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"Ich verstehe den Ärger"

Kai Grebasch, verantwortlich für das Stadtmarketing im Zittauer Rathaus, erklärt, warum Weihnachtsdekoration und -bäume reduziert werden.

Kai Grebasch, Zittauer Stadtmarketingchef, zeigt die 2019 eingeführten Tassen für den Weihnachtsmarkt und erklärt im SZ-Interview, warum die Zahl der weihnachtlichen Straßenüberspanner reduziert wird.
Kai Grebasch, Zittauer Stadtmarketingchef, zeigt die 2019 eingeführten Tassen für den Weihnachtsmarkt und erklärt im SZ-Interview, warum die Zahl der weihnachtlichen Straßenüberspanner reduziert wird. © Matthias Weber/SZ-Montage

Der Ärger der Zittauer ist groß. Das bevorstehende Weihnachtsfest steht schon wegen der Corona-Pandemie sehr wahrscheinlich unter keinem guten Stern. Nun will die Stadtverwaltung auch noch die Weihnachtsdekoration und die Anzahl der öffentlichen Weihnachtsbäume reduzieren? Für diese Ankündigung des Rathauses vor ein paar Tagen gibt es in der Bevölkerung kein Verständnis. Deshalb hat die SZ Kai Grebasch, verantwortlich für das Stadtmarketing in der Stadtverwaltung, gebeten, die Einsparungen zu erklären.

Herr Grebasch, haben Sie Verständnis für den Ärger der Zittauer?

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Ich verstehe, dass sich die Leute ärgern. Aber es wird weniger dramatisch als es sich jetzt darstellt. Ich freue mich aber auch: Das zeigt doch, dass den Leuten aufgefallen ist, dass wir in der Weihnachtszeit die Stadt immer schön schmücken. Zumal in den vergangenen Jahren eine ganze Menge Neues dazugekommen ist.

Was denn?

Beispielsweise strahlt seit ein paar Jahren in Zusammenarbeit mit der Herrnhuter Sterne-Manufaktur ein großer Stern auf dem Rathausbalkon. Mit kleinen Herrnhuter Sternen beleuchten wir seit einiger Zeit die Rathausfenster, auch wenn das wegen der Baugerüste in diesem Jahr voraussichtlich nicht so sein wird.  Mit dem Preisgeld, das wir 2014 gemeinsam mit der Fleischbänke-Initiative beim Wettbewerb "Ab in die Mitte" gewonnen haben, ist unter anderem der Sternenhimmel über dem unteren Johannisplatz bezahlt worden. Am oberen Ende der Bautzener Straße sind Sterne an Laternen angebracht worden, weil die Straße für Überspanner nicht geeignet ist.

Der Herrnhuter Stern, der zur Weihnachtszeit auf dem Zittauer Rathausbalkon leuchtet.
Der Herrnhuter Stern, der zur Weihnachtszeit auf dem Zittauer Rathausbalkon leuchtet. ©  Rafael Sampedro (Archiv)

Was wird nun eingespart?

Es werden zwei von sechs Weihnachtsbäumen wegfallen, der an der Post auf dem Haberkornplatz und der auf dem Ottokarplatz. Der an der Post ist schon länger im Gespräch, weil die Halterung marode ist und erneuert werden müsste. Auf dem Ottokarplatz gibt es zwar ein neues Fundament und eine neue Halterung. Allerdings ist der Baum, so will ich es mal nennen, einer für Autofahrer. Die anderen Bäume stehen an Orten, die stark von Fußgängern frequentiert werden und zur Aufenthaltsqualität beitragen. Der Ottokarplatz ist zurzeit, so glaube ich, eher kein Aufenthaltsplatz. Also stand die Frage im Raum: Sollten wir uns diesen Baum noch leisten?

Darüber hinaus haben wir uns die in der Innenstadt angebrachten Überspanner angesehen: Wo gibt es eine Häufung? Wo gibt es so wenige, dass sie keine Wirkung, keinen Effekt erzielen? In der Inneren Weberstraße gibt es sieben Überspanner. Da können wir, ohne die weihnachtliche Stimmung kaputt zu machen, ausdünnen. Also haben wir entschieden, zwei rauszunehmen. Auf der gesamten Neustadt - auf der Westseite des Salzhauses - gibt es dagegen nur einen einzigen Überspanner. Der wirkt nicht und wird deshalb wegfallen. In der Böhmischen Straße hängt einer ganz oben an der Ecke zum Rathaus. Den sieht man. Der bleibt. Aber der an der Amalienstraße hängt optisch ganz allein. Also haben wir entschieden, den wegzunehmen. 

Wie viele Überspanner gab es bisher und wie viele werden wegfallen?

Vier von 36. Wir haben die gesamte Innenstadt im Blick und wägen genau ab, welche Weihnachtsbeleuchtung möglich und sinnvoll ist.

Was passiert mit den vier Überspannern?

Sie werden eingelagert und dienen zu Ersatzteilgewinnung für die anderen.

Warum spart die Stadt überhaupt an Weihnachtsbäumen und -dekoration?

Das ist ein Teil der vom Stadtrat beschlossenen Konsolidierung des Haushalts. Wir haben das Ziel vorgegeben bekommen, 5.000 Euro bei der Weihnachtsdekoration einzusparen. Zum anderen sind die Kosten in den letzten Jahren gestiegen. Das liegt auch an den neuen, zusätzlichen Beleuchtungen und den allgemein steigenden Kosten.

Wie viel gibt die Stadt pro Jahr dafür aus?

27.500 Euro stehen dafür im Haushalt.

Aber die Stadt zahlt Millionen für spezielle Zielgruppen wie Sportler oder Kulturinteressierte. Muss ausgerechnet bei dieser vergleichsweise geringen Summe für die Weihnachtsdekoration, die im Prinzip für alle Zittauer da ist, begonnen werden?

Es muss in allen Bereichen gespart werden. Außerdem: Wenn man mal in andere Gemeinden guckt, sieht man, dass Zittau überdurchschnittlich geschmückt ist.

Die Stadt bekommt die Weihnachtsbäume doch geschenkt, oder?

Ja, wir bekommen Jahr für Jahr Bäume angeboten. Die Bäume an sich sind auch nicht das Problem. Die Kosten verbergen sich zwischen dem Vorgarten des Spenders und dem Aufstellplatz. Die Bäume müssen fachgerecht gefällt, ohne Beschädigung transportiert, mit Hilfe von Kränen aufgestellt und geschmückt werden. Das erfordert durchaus eine ansehnliche Zahl von Arbeitsstunden und Gerätschaften. Auch wenn uns die Städtische Dienstleistungsgesellschaft, die Osteg und die Stadtwerke dabei entgegenkommen: Für jeden einzelnen Baum laufen Kosten auf, die bezahlt werden müssen. 

Das klingt so, als würde die Stadtverwaltung die Entscheidung, Weihnachtsdekoration und -bäume zu reduzieren, trotz des Ärgers in der Bevölkerung nicht noch einmal überdenken.

Wir überdenken den Weihnachtsschmuck jedes Jahr und gehen auf Hinweise und Verbesserungsvorschläge ein. So hatten wir im vergangenen Jahr zum Beispiel das allererste Mal einen Stern auf der Spitze des Markt-Weihnachtsbaumes. Wir haben einen Satz von 50 Herrnhuter Sternen, den wir jedes Jahr für die Dekoration der Innenstadt verleihen. In diesem Jahr sollen sie im Salzhaus leuchten. Im Moment sind wir mit der Herrnhuter Sterne-Manufaktur im Gespräch über Möglichkeiten, einen Stern in den Rathausturm zu bringen. 

Unter dem Strich setzen wir also bei der Reduzierung den Beschluss des Stadtrates zur Haushaltskonsolidierung um und versuchen trotzdem, die Qualität der Weihnachtsdekoration zu verbessern und möglichst jedes Jahr etwas anders und neu zu machen. Wir hoffen, dass die Leute dadurch immer wieder gern zur Weihnachtszeit in die Zittauer Innenstadt kommen.

Ab wann wird geschmückt?

Es ist bereits losgegangen. Der Herrnhuter Sternehimmel über dem Johannisplatz hängt schon. Die Weihnachtsbeleuchtung wird wie jedes Jahr nach Totensonntag angeschaltet. Und so es die Maßnahmen wegen der Corona-Pandemie zulassen, wollen wir am 27. November, 17 Uhr, wieder die Beleuchtung des Markt-Weihnachtsbaumes öffentlich mit einem kleinen Event anschalten.

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