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So viele 1,0-Absolventen wie noch nie

Im Altkreis Löbau-Zittau freuen sich dieses Jahr 16 Absolventen über einen Traum-Abschluss. Drei von ihnen erklären, wie sie das in der Corona-Krise geschafft haben.

Emily Schwerdtner, Niklas Wächter und Isabel Dyk sind drei von 16 Absolventen, die dieses Jahr die Traum-Note 1,0 erreicht haben. Und das trotz Corona-Krise und Umstellung auf Homeschooling.
Emily Schwerdtner, Niklas Wächter und Isabel Dyk sind drei von 16 Absolventen, die dieses Jahr die Traum-Note 1,0 erreicht haben. Und das trotz Corona-Krise und Umstellung auf Homeschooling. © Fotos: Rafael Sampedro (2), privat

Werde ich Lehrer? Vielleicht ja Wissenschaftler? Oder studiere ich doch lieber Medizin? Für 16 Absolventen der Gymnasien und Oberschulen in der Region Löbau-Zittau ist das alles möglich: Sie haben ihre Abschlüsse mit Bestnoten in der Tasche. Noch nie zuvor hatte es so viele 1,0 Absolventen in der Region gegeben. Nun stehen ihnen nahezu alle Türen offen. Und dabei hätten die letzten beiden Schuljahre kaum komplizierter verlaufen können. War im ersten Halbjahr der Oberstufe noch alles ganz normal, so mussten im zweiten Halbjahr die Schulen coronabedingt schließen. Das bedeutete für Schüler und Lehrer die Umstellung auf Homeschooling. Mehrere Monate sahen sie kein Schulgebäude mehr von innen. Drei der 17 besten Absolventen hat die SZ gefragt, wie sie das unter diesen Ausnahmebedingungen gemeistert haben und wie es nun für sie weitergeht.

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Emily Schwerdtner, 16, aus Ebersdorf: Jetzt noch das Abi dranhängen

Emily Schwerdtner möchte später auf jeden Fall etwas mit Kindern machen. Mit ihren guten Noten will sie jetzt das Fach-Abitur ablegen und danach studieren.
Emily Schwerdtner möchte später auf jeden Fall etwas mit Kindern machen. Mit ihren guten Noten will sie jetzt das Fach-Abitur ablegen und danach studieren. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Emily Schwerdtner aus Ebersdorf hat ihren Traum-Abschluss an der Pestalozzi Oberschule in Löbau gemacht. "Bis zur neunten Klasse stand ich auch meistens auf eins", sagt Emily. "Aber in Englisch hatte ich damals noch große Probleme. Mit Geschichte hab ich mich bis heute nicht richtig angefreundet." Dennoch hat sie sich immer wieder zum Lernen motiviert: "Das muss jetzt einfach sein!"

Nach den Ferien geht Emily für ihr Fach-Abitur erst einmal an das Berufliche Schulzentrum nach Bautzen. Den Platz hat sie bereits sicher. "Danach will ich Sozialpädagogik studieren, weil ich gerne mit Kindern arbeiten möchte. Ich passe auch öfter auf die Kleinen von unseren Bekannten im Dorf auf." Wo sie dann studiert, weiß Emily noch nicht: "Aber nicht zu weit weg, ich mag das Dorfleben hier", sagt sie.

In den langen Wochen des Lockdowns hatte sie ihren Tag fest durchstrukturiert. "8 Uhr aufstehen, etwas frühstücken und dann sofort Schule machen", erklärt Emily. "Die Lehrer haben auch immer so schnell wie möglich geholfen." Für Arbeiten lernt sie immer zwei, drei Tage im Voraus. Bei den Prüfungen war es unterschiedlich. "Für meine Bio-Prüfung habe ich schon im Frühjahr einen Extra-Hefter mit dem Wichtigsten der letzten Jahre angelegt." Auf ihre Musikprüfung war sie auch bestens vorbereitet. "Ich war im Schulchor und singe privat gerne Schlager von Beatrice Egli. Meine große Schwester hat mich damit förmlich angesteckt."

Niklas Wächter, 18, aus Zittau: Mit Leidenschaft zum Musikstudium

Neben dem Lernen hat Niklas Wächter stets noch genug Zeit für seine Leidenschaft, die Musik, gefunden. Täglich übt der 18-Jährige mit dem Akkordeon. Auch die Geige beherrscht er schon ausgezeichnet. Seine Leidenschaft will er nun zum Beruf machen.
Neben dem Lernen hat Niklas Wächter stets noch genug Zeit für seine Leidenschaft, die Musik, gefunden. Täglich übt der 18-Jährige mit dem Akkordeon. Auch die Geige beherrscht er schon ausgezeichnet. Seine Leidenschaft will er nun zum Beruf machen. © Foto: Rafael Sampedro

Niklas Wächter aus Zittau war vor ein paar Jahren noch weit weg vom Traum-Abitur am Christian-Weise-Gymnasium. "In der sechsten Klasse stand ich noch auf 2,1", sagt er. "Ich war es noch von der Grundschule gewohnt, ohne zu lernen, mit einer eins nach Hause zu kommen", erzählt der Abiturient des Christian-Weise-Gymnasiums schmunzelnd. In der Oberstufe hat er aber ein paar Gänge hochgeschalten.

"Ich habe immer eine Woche im Voraus angefangen zu lernen, bei Klausuren ein paar Tage mehr", sagt er. "Nach der Schule habe ich mir jeden Tag ungefähr eine halbe Stunde Zeit genommen." Für Geschichte hat er zu Hause aber nie gelernt. "Ich hatte einen super Lehrer. Durch das viele Wiederholen im Unterricht ist mir alles im Kopf geblieben." In seinem Leistungskurs Chemie musste er umso mehr ackern. Er sei aber kein Büffler, der alles auswendig lernt, sagt er. "Ich lese mir den Stoff mehrmals durch und mache mir Eselsbrücken oder erfinde mir Geschichten dazu. Das Verstehen kommt dann von ganz allein", erzählt der 18-Jährige.

Die Corona-Maßnahmen haben ihn nicht gestört. "Ich habe meinen Schultag selbst gestaltet und habe mehr Zeit in das gesteckt, was mir schwerer fiel." Das seien zum Beispiel Gedichtinterpretationen. "Ich interpretiere einfach nicht so gern, ich bin lieber selbst der Autor", sagt er selbstbewusst. Und das zeigt er in seiner Leidenschaft zur Musik. Er spielt Akkordeon und Geige und war im Schul- und im Jugendchor Citavia. Im Oktober beginnt er in Trossingen in Baden-Württemberg sein Musik-Studium. Seine Eignungsprüfung hat er im Juni bestanden. "Ich will später Musikschullehrer werden. Erstmal nur für Akkordeon, aber ich versuche Geige noch mit dranzuhängen", sagt Niklas. Auch in den Ferien übt er jeden Tag an seinen Instrumenten.

Isabel Dyk, 19, aus Herrnhut: Zum Medizin-Studium am liebsten nach Berlin

Isabel Dyk will am liebsten in Berlin Medizin studieren. Den Studienplatz hat sie wegen ihrer hohen Noten-Punktzahl nicht nur dort schon nahezu sicher. Die Zeit mit ihren besten Freundinnen wird sie am meisten vermissen.
Isabel Dyk will am liebsten in Berlin Medizin studieren. Den Studienplatz hat sie wegen ihrer hohen Noten-Punktzahl nicht nur dort schon nahezu sicher. Die Zeit mit ihren besten Freundinnen wird sie am meisten vermissen. © Foto: privat

"Meine Freunde jeden Tag um mich zu haben, wird mir definitiv am meisten fehlen", sagt Isabel Dyk aus Herrnhut. "Ich habe erst zum Schluss gemerkt, wie schön das eigentlich ist, sie jeden Tag zu sehen." Die 19-Jährige hat ihren Traumabschluss am Christian-Weise-Gymnasium in Zittau gemacht. "Für normale Tests habe ich immer erst am Vortag angefangen zu lernen, bei Klausuren etwas früher", erzählt sie. "Für die Prüfungen habe ich auch nicht viel gelernt. Durch das Vor-Abi hatten wir schon viel wiederholt." In den Vorjahren war sie nie schlechter als 1,2 im Schnitt, sagt sie. "Das Lernen ist mir noch nie wirklich schwergefallen. Ich versuche mir immer alles selbst zu erklären, auswendig lernen mag ich überhaupt nicht."

Im Homeschooling hat sie die Aufgaben mit ihren Freundinnen gelöst. "Wir mussten uns alle erst mal in das digitale Lernen einfinden, auch die Lehrer." In manchen Fächern hatten sie und ihre Mitschüler nur eine Note pro Halbjahr. "Das ist aber nicht wirklich ein Vorteil", erklärt Isabel. "Hätte ich bei diesen Arbeiten gepatzt, hätte ich diese Note auch auf dem Zeugnis gehabt." Jetzt will sie Medizin studieren. "Ich habe mich bei 38 Unis beworben, am liebsten würde ich nach Berlin gehen", erzählt sie. "Dresden wäre mir zu nah, ich möchte einfach Neues kennenlernen."

Vor dem Studium will die 19-Jährige vor allem noch viel Zeit mit ihren Freundinnen verbringen. "Im Juni waren wir zusammen an der Ostsee", erzählt sie. Wenn sich Isabel mal nicht mit ihren Freundinnen trifft, ist sie meistens im Sattel zu finden. Seit acht Jahren geht sie ihrer Lieblingsbeschäftigung, dem Reiten, nach.

Folgende Schüler haben in der Region Löbau-Zittau ebenfalls einen 1,0 Abschluss erreicht:

Christian-Weise-Gymnasium Zittau:

Annabel Schubert

Lara-Jasmin Hänisch

Laura Engermaier

Geschwister-Scholl-Gymnasium Löbau:

Anton Zücker

Carla Stephan

Isabel Jeschke

Pauline Rechenberg

Oberland-Gymnasium Seifhennersdorf:

Theresa Fünfstück

Oberschule am Burgteich Zittau:

Laura Zeibich

Pestalozzi-Oberschule Löbau:

Elena Libker

Drei der insgesamt 16 Schüler wollten nicht namentlich genannt werden.

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