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Zeugen wollen nichts mehr wissen

Ein Mann aus Frankenberg soll in Hainichen Naziparolen gegrölt haben. Er bestreitet die Tat. Ein Urteil steht noch aus.

Von Helene Krause

Lässig nach hinten gelehnt lungert der 22-jährige Mann aus Frankenberg auf der Anklagebank. So kommt es dem Beobachter vor, als ginge ihn die ganze Sache gar nichts an.

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Vorgeworfen wird dem 22-jährigen Angeklagten, am 7. Juni 2013 gegen 21 Uhr in einer Garage in der Feldstraße in Hainichen mehrfach „Sieg heil!“ und „Heil Hitler!“ gerufen zu haben. Außerdem soll er am 15. Juni 2013 in der Zeit zwischen 16.30 und 19 Uhr am gleichen Tatort mehrfach „Sieg heil!“ gegrölt haben. Die Vorwürfe bestreitet der Beschuldigte. „Ich habe gar nichts gerufen“, sagt er. Außerdem soll „Sieg heil“ seiner Meinung nach keine Naziparole sein.

Doch nicht nur das Benehmen des Angeklagten erregt in der Verhandlung Anstoß. Die ganze Fortsetzungsverhandlung vorm Amtsgericht Döbeln scheint in eine Farce auszuarten. Keiner der Zeugen will von den Vorfällen heute noch etwas wissen. An ihre Aussagen, die sie im Juni 2013 bei der Polizei machten, erinnern sie sich genau so wenig wie an das, was sie in der ersten Verhandlung vor Gericht sagten.

Weil dabei nur die eine Tat (vom 15. Juni 2013) angeklagt war, sich alle Zeugen widersprachen, nicht erinnern konnten oder von nichts wussten und, weil ein Zeuge fehlte, musste das Verfahren unterbrochen und zu einem späteren Zeitpunkt fortgesetzt werden (der DA berichtete).

Aber auch das trägt nicht wesentlich zur Aufklärung bei. Zwei neue Zeugen, die der Angeklagte in der zweiten Verhandlung benennt, bringen ebenfalls kein Licht in das Dunkel. Die eine Zeugin habe den Beschuldigten nur im Auto mitgenommen und ihn am Tatort abgesetzt. Dann sei sie weitergefahren. Der andere Zeuge behauptet, mit dem Angeklagten öfter zusammen gewesen zu sein. Ob das aber am Tattag war, könne er nicht genau sagen.

Strafregister ist schon lang

Außer dem Beschuldigten sollen noch drei weitere Männer die Naziparolen gerufen haben. Das Verfahren gegen sie wurde von dem Verfahren gegen den Frankenberger getrennt. Grund dafür war, dass den Dreien weitere Straftaten vorgeworfen werden. Außerdem wurden sie schon mehrfach verurteilt. Unter anderem wegen des Einbruchs bei einem Steinmetz in Hainichen. Dem stahlen sie Bargeld, Kalzitstufen, Bernstein und andere Gegenstände im Wert von rund 33 000 Euro.

Doch auch am zweiten Verhandlungstag fehlt derselbe Zeuge erneut. Deshalb muss er ein Ordnungsgeld in Höhe von 150 Euro zahlen. Das wird wegen unentschuldigten Fernbleibens vor Gericht fällig. Da in der Zwischenzeit dem Beschuldigten noch eine zweite gleichartige Tat, nämlich die vom 7. Juni 2013, vorgeworfen wird, werden beide Verfahren verbunden und zusammen verhandelt.

Auch in der zweiten Verhandlung kann nicht geklärt werden, ob der Frankenberger Naziparolen gegrölt hat. Das Verfahren wird erneut unterbrochen und in der kommenden Woche fortgesetzt. Dann sollen weitere Zeugen, die der Angeklagte benannt hat, vernommen werden. Der Zeuge, der zweimal fehlte, wird zu diesem Termin polizeilich vorgeführt.