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Zelten auf dem Ex-Jugendwerkhof

Nach dem gelungenen Pfadfinderlager im Sommer gibt es wieder Hoffnung für das Gelände am Dorfrand.

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© Anne Hübschmann

Von Jörg Richter

Rödern. Es ist still geworden auf dem Röderhof. Die Lieder sind verklungen und auch das Lachen der rund 250 Pfadfinder aus Schleswig-Holstein, die hier im Sommer anderthalb Wochen ihre Zelte aufgeschlagen hatten. Mit ihnen kam das Leben zurück – wenn auch nur für kurze Zeit. Doch es gibt Hoffnung, dass das Gelände, das dem Diakonenhaus Moritzburg gehört und seit zehn Jahren verwaist war, wieder öfter genutzt wird.

Alte Ansicht vom Röderhof in Rödern.
Alte Ansicht vom Röderhof in Rödern. © privat

Auch die Ebersbacher Bürgermeisterin Margot Fehrmann erinnert sich mit Freude an das Pfadfinderlager. „Das war eine schöne Sache“, sagt sie. „Es gab auch keine Beschwerden aus dem Dorf. Abends wurde gesungen – und auch früh am Morgen. Und niemanden hat es gestört.“ Im ›Gegenteil. Die Röderner schienen erfreut zu sein, dass Leben ins Dorf kam. Fehrmann selbst sei überrascht gewesen, mit wie viel Ordnung und Disziplin die Pfadfinder aus Norddeutschland hier einen Teil ihrer Ferien verbrachten. Wohl auch ein Grund, warum die Dorfbewohner nichts dagegen haben, wenn hier in Zukunft öfter mal Zeltlager stattfinden würden.

„Auch bei mir ist nichts Negatives angekommen, was dagegensprechen könnte“, sagt Jens Knechtel, der Verwaltungsleiter des evangelisch-lutherischen Diakonenhauses in Moritzburg. Schon während des Tages der offenen Tür, den mehrere Röderner nutzten, die christlichen Pfadfinder kennenzulernen, wurde über weitere ähnliche Zeltlager gesprochen. „Das wäre aus unserer Sicht eine sinnvolle Geschichte“, sagt Knechtel. „Auch in Sachsen sind Diakone in den Gemeinden unterwegs und machen Jugendarbeit. Da gehören Rüstzeiten mit Kindern und Jugendlichen immer dazu.“

Bereits seit 1910 Erziehungsstätte

1910 kauft die Brüderanstalt Moritzburg (heute: Diakonenhaus) einen alten Dreiseitenhof und machte daraus unter dem Namen „Röderhof“ eine Erziehungsstätte für Burschen.

Von 1928 bis 1942 diente der Röderhof auch als Pflegeheim für Geisteskranke.

Die Nazis eigneten sich 1942 den Röderhof an und richteten einen Landjugendhof für die Erziehung Jugendlicher in ihrem Sinne ein.

Zu DDR-Zeiten war das Gelände als Jugendwerkhof Rödern bekannt, in dem „erziehungsschwierige“ Mädchen im Alter von 14 bis 20 Jahren untergebracht waren.

Nach der Wende erhielt das Diakonenhaus Moritzburg den Röderhof wieder zurück und richtete eine Berufsschule für sozialbenachteiligte Jugendliche ein. Sie wurde 2002 geschlossen, weil es Differenzen zwischen der Diakonie und dem Arbeitsamt, die sich die Kosten teilten, gab.

2004 bis 2006 wurde der Röderhof als Aussiedlerheim genutzt. Danach war Schluss.

Quelle: Festschrift „750 Jahre Rödern“

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Der Röderhof könnte durchaus als Domizil dieser Rüstzeiten ausgebaut werden. Das Sozialgebäude neben dem Hauptgebäude des ehemaligen Jugendwerkhofs ist geeignet dafür. Räume für eine große Küche, Duschen und Toiletten sind vorhanden. Ein Hauptproblem ist allerdings, dass die Dorfstraße noch keine Abwasserleitung besitzt. Sie soll voraussichtlich 2018 gebaut werden, bestätigt Bürgermeisterin Fehrmann.

Für das Sommerlager der schleswig-holsteinischen Pfadfinder hatte das Bauamt des Landkreises Meißen extra eine Ausnahmegenehmigung für den Betrieb der sanitären Anlagen erteilt. Die Pfadfinder hatten daraufhin WC- und Duschcontainer auf eigene Kosten aufstellen lassen.

Als Übergangslösung wäre sicher auch 2017 eine Ausnahmegenehmigung möglich. Die Gemeinde würde sich bei Bedarf dafür beim zuständigen Landratsamt stark machen, so Margot Fehrmann.

Und Bedarf scheint es zu geben. Der sächsische Pfadfinderring, der hiesige Zusammenschluss weltlicher und kirchlicher Pfadfinder, sucht zurzeit einen neuen Stammplatz. Der Pachtvertrag seines bisherigen Zeltplatzes in Lohmen (Sächsische Schweiz) ist im Sommer ausgelaufen. Rödern käme also gerade recht.