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So sah Zittaus erster Bahnhof aus

Im Sommer 1845 begann der Bau der Strecke bis nach Löbau, drei Jahre später war sie fertig. Inzwischen ist sie wieder Geschichte.

Historische Zeichnung des ersten Zittauer Bahnhofes mit der Gaststätte „Zur Burg“ im Hintergrund.
Historische Zeichnung des ersten Zittauer Bahnhofes mit der Gaststätte „Zur Burg“ im Hintergrund. © Repro: Heike Schwalbe

Das Eisenbahnwesen steckte 1836 noch in den Kinderschuhen. In Zittau träumten die Kaufleute damals von einer Verlängerung der von Leipzig nach Dresden geplanten Bahnlinie bis nach Zittau. Eine dahingehende Bittschrift wurde in Dresden jedoch abgelehnt. Doch die Zittauer gaben nicht auf. 1844 wurde ein Verein für die Erschaffung einer Oberlausitzer Eisenbahn mit Sitz in Zittau gegründet. Dessen Ziel war eine Strecke von Zittau nach Löbau, um Anschluss an das entstehende Eisenbahnnetz in Deutschland zu bekommen. Zur Finanzierung wurde eine Aktiengesellschaft gegründet.

Lange wurde um den künftigen Standort der Zittauer Endhaltestelle dieser Bahn gestritten. Meinten doch die einen, der Standort vor dem damals noch existierenden Webertor wäre am günstigsten, befürchteten andere Staub- und Rauchbelästigung für die Einwohner dieses Viertels. Andere favorisierten ein Gelände im Zittauer Norden vor dem Bautzner Tor am Budissiner Steinweg. Schließlich einigte man sich auf Letzteres.

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Die Landesregierung in Dresden gab die Zustimmung zum Bahnbau, forderte aber die Einhaltung einiger Auflagen, so die polizeiliche Aufsicht über die Bauarbeiter. Im Sommer 1845 begann der Bau der Strecke Löbau–Zittau. Die Leitung übernahm Oberingenieur Rachel. Der erste Spatenstich der zweigleisigen Trasse erfolgte im Schülerbusch bei Zittau. Das für den Bahnhof auserkorene Grundstück war allerdings noch bebaut und auch recht uneben. Also mussten Gebäude abgerissen und der Boden begradigt werden. Die in diesem Bereich in gerader Linie nach Löbau verlaufende Straße galt es, in einem Bogen um den Platz herumzuführen. Außerdem forderte die Eisenbahngesellschaft noch den Bau eines einfachen Restaurants, das nach Absprachen mit der Stadtverwaltung östlich des künftigen Bahnhofes entstand. Auf Wunsch erhielt es einen Turm, es sollte gleichzeitig als Ausflugsziel dienen.

Stationsgebäude mit Abstellplatz für Loks

Für den Zittauer Bahnhof, einem Kopfbahnhof, waren ein Stationsgebäude, Güterhallen, die Lokomotiv- und Wagenremise sowie Werkstattgebäude und die notwendigen Schuppen zu bauen. Eile tat Not, denn der Liefertermin der Teile für die ersten beiden bestellten Lokomotiven in Normalspur nahte. Für sie musste 1846 dringend ein Schuppen her. Da hatte der bauleitende Architekt Hempel die geniale Idee, Stationsgebäude und Lokremise zunächst in einem Haus zusammen unterzubringen.

So entstand ein Stationsgebäude mit einem dreigleisigen Abstellplatz für die Dampfrösser auf der einen Hälfte, für die Fahrgäste wurde die andere Hälfte eingerichtet. Als nach einiger Zeit der Lokomotivschuppen fertig war, konnte das eingeschossige Stationsgebäude zu seinem eigentlichen Zweck mit „Billet- und Gepäck-Expedition, Post- und Polizei-Expedition“ sowie Warteräumen in der I., II. und III. Klasse umgestaltet werden. Der Bau hatte einen Arkadengang zum Vorplatz nach Süden und einen an der Bahnsteigseite im Norden. Der Bahnhofsvorplatz wurde für Droschken, Karren und Fuhrwerke befestigt.

Am 10. Juni 1848 war es soweit. Die Trasse war fertig mit allen Brücken, sehenswerten Viadukten und bahntechnischen Anlagen. Viele Zittauer, darunter die ersten Reisenden, versammelten sich zur Einweihung des öffentlichen Verkehrs auf dem geschmückten Bahnhof. Bereits 5.30 Uhr fuhr der erste Zug nach Löbau ab, vorn dampfte die Lok „Zittau“. Nach einer Stunde wurde er von den Löbauern mit Ehrenpforte, viel Jubel und Musik begrüßt. Zurück nach Zittau zog die Schwesterlokomotive „Löbau“ den Zug. Die in Zittau ankommenden Reisenden hatten fortan einen kurzen Weg ins Zentrum über den extra verbreiterten Budissiner Steinweg durchs Bautzner Tor hinab zum Markt. Sie konnten sich aber auch eine der am Bahnhofsvorplatz wartenden Droschken nehmen.

Wäre es nicht zur Stilllegung des Streckenabschnittes Oberoderwitz-Löbau im Jahre 1998 gekommen, würde man vielleicht noch heute auf diesen Gleisen von Zittau nach Löbau fahren. Ob die Trasse Schienenweg bleiben darf oder ein Radweg wird, wird die Zukunft zeigen. So oder so: Erhaltenswert sind auf jeden Fall die Hochbauten und Bahnhöfe, die einst für diese Strecke erbaut wurden.

Zum Weiterlesen sei das Buch „Der Eisenbahnbau zwischen Löbau und Zittau“ von Herbert Bauer empfohlen (Lusatia Verlag Bautzen, 1998).

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