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Zieht die Bibo um?

Die Stadt Bischofswerda sucht derzeit nach neuen Räumen für ihre Bücherei. Das sorgt für Aufregung.

© Steffen Unger

Von Nicole Preuß

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Bischofswerda. Die Bibliothek ist geöffnet. Leser stöbern in den Regalen unter den stuckverzierten Decken. Mitarbeiterinnen beraten und räumen Bücher ein. Es ist eigentlich alles so wie immer. Und doch geht ein Gerücht durch Bischofswerda, dass die Stadtverwaltung als Träger der Bibliothek zumindest angeschoben hat. Sie sucht mit einer Ausschreibung im Internet und im Mitteilungsblatt nach neuen Räumen für die Stadtbibliothek. Bisher sind die Bücher in der ersten Etage des Bischofssitzes an der Dresdener Straße untergebracht. Manche glauben nun, dass die Bibo umziehen muss. Es war bekannt, dass die Stadt mit der Eigentümerfamilie verhandelt. Deshalb wundert die Ausschreibung so manchen besonders. Ist am Ende schon alles entschieden?

Michael Thünker, der die Eigentümerfamilie des Bischofssitzes vertritt, kann das verneinen. Er wurde auch von der Ausschreibung überrascht, erfuhr durch Dritte von der Veröffentlichung. „Wir sind in Verhandlungen mit der Stadt. Ich kann die Ausschreibung aus der Ferne nicht interpretieren“, sagt er. Die Eigentümer wohnen in den alten Bundesländern. „Der Sachstand ist aber immer noch der Gleiche“, sagt Michael Thünker. Der Mietvertrag der Stadt für die Bibliotheksräume endet demnach 2020. Die Familie ist bereits seit einiger Zeit im Gespräch mit der Stadt und führt im Bischofssitz parallel dazu umfangreiche Sanierungsarbeiten durch.

Ein Teil der neuen Lohse-Galerie im Erdgeschoss ist bereits fertig (SZ berichtete), ein Fahrstuhl soll eingebaut werden. Die Decken wurden schon an den entsprechenden Stellen eingerissen. Zahlreiche Schwellen sollen verschwinden. „Wir wollen auch Planungen entwickeln, wie sich die Bibliothek noch erweitern könnte“, sagt Michael Thünker. Der Platz reiche jetzt schon kaum aus. Die Stadt verlangt in der Ausschreibung ein Objekt mit 550 Quadratmetern für Ausleih-, Büro- und Nebenräumen. Die Bibo im Bischofssitz ist schon jetzt größer.

Die Stadtverwaltung fordert in der Ausschreibung zu den Räumen natürlich Sanitäranlagen in ausreichender Zahl und möglichst Parkplätze. „In jedem Fall ist ein Behindertenparkplatz erforderlich“, heißt es. Der Mietvertrag soll auf zehn Jahre geschlossen werden mit der Option, noch zweimal um jeweils fünf Jahre zu verlängern. Eine Kernforderung ist der barrierefreie Zugang zur Bibliothek. Der wird in den alten Räumen im Bischofssitz mit dem Fahrstuhl erst noch gebaut. Die Flure müssen mindestens zwei Meter breit sein und ein Daten- und Telekommunikationsnetz zur Verfügung stehen. Die Liegenschaftsverwaltung verlangt die Angebote mit Angabe der Miethöhe bis zum 23. Februar.

Die Stadt sieht in dem Angebot eine übliche Handlungsweise. Das erläuterte Bauamtsleiter Holger Berthel bereits im Stadtrat vergangene Woche. Auch gegenüber der SZ wird die Stadtverwaltung deutlich. „Die Ausschreibung ist ein ganz normaler Vorgang, um Optionen im Rahmen der derzeit laufenden Entwicklung der Gebäudekonzeption zu besitzen, falls der Bischofssitz nach Ablauf des derzeitigen Vertrags nicht mehr der Stadt zur Verfügung steht“, sagt Stadtsprecher Sascha Hache. Die Stadt bestätigt, dass es natürlich Gespräche mit der Eigentümerfamilie gebe. Die Verhandlungen laufen auch in einer „sachorientierten Atmosphäre.“ Die Stadt kann sich aber auch vorstellen, ein anderes Objekt zu mieten. Was aus dem Bischofssitz wird, wäre dann Sache des Eigentümers.

Die Eigentümerfamilie hatte sich bereits im Gespräch vor der Eröffnung der neuen Lohse-Galerie manches offengelassen. Sie könne sich vorstellen, das Haus für andere Zwecke umzubauen. Sie möchte aber auch gern, dass das Gebäude ein Haus der Begegnung bleibt und die Stadt damit Mieter. Die Eigentümer investieren zurzeit zudem einiges in die aktuelle Nutzung. So führt der Fahrstuhl in Zukunft bis auf den Dachboden, wo Lagermöglichkeiten für die Galerie entstehen könnten.

Die Carl-Lohse-Galerie soll auf alle Fälle erhalten bleiben. „Dazu hat sich die Stadt Bischofswerda ganz klar im Leitbild der Stadt entschieden“, sagt Sascha Hache. Die Mietverträge der Galerie werden aber auch geprüft. „Die Galerie wird wie die Bibliothek im Rahmen der Gebäudekonzeption betrachtet“, so der Stadtsprecher. „Der Sachstand ist dort aber nicht so ‚einfach‘ wie in der Bibo.“ Es müssen mehr Anforderungen betrachtet werden, zum Beispiel die erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen. Was das für den Fortbestand der Galerie im Bischofssitz bedeutet, ist unklar.