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Zenker mischt bei Zug-Debatte mit

© Romy Altmann-Kühr

Der Kampf um den Erhalt der Strecke Oderwitz-Herrnhut zieht größere Kreise. Weitere Gemeinden könnten davon profitieren, etwa Großschweidnitz und Zittau.

Von Romy Altmann-Kühr

Oberlausitz. Das alte Großschweidnitzer Stationshäuschen an der Bahnhaltestelle dient an diesem Abend als Lager für den Grillmeister. Vor der Haltestelle dreht er auf dem Grill die Bratwürste um, serviert Nudelsalat auf Papptellern. Die Bürgerinitiative Pro Herrnhuter Bahn hatte Bürgermeister und andere Politiker eingeladen, um ein weiteres Mal über die Zukunft der stillgelegten Bahnstrecke zwischen Oderwitz, Herrnhut und Niedercunnersdorf zu sprechen. Die Gruppe besteht aus Hobby- und Berufseisenbahnern, wie Björn Scholz. Er arbeitet hauptberuflich als Lokführer, engagiert sich in der Freizeit bei den Ostsächsischen Eisenbahnfreunden (Osef). Den Standort Großschweidnitz haben Scholz und seine Mitstreiter gewählt, weil der Haltepunkt an einem Abschnitt liegt, auf dem noch Züge fahren. „Hier sieht man, dass es funktionieren kann“, so Scholz. Züge der Osef befahren die Strecke, auch Güterverkehr gibt es hin und wieder. Und: Die Gemeinde hat das Stationshäuschen hergerichtet, das Dach repariert. „Die Gemeinde gibt sich sehr viel Mühe und unterstützt den Erhalt“, lobt Eisenbahner Scholz.

Er und seine Mitstreiter haben aber in Großschweidnitz nicht nur Bratwürste anzubieten, sondern auch viele Argumente für das Projekt Bahnstrecke. Denn derzeit steht auch zur Debatte, auf der stillgelegten Strecke einen neuen Radweg zu bauen. das halten Scholz und seine Mitstreiter für ein Unding. „Die Infrastruktur für den Zugverkehr ist ja bereits da.“ Der Abschnitt Niedercunnersdorf – Großschweidnitz – Löbau knüpft direkt an die fragliche stillgelegte Strecke an. So gesehen könnte man also von Oderwitz bis nach Löbau mit dem Zug durchfahren. In Oderwitz hätte die alte Bahnstrecke Anschluss an die bestehende Verbindung Dresden – Zittau. „Man könnte mit dem Zug von Zittau auf fast direktem Wege nach Löbau gelangen, von dort weiter Richtung Bautzen“, wirbt Scholz für die Wiederaufnahme des fehlenden Zwischenstücks. Er glaubt an den Erfolg der Bahnstrecke. Die Buslinie Zittau-Löbau sei eine der meist genutzten im Gebiet des Verkehrsverbundes (Zvon), haben die Eisenbahnfreunde ermittelt. Das zeige, dass hier viel Potenzial für öffentlichen Nahverkehr ist. Mit einer Zugverbindung könnte man die Straße entlasten.

Auch Thomas Zenker sieht diese Argumente. Der Zittauer Oberbürgermeister mischte sich jetzt überraschend in die Streckendiskussion ein und besuchte die Gesprächsrunde am Großschweidnitzer Haltepunkt. Er sieht ebenfalls eine Chance für seine Stadt und das Zittauer Gebirge auf eine bessere Anbindung. Außerdem kennt er ein Problem vieler Autofahrer: „Die Strecke Zittau – Löbau ist morgens voll.“ Eine Bahnlinie könnte eine große Entlastung für Pendler sein, findet der Zittauer OB. Er setzt auch darauf, dass die Region wieder mehr Zuwachs haben wird, Menschen aus den Städten aufs Land ziehen. „Gearbeitet wird heute viel übers Internet von Zuhause aus. Die Leute müssen ein, zwei Mal pro Woche zum Standort ihrer Firma.“ Mit dem Zug, meint Zenker, könnte das für viele entspannter sein. Dass es Zuwachs gibt, merkt er bereits. „Unsere Schulen und Kitas sind voll belegt.“ Zenker will auch eine Lanze dafür brechen, wieder mehr Güterverkehr auf die Schiene zu verlegen. Der Transport per Bahn sei ökonomisch und volkswirtschaftlich günstiger, ökologisch sowieso. „Zittau war früher ein Güterdrehkreuz. Es ärgert mich, dass wir das nicht mehr nutzen“, sagt der Zittauer OB.

„Ich bin aber auch Kreisrat“, begründet Zenker sein Interesse. Und wie das Thema Radweg oder Bahnstrecke im Kreistag behandelt wird, schmeckt ihm nicht so ganz. Der Kreis favorisiert den Radweg. „Wie der finanziert werden soll, dazu gibt es aber keine klaren Aussagen“, kritisiert Zenker. Immerhin stehen neun Millionen Euro für den Bau im Raum. Deshalb will er sich nun genauer anhören, welche Argumente die Bahnverfechter haben. Hundertprozentig überzeugt, dass das alles funktionieren kann, ist er allerdings noch nicht.

Viele andere haben die Eisenbahner schon überzeugt. Eine Petition für den Wiederaufbau der Strecke hat nach der Hälfte der Laufzeit ihr Ziel an Unterstützer-Stimmen erreicht. Sie läuft noch bis Ende September. Die Petition wird bei Kreis, Zvon und Bahn eingereicht. Dort muss man sich dann Gedanken machen, wie es mit der alten Bahnstrecke weitergeht.

Online-Petition zum Erhalt der Bahnstrecke: www.sz-link.de/Herrnhuter-Bahn