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Komödie eröffnete Zittauer Sommersaison

Mit schwarzem Humor kehrte das Zittauer Theater am Freitag nach langer Corona-Pause zurück. Das Publikum genoss es, endlich wieder Kultur zu erleben.

Sabine Krug als einbalsamierte Leiche (Mitte) mit Tilo Werner als Witwer und Patricia Hachtel als erbschleicherischer Krankenschwester.
Sabine Krug als einbalsamierte Leiche (Mitte) mit Tilo Werner als Witwer und Patricia Hachtel als erbschleicherischer Krankenschwester. © Pawel Sosnowski

Die Leiche wird aus dem Sarg gekippt, ausgezogen, in ein Tischtuch gewickelt, als Schneiderpuppe getarnt, herumgereicht, in die Ecke gestellt, kopfüber im Schrank verwahrt, ihres Schmucks und ihrer Zähne entledigt und dient auch mal als Sitzunterlage. Ob Sabine Krug wohl je so eine Rolle hatte: so ausgeliefert, so ohne Text?

Der Umgang mit der dienstältesten Schauspielerin des Zittauer Theaterensembles als einbalsamierte Tote bewegte und amüsierte jedenfalls das Publikum, das am Freitag in den Zittauer Klosterhof gekommen war, um nach der langen Corona-Betriebsruhe endlich wieder Theater erleben und die Atmosphäre des barocken Friedhofs an einem der ersten warmen Abende genießen zu können.

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Mordende Krankenschwester, bestechliche Polizei

Es wurde gleich eingeladen, als erste der beiden Premieren an diesem Wochenende eine schwarze Komödie zu erleben, die beginnt, als zwei Freunde nach einem Bankraub ihre "Beute" – so auch der Titel des Stücks – gut verstecken wollen. Infrage kommt der Sarg, in dem die Mutter des einen Räubers beerdigt werden soll.

Die Beute will gut versteckt sein. Im Sarg hat sie nur ohne Leiche Platz. Paul Antoine Nörpel (links) und Fabian Quast spielen die beiden Bankräuber.
Die Beute will gut versteckt sein. Im Sarg hat sie nur ohne Leiche Platz. Paul Antoine Nörpel (links) und Fabian Quast spielen die beiden Bankräuber. © Pawel Sosnowski

Im Verlaufe des Stücks zeigt sich, dass die beiden pietätlosen Diebe noch die harmlosesten Figuren sind: neben der Krankenschwester der Verstorbenen, die als mehrfache Mörderin ihrer verflossenen Ehemänner gesucht wird und offenbar auch ihre jüngste Patientin nicht nur gepflegt hat. Und neben der Polizistin, die zwar der Mörderin auf der Spur, aber einer Bestechung und Festnahme eines Unschuldigen nicht abgeneigt ist.

Bis jeder sein wahres Gesicht zeigt, müssen aber alle Geheimnisse gut gewahrt werden: der Bankraub, der momentane Ort der Leiche, die Identität der Krankenschwester und die der Polizistin, die sich als Mitarbeiterin der Wasserwerke ausgegeben hatte.

Martha Pohla als Scotland-Yard-Polizistin inkognito mit ihrem Kollegen Meadows alias Philipp Scholz. Im Hintergrund Tilo Werner als Witwer.
Martha Pohla als Scotland-Yard-Polizistin inkognito mit ihrem Kollegen Meadows alias Philipp Scholz. Im Hintergrund Tilo Werner als Witwer. © Pawel Sosnowski

Das führt zu verschiedenen Verwicklungen, die das Zittauer Ensemble recht amüsant spielt: Patricia Hachtel als alle umsorgende Krankenschwester, deren Verwandlung zur Erbschleicherin und gesuchten Mörderin deutlich wird, indem sie sich von den übrigen Figuren abwendet und eine Zigarette raucht.

Autor prangerte Scheinmoral an

Martha Pohla als Polizistin, deren Rolle sich verändert, als sie über das Glasauge der Toten stolpert und es sich auf dem Sarg gemütlich macht. Paul Antoine Nörpel als Sohn der Toten, der nicht lügen kann und damit alles auffliegen lässt. Fabian Quast als Lebemann und charmanter Gauner, Tilo Werner als argloser Witwer, dem seine Rosen wichtiger sind als der Verlust seiner Frau, und Philipp Scholz, der als Polizist Meadows immer wieder draußen auf der Wiese rund um die Bühne schleicht.

Diese Bühne von Antonia Kamp ist ein Pavillon inmitten des Klosterhofs mit einer Wand voller Blüten, vor der es nicht auffällt, wenn die entehrte Leiche im ebenfalls blütengemusterten Tischtuch daran lehnt – immer wieder Anlass zu großer Komik.

Die Leiche sorgt für große Komik. Die Krankenschwester (Patricia Hachtel) und die beiden Bankräuber (Paul Antoine Nörpel und Fabian Quast) versuchen, sie zu verstecken und zu tarnen.
Die Leiche sorgt für große Komik. Die Krankenschwester (Patricia Hachtel) und die beiden Bankräuber (Paul Antoine Nörpel und Fabian Quast) versuchen, sie zu verstecken und zu tarnen. © Pawel Sosnowski

Der britische Dramatiker Joe Orton hatte das Stück Anfang der 1960er Jahre geschrieben, um Sozialkritik zu üben, um die Bestechlichkeit von Scotland Yard anzuprangern und die bürgerliche Scheinmoral seiner Zeit zu entlarven. Das sind Themen, die heute nicht mehr ganz so bewegen wie vor 60 Jahren.

Vielleicht tut sich diese Komödie in der Inszenierung von Olga Wildgruber deshalb etwas schwer, das Premierenpublikum anhaltend zum Lachen zu bringen, obwohl die Schauspieler ihr Bestes geben. Weitere Aufführungen gibt es am 10., 20. und 24. Juni sowie im Juli und im August. Genaue Termine auf www.g-h-t.de.

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