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Zeugnistag für Europas Banken

Wie gut sind die Geldhäuser für mögliche Krisen gerüstet? In der Gesamtschau erwiesen sich die Kapitalpuffer als ausreichend. Einige Institut müssen allerdings nachbessern.

© Julian Stratenschulte/dpa

Europas Aufseher haben den Großbanken in der EU ein insgesamt solides Zeugnis in Sachen Krisenfestigkeit ausgestellt. In dem nach Angaben der Bankenaufsicht EBA bisher härtesten europaweiten Stresstest erwiesen sich die Kapitalpuffer bei den meisten der 48 untersuchten Institute auch unter widrigsten Bedingungen als tragfähig. Im Allgemeinen seien die europäischen Banken besser für eine neue Wirtschafts- und Finanzkrise gerüstet als noch vor einigen Jahren, konstatierte die EBA bei der Vorstellung der Ergebnisse am Freitagabend in London.

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Die Kapitalpuffer der acht deutschen Geldhäuser in dem Test schrumpften im Stressszenario im Vergleich zu den Instituten aus anderen Ländern deutlich. Ähnliches gilt für britische Banken. Das liege vor allem an der geringen Profitabilität dieser Häuser, sagte EBA-Statistik-Direktor Mario Quagliariello.

Am schlechtesten schnitt unter den deutschen Instituten die NordLB ab. Ihre harte Kernkapitalquote – das ist ein Puffer, der Banken bei Verlusten uneingeschränkt zur Verfügung steht – sackte im Krisenszenario auf 7,07 Prozent ab. Die Landesbank der Länder Niedersachsen und Sachsen-Anhalt war allerdings seitens der deutschen Banken auch mit den schwächsten Werten in die Prüfung gegangen. Das von faulen Schiffskrediten belastete Institut sucht seit einiger Zeit nach Investoren.

Auch die Deutsche Bank geriet in dem Stressszenario ordentlich unter Druck. Ihre Kapitalquote schrumpfte auf 8,14 Prozent. Deutschlands größtes Geldhaus erklärte das relativ schlechte Abschneiden auch mit einer Reihe von Sonderfaktoren: So seien in dem Stresstest, der die Jahre 2018 bis 2020 umfasste, weiterhin Verluste der bereits 2016 geschlossenen Abwicklungseinheit unterstellt worden. Auch der einmalig im vierten Quartal 2017 angefallene Verlust für den Verkauf des Polen-Geschäfts sei über den Drei-Jahres-Zeitraum fortgeschrieben worden. Die Commerzbank hätte nach Durchlaufen des Krisenszenarios Ende 2020 noch einen Kapitalpuffer von 9,93 Prozent.

Die Banken aus 15 europäischen Staaten mussten auf Basis ihrer Bilanzen Ende 2017 durchrechnen, wie viel dünner ihre Kapitaldecke binnen drei Jahren werden würde, wenn die Konjunktur einbricht, die Arbeitslosenzahlen steigen und die Immobilienpreise in den Keller gehen.

Formale Durchfaller gab es nicht. Denn wie beim europaweiten Stresstest 2016 hatten die Aufseher keine standardisierten Kapitalquoten vorgegeben, die Banken erfüllen mussten. Unter Aufsehern gilt eine harte Kernkapitalquote von 5,5 Prozent als das Minimum, was Banken unter Stress noch vorweisen sollten.

Institute, die sich in dem aktuellen Krisentest als anfällig erwiesen, werden die Aufseher ganz genau anschauen und im Nachgang möglicherweise institutsspezifische Kapitalzuschläge festsetzen.

Weltweit überprüfen Aufseher regelmäßig, wie anfällig Banken im Krisenfall wären. Die Tests sollen möglichst frühzeitig Risiken in den Bilanzen offenlegen. Unumstritten sind Stresstests nicht: Welche Risiken in den hypothetischen Szenarien wie stark gewichtet werden, liegt letztlich in der Hand der Aufseher. Und auch dass nicht für alle Banken Ergebnisse veröffentlicht werden, stößt auf Kritik. (dpa)