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Zickige Wandergruppe

Am Sonntag kann man eine ganz besondere Wanderung auf den Pfaffenstein unternehmen: mit Ziegen und ihrem Hirten.

© Foto: privat

Von Sophie Lerche

Königstein. Ziegen, die in den Felsen der Sächischen Schweiz herumklettern, sind ein doch eher ungewöhnlicher Anblick. Hirte Patu Radfeld aus Königstein kennt diesen Anblick hingegen genau. Am Sonntag wird er seine Waldziegen ein zweites Mal auf den Pfaffenstein führen – und er nimmt eine Gruppe Wanderer mit. Noch sind Plätze frei.

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Vor etwas mehr als zwei Wochen fand die erste offizielle Ziegenwanderung auf den Pfaffenstein statt. Bei Groß und Klein kam das noch kostenlose Ziegen-Abenteuer gut an. Doch wie genau kann man sich solch einen Ausflug vorstellen? Als Erstes holt der 31-jährige Hirte, gemeinsam mit Gershi, die Wanderbegeisterten an der Fährstelle Königstein ab. Der dreijährige Gershi ist das Leittier der Gruppe. Der Bock ist auf jeder Wanderung dabei. Ansonsten begleiten Patu Radfeld und die restlichen Wanderer noch zwei bis drei weitere Ziegen. Zunächst erfolgt eine kleine Belehrung und danach geht es für Mensch und Ziege hoch hinaus auf den Pfaffenstein. Auf der fünf- bis sechsstündigen Tour erläutert Patu Radfeld einige spannende Fakten zur Ziegenrasse und ihrer Haltung. „Wir laufen rund zwölf Kilometer. Das könnte man auch in kürzerer Zeit schaffen“, sagt der Ziegenhirte. „Allerdings dauert es erst einmal zwei bis drei Stunden, bis die Tiere richtig Vertrauen zu den Menschen aufgebaut haben.“ Wer möchte, kann im Laufe der Strecke eine Ziege am Strick führen. Dies intensiviere die Bindung zwischen Mensch und Tier noch mehr. Durch diese besondere Bindung werden die Menschen Teil der Herde.

Die Teilnehmer brauchen für die Ziegen kein Futter mitzubringen. „Meine Ziegen sind keine Streichelzootiere. Ich bin sehr froh, dass es ihnen egal ist, wenn jemand während der Pause seine Brotbüchse auspackt“, so Patu Radfeld.

Der Königsteiner Ziegenhirte hat Umweltbildung studiert und beschäftigt sich seit vielen Jahre intensiv mit dem Thema Lebensmittelproduktion. Später fing er an, in seinem Garten kleine Tierarten zu züchten, beispielsweise Laufenten oder Hasen. Bald darauf züchtete er auch Schafe und Ziegen. Diese stehen in Königstein. Etwas verteilt, auf verschiedenen gepachteten Flächen jedoch, da es ziemlich schwierig sei, größere Flächen für seine Tiere zu bekommen, sagt Radfeld. Das sei für die Ziegen kein Problem: Gemeinsam mit ihrem Hirten können sie die Strecken problemlos zurücklegen. „Die Milch, das Fell, sowie auch das Fleisch nutze ich für mich und meine Freunde“, so der 31-Jährige. Insgesamt besitzt der Ziegenhirte acht Thüringer Waldziegen, mit denen er schon länger wandern geht. Mit den Ausflügen auf den Pfaffenstein möchte er etwas Wichtiges erreichen: „Es geht darum, eine Bindung zu den Tieren aufzubauen.“ Es lohne sich, das Sozialverhalten der Ziegen etwas genauer zu beobachten. Sie bekommen viel von ihrer Umwelt mit und genau das bekämen auch die Wanderer zu spüren.

Patu Radfeld hat vor, in Zukunft noch weitere Touren auszuarbeiten. Auch im Winter möchte er mit seinen Ziegen und anderen Tier- und Wanderliebhabern auf Wanderschaft gehen. Ob und wie das funktionieren wird, muss noch genauer abgeklärt werden.

Nächste Wanderung am 22. Juli, 9.30 Uhr; Treffpunkt an der Fährstelle Königstein; Anmeldung hier