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Zittauer Feuerwehrmann rassistisch attackiert

Der Marokkaner Anass Halime, der sich in der Zittauer Löschtruppe engagiert, erlebt immer wieder Rassismus. Jetzt wurden aus verbalen körperliche Angriffe.

Anass Halime unweit seiner Görlitzer Wohnung, wo die rassistische Attacke geschah.
Anass Halime unweit seiner Görlitzer Wohnung, wo die rassistische Attacke geschah. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Anass Halime steht noch immer unter Schock. Dabei liegt der Vorfall, der den Studenten so sehr beschäftigt, inzwischen zwei Wochen zurück. Doch der Angriff kam völlig unerwartet und war so heftig, dass der 24-Jährige ihn nur schwer verarbeiten kann. Es war einen Tag vor Heiligabend als der gebürtige Marokkaner auf der Straße vor seinem Haus von einem 51-jährigen Deutschen zuerst als "Scheiß Kanake" beleidigt wurde. Danach habe ihn der Mann geschubst und die Faust ins Gesicht geschlagen, beschreibt Anass Halime aufgeregt die rassistische Attacke.

Es habe keinen Streit oder irgendeinen Anlass für den Mann gegeben, ihn zu schlagen, unterstreicht der junge Marokkaner. Bezeugen kann das auch seine Freundin, mit der Anass Halime seit etwa eineinhalb Jahren zusammen ist und die er demnächst heiraten will. Seine Freundin, eine Deutsche, die er in der Hochschule kennengelernt hat, wurde ebenfalls von dem Angreifer mit den Worten "Scheiß Schlampe" beleidigt. Gemeinsam stellten sie bei der Polizei Anzeige wegen Körperverletzung und Beleidigung.

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Er konnte nach der Attacke nicht schlafen, war depressiv und demotiviert. Und das in einer Zeit, wo er sich eigentlich konzentriert auf seine Prüfungen vorbereiten müsste. Der junge Marokkaner studiert im fünften Semester Informatik an der hiesigen Hochschule.

24-Jähriger ist gut integriert

Man kann ihn ohne Frage als gut integriert bezeichnen. Als er nach Deutschland kam, um zu studieren, stand für ihn sofort fest, sich hier auch gesellschaftlich zu engagieren. Er wollte bei der Zittauer Feuerwehr mitmachen. Als erster Kamerad mit arabischen Wurzeln absolvierte er hier die Ausbildung zum Feuerwehrmann und ist seitdem bei Einsätzen dabei. Später schloss er auch den Sprechfunklehrgang und die Ausbildung zum Atemschutzgeräteträger ab. Mittlerweile wohnt er zwar in Görlitz, wo auch die Attacke geschah, aber in der Zittauer Feuerwehr engagiert er sich weiterhin. Ebenso wie in der Görlitzer Löschtruppe.

Er sei immer bestrebt, sein Studium selbst zu finanzieren. Immer wieder suchte er sich Nebenjobs, die das ermöglichen sollten. Anass Halime war unter anderem bei RTT in der Zittauer Weinau tätig, arbeitete für DHL, in einem Supermarkt und einem Schnellimbiss. Bei allen diesen Stationen - vor allem auch den beiden Feuerwehren - sei er vielen freundlichen Menschen und netten Kollegen begegnet.

Der Student aus Marokko engagiert sich bei der Freiwilligen Feuerwehr Zittau.
Der Student aus Marokko engagiert sich bei der Freiwilligen Feuerwehr Zittau. © Archivbild: Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Immer wieder Beleidigungen

Trotzdem erlebte er auch schon die Schattenseiten. So habe man ihm bereits "Scheiß Kanake" oder "Geh zurück in dein Land" an den Kopf geworfen. Als er mit Freunden in einem Zittauer Supermarkt einkaufen wollte, steuerte ein Auto auf sie zu. Nur um Zentimeter verfehlte das Fahrzeug die Gruppe. Alle diese Erlebnisse konnten Anass Halime nicht einschüchtern. Während andere Ausländer nach schlechten Erfahrungen Angst haben und die Region verlassen wollen, trat der junge Marokkaner offen Vorurteilen entgegen.

Die jüngste Attacke änderte einiges. Erstmals wurde er körperlich angegriffen, hatte nach dem Faustschlag eine blutige Lippe und Prellungen im Gesicht. Von der Polizei hat er bisher nichts zu den Ermittlungen gehört. Die Polizei bestätigt der SZ, dass es eine Auseinandersetzung gegeben haben soll, bei der auch beleidigende Äußerungen gemacht wurden. "Der genaue Ablauf des Vorfalls muss in weiteren Vernehmungen geklärt werden", teilt Polizeisprecher Sebastian Ulbrich mit. Ermittlungsergebnisse könne er zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht benennen.

Dass bedeutet aber nicht, dass der Beschuldigte noch nicht ermittelt ist. Er ist durchaus bekannt und sogar schon auffällig gewesen. Laut Polizeidirektion stand der 51-jährige Mann in der Vergangenheit auch im Zusammenhang mit Ermittlungen zu Gewaltdelikten. Ob es dabei auch rassistische Hintergründe gab, dazu konnte der Polizeisprecher keine Aussage treffen.

Angreifer erneut begegnet

Stattdessen meldete Halime sich selber noch mal bei der Polizei, weil er seinem Angreifer erneut begegnete. Am vergangenen Wochenende wollte er mit seiner Freundin spazieren gehen und sah den Mann vor dem Haus. Der 51-Jährige beseitigte als Mitarbeiter der Hausverwaltung gerade den frischen Schnee. Er habe ihnen wieder gedroht, erzählt Anass Halime. Seine Freundin hatte Angst, dass er sie erneut angreift und sagte zu ihm: "Lass uns schnell weggehen".

Der 24-Jährige kann nicht verstehen, dass der Mann von seinem Arbeitgeber nicht in einem anderen Gebiet eingesetzt wird, sondern weiter am Ort des Angriffs tätig ist, wo er jederzeit auf Anass Halime und seine Freundin treffen kann. Auch über die Polizei wundert er sich. Die habe ihm nach der jüngsten Begegnung empfohlen, sich zu verteidigen, wenn er das nächste Mal geschlagen wird, berichtet der junge Marokkaner. "Ich werde nicht zurückschlagen", sagt er bestimmt. Denn er befürchtet, dass er dann nur noch mehr Ärger bekommt. Eine solche Verteidigung könnte ihm auch zum Gegenteil ausgelegt werden, glaubt der Informatikstudent.

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