirale. (DA berichtete). Das Geld der DSD ist eine Art Anschubfinanzierung. Sind die Musterachsen fertig, soll beraten werden, wie es mit der Sanierung des Ballsaales weitergeht. Dabei spielen vor allem die Finanzen eine große Rolle. Es wird ein Konzept benötigt, um Fördermittel zu beantragen.

„Es kann auch in Abschnitten restauriert und der Saal trotzdem genutzt werden“, sagte Matthias Steude. Schon jetzt sei zu sehen, dass der Raum einmal hell und freundlich sowie einen festlichen Charakter haben wird, wenn die braune und dunkelgrüne Farbe, die zu DDR-Zeiten aufgetragen wurde, verschwindet.

„Es ist schön, wenn es im Saal weitergeht. Unser wichtigstes Vorhaben ist zurzeit der Eingangsbereich. Ziel ist es, bis Mitte Juni diesen so herzustellen, wie er im Original war“, sagte Monika Fischer, Vorsitzende des Vereins Kulturdenkmal Gasthof Wilder Mann. Dafür werden beim Arbeitseinsatz am Sonnabend die Balustraden gesetzt. Später werden die Säulen verkleidet. In diesem Jahr soll auch noch die Fassade zur Oschatzer Straße saniert und eine behindertengerechte Toilette eingebaut werden. Dafür bekam der Verein jetzt einen Förderbescheid für eine Summe in Höhe von 11 000 Euro. Das Geld stammt aus dem Förderprogramm „Lieblingsplätze für alle“.