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Zittauer Hausarzt findet einen Nachfolger

Andreas Bräuer setzt sich Ende des Jahres zur Ruhe. Seine Praxis an der Schrammstraße wird aber weiterbestehen.

Von Jan Lange
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Andreas Bräuer geht Ende des Jahres in Ruhestand. Für seine Hausarztpraxis wird es aber einen Nachfolger geben.
Andreas Bräuer geht Ende des Jahres in Ruhestand. Für seine Hausarztpraxis wird es aber einen Nachfolger geben. © Matthias Weber/photoweber.de

Einfach seine Praxis schließen und mehr als 1.000 Patienten in der Luft hängen lassen, das wollte der Zittauer Arzt Andreas Bräuer nicht. Deshalb zog der 64-Jährige nach einer schweren Erkrankung im Juni noch mal den weißen Kittel an. Bekannte hielten ihn für "verrückt", doch Andreas Bräuer waren seine Patienten wichtig. Klar war für ihn aber auch, dass er seine Praxis nur für eine bestimmte Zeit weiterführen wird. Ende 2021 soll endgültig Schluss sein.

Das Datum rückt nun näher. Keine vier Wochen sind es mehr, dann setzt sich Andreas Bräuer zur Ruhe. Seine Patienten müssen sich nicht sorgen, von wem sie künftig behandelt werden. Der Zittauer Hausarzt hat einen Nachfolger für seine Praxis gefunden.

Es handelt sich um einen tschechischen Kollegen, der als Chirurg tätig war und nun auch seinen Facharzt für Allgemeinmedizin gemacht hat. Das war Voraussetzung, um die Praxis übernehmen zu können. "Er will gern, ich will gern, nun muss noch die Kassenärztliche Vereinigung entscheiden", sagt Andreas Bräuer. Die Entscheidung soll am 6. Dezember fallen.

Im Dezember hospitiert der neue Kollege bei ihm, um Praxis und Patienten schon genauer kennenzulernen. Ab Anfang Januar wird er - vorausgesetzt die Kassenärztliche Vereinigung (KV) stimmt zu - die Praxis an der Schrammstraße allein weiterführen. Für Andreas Bräuer ist es beruhigend, dass seine Patienten nicht auf der Strecke bleiben. Denn einen neuen Hausarzt in Zittau zu finden, ist nicht so einfach. Viele Mediziner nehmen keine neuen Patienten mehr auf, wie Umfragen der SZ in der Vergangenheit zeigten. Bräuer gehört ebenfalls zu diesen Ärzten. "Neue Patienten aufnehmen, konnten wir nicht mehr, aber akute Fälle haben wir nie abgewiesen", erklärt er.

Schon länger Nachfolger gesucht

Schon länger war Andreas Bräuer auf der Suche nach einem Nachfolger. Zweimal sah es relativ gut aus. Eine potenzielle Nachfolgerin übernahm dann allerdings die Praxis einer Kollegin, der andere wurde mit seiner Facharztausbildung nicht fertig.

Der Ausfall der beiden Interessenten war auch der Grund, dass Andreas Bräuer im Juni noch mal den Arztkittel anzog. Aus gesundheitlichen Gründen hätte er sich schon damals zurückziehen können. Er wollte aber die Hoffnung nicht aufgeben, noch einen Nachfolger zu finden. "Ich habe Gott sei Dank über die KV erfahren, dass es Bewerber gibt", sagt er. Und so erfüllt sich sein Wunsch, dass die Praxis weiterläuft, höchstwahrscheinlich.

28 Jahre betrieb er die Praxis auf der Schrammstraße. Am 2. August 1993 war Eröffnung. Das Haus mit der markanten blauen Fassade samt Grundstück erwarb der Mediziner von der Stadt Zittau. In einer früheren Wohnung richtete er die Praxisräume ein. Während hier die ersten Patienten behandelt wurden, war seine Wohnung in der oberen Etage noch eine Baustelle. Über der Praxis bleibt er wohnen. Und so wird er sicher auch künftig den einen oder anderen ärztlichen Rat geben. Andreas Bräuer ist ein Hausarzt "alter Schule", einer der sich auf sein erlerntes medizinisches Handwerk verlassen hat.

Nach dem Studium zurück nach Zittau

In Leipzig studierte der gebürtige Mittelherwigsdorfer, kam danach zurück in die Oberlausitz. Das war zu DDR-Zeiten nicht selbstverständlich, denn Ärzte wurden seinerzeit gezielt in bestimmte Regionen geschickt. Da seine damalige Frau ebenfalls Medizinerin war und eine Stelle in Zittau erhielt, kamen Wunsch und Lenkung überein.

Andreas Bräuer war in den Folgejahren sowohl im Krankenhaus in verschiedenen Abteilungen wie auch in der Poliklinik an der Bahnhofstraße tätig. Und er vertrat immer wieder Mediziner in deren Praxen. So wurde er an seinem ersten Arbeitstag gleich als Vertretung in die Praxis an der Hochwaldstraße geschickt. So lernte er damals nach und nach alle Praxen in Zittau kennen.

Nach einer krankheitsbedingten Auszeit von 1989 bis 1993 machte er sich selbstständig. Da es in dem Gebiet zwischen Humboldtstraße und Hochwaldstraße damals keine allgemeinmedizinische Praxis gab, ließ er sich hier nieder. Kollegen befürchteten zuerst, dass sie dadurch weniger Patienten haben, am Ende waren sie aber doch froh, dass es mit Andreas Bräuer einen weiteren Hausarzt in Zittau gab.

Später eröffnete in der Nähe Ilka-Maria Krause eine weitere Hausarztpraxis. Mit ihr und dem Ärzteehepaar Beck vereinbarte er von Anfang an ein Vertretungsverhältnis. Wenn einer von ihnen im Urlaub war, konnten dessen Patienten in die beiden anderen Praxen gehen. Das sei ein Novum gewesen, meint der Diplom-Mediziner.

Schwester Verena wird auch künftig in der Praxis tätig sein, seine beiden anderen Schwestern, darunter auch seine Frau Petra, gehen mit ihm in Rente. Die wird für Andreas Bräuer sicher nicht langweilig. Er will wieder mehr Sport treiben, auch mal ein gutes Buch lesen, natürlich sich um das eigene Grundstück kümmern, aber auch die Enkel, die im Allgäu leben, öfter besuchen.