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Zerreißprobe für den Berzdorfer See

Schönau-Berzdorf spielte mit dem Austritt aus dem Planungsverband. Eine Alternative gibt es nicht, aber Vorschläge.

© Foto: LMBV/Peter Radke, Montage: SZ-Bildstelle

Von Steffen Gerhardt

Görlitz/Schönau-Berzdorf. Ein Riss geht durch den Berzdorfer See: Schönau-Berzdorf hat die Nase voll vom Planungsverband und möchte seine Ziele am See lieber selbst verfolgen und verwirklichen. „Ohne dass einem von der Stadt Görlitz Knüppel zwischen die Beine geworfen werden“, so die Meinung eines Gemeinderates. Der Rat stand jetzt vor der Entscheidung: Austritt oder Verbleib im Verband. Im jüngsten Gemeinderat wurde dazu Klartext geredet, mit Unterstützung durch den Landkreis. Denn die Knüppel trafen im vergangenen Jahr die kleine Seegemeinde besonders heftig: Vor allem der Streit um den Hafen und den Segelstützpunkt führte zu einem Riss im Miteinander im Verband. Zumal dieses Beispiel zeigt, dass Schönau mit einem funktionierenden Segelstützpunkt Tatsachen schafft, während Görlitz an seinem Hafen und dessen Auslastung noch herumexperimentiert. Dazu kommt die Machtprobe zwischen der Stadt und den Seglern und der verkorkste Saisonstart aufgrund fehlender Genehmigung für den See.

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Der Große gönnt dem Kleinen seine Erfolge nicht – diese Erfahrung macht Schönau wiederholt mit dem See. Sie nähren in der Gemeinde das Gefühl, im Planungsverband nicht mehr gut aufgehoben zu sein. Ebenso, als es um den Bebauungsplan für die Schönauer Seite ging und der Planungsverband dem zustimmen sollte, flammten alte Konflikte wieder auf. Mit dem Plan sollte auch der Bau des Segelstützpunktes legalisiert beziehungsweise die weiteren Investitionen planerisch abgesichert werden. Mit dabei die Erschließungsstraße zur Blauen Lagune für rund 4,5 Millionen Euro.

Diese Vorgeschichten führten dazu, eine eigene Entscheidung zu treffen, wie es für die Gemeinde am See weiter geht. Denn dass sie was auf die Beine zu stellen vermag, zeigte sich zum Seetag. Zusammen mit ihren Partnern und einem privaten Investor wurde den über 10 000 Besuchern ein wirklicher Erlebnistag geboten. Dazu braucht es aber keinen Planungsverband, zumal der Landkreis ihm auf die Finger geklopft und an sein eigentliches Ziel erinnert hat: die planerischen Entwicklung des Tourismus am See.

Daran erinnerte Kreisentwickler Holger Freymann, der die Sicht des Landkreises auf den Planungsverband den Schönauer Räten näher brachte. „Der Verband hat sich auf der Wegstrecke verlaufen“, fasste er die Entwicklung der letzten acht Jahre zusammen. So ist das Organisieren von Seefesten keine Verbandsaufgabe. Und: „Es passiert zu wenig am See.“ Dennoch sieht Freymann im Planungsverband die Basis für die Entwicklung des gesamten Sees. „Der Verband bringt die Partner an einen Tisch und ist gut in der Breite aufgestellt.“ An die Schönauer gewandt sagte er: „Sie müssen abwägen, was gewinnen und was verlieren wir mit einem Austritt?“ Zwar spare Schönau seine jährliche Umlage von 12 000 Euro ein, aber hätte dann auch nicht mehr eine kalkulierbare finanzielle Sicherheit, was Planungen betrifft. „Sie müssten sich um alles selbst kümmern und das dürfte Sie mehr kosten“, erklärte Freymann.

Daraufhin machte er einen Kompromissvorschlag: dem Verband in seiner weiteren Existenz eine zeitliche Frist setzen. Denn wenn alle Planungen vorliegen, hat sich der Zweck des Verbandes laut seiner Satzung erfüllt. Es sei denn, es gibt Ambitionen, ihn in einen Zweckverband umzuwandeln und damit sein Aufgabengebiet zu erweitern. Aber danach sieht es gegenwärtig nicht aus. Schönau-Berzdorf ist mit drei Planungen dabei: für die Blaue Lagune, den Ferienpark und die Gewerbeansiedlung auf der Neuberzdorfer Höhe. Dazu braucht die Gemeinde die Unterstützung des Planungsverbandes. So sieht es die Mehrheit im Gemeinderat.

Die Diskussion in geschlossener Runde fasste Bürgermeister Christian Hänel (parteilos) mit den Worten zusammen, dass die Gemeinde Mitglied im Verband bleibt. „Es zeigt sich, dass wir mehr Nachteile bei einem Austritt hätten, als wenn wir dabei bleiben“, so der Bürgermeister. Also war es nur ein Sturm im Wasserglas und nicht auf dem See. Denn die Diskussionen um einen Austritt sind bis ins Görlitzer Rathaus noch nicht vorgedrungen. „Der Stadt Görlitz sind keinerlei Austrittspläne bekannt, weder von Schönau-Berzdorf noch von Markersdorf. Das haben die Gemeinden auch bestätigt“, sagte eine Stadtsprecherin und versicherte, dass an der Umsetzung der Beschlüsse des Planungsverbandes gemeinsam und kontinuierlich gearbeitet wird.

Das erwartet auch das dritte Verbandsmitglied, die Gemeinde Markersdorf. Dort stellte schon im Herbst ein Ratsmitglied den Antrag zu prüfen, ob die Mitgliedschaft im Verband für Markersdorf noch sinnvoll ist. Aber dieser Antrag wird derzeit nicht weiter verfolgt, erklärte Bürgermeister Thomas Knack (parteilos). „Wir stehen zur gemeinsamen Entwicklung des Sees, auch wenn nicht alles zu unserer Zufriedenheit läuft“, betont Knack.