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Bioladen muss Birkenhof räumen

Der Eigentümer hat dem "Kraut & Rüben"-Verein den Mietvertrag im Birkenhof Ashram gekündigt. Dem Gelände bleiben sie dennoch treu.

Lukas Stöckmann, Vorsitzender des Vereins "Kraut & Rüben".
Lukas Stöckmann, Vorsitzender des Vereins "Kraut & Rüben". © Matthias Weber/photoweber.de

Auf dem Biergartentisch ist das Angebot des Bioladens aufgebaut - Eier, Backwaren, Tomaten, Paprika reihen sich in Kisten und Kartons aneinander. Es ist ein Provisorium. Bis vor Kurzem wurden die Produkte im benachbarten Birkenhof Ashram angeboten. Dort musste der Verein "Kraut & Rüben" aber raus. Mike Wohne und sein Gaiatreeschool-Verein kündigte ihm den Vertrag. An der Eingangstür hängt nun ein kleiner Zettel, dass Mitglieder des "Kraut & Rüben"-Vereins keinen Zutritt haben.

Das klingt nicht nach einer friedlichen Trennung. Vom "Kraut & Rüben"-Verein wird das bestätigt. Am liebsten würde Vereinschef Lukas Stöckmann gar nicht mehr daran denken - dann kommt er doch ins Erzählen. Seit Januar 2019 betrieb sein Verein den Bioladen im Birkenhof. Die Räume wurden zuvor vom Birkenhof-Verein genutzt, der sich aber aufgelöst hat. Die "Kraut & Rüben"-Leute fanden den Platz gut, um sich entwickeln zu können. Anfangs gab es Interesse, den vorderen Teil des Birkenhofes zu übernehmen.

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Von der Idee nahmen sie bald Abstand, da es zu Unstimmigkeiten mit dem Eigentümer kam. Einige Räume durften sie nicht mehr nutzen - oder nur bei Zahlung von Stunden- oder Tagessätzen. In der Küche sei ihnen die Nutzung diverser Geräte untersagt worden, berichtet Stöckmann. "Es spitzte sich immer weiter zu", meint der Vereinsvorsitzende. Bis sie schließlich die Kündigung für Ende Juni erhielten.

Neuen Mietvertrag angeboten

Der Bioverein habe nicht ausziehen müssen, erklärt Mike Wohne. "Der Gaiatreeschool-Verein als Eigentümer hat für die weitere Nutzung des Raumes ab 1. Juli einen Änderungsmietvertrag angeboten. Erstmals nach zwei Jahren wurde der Mietzins angepasst und die Nebenkosten-Regelungen konkretisiert, da es in der Vergangenheit zu unterschiedlichen Interpretationen kam", teilt Wohne mit.

Laut Stöckmann sollte der "Kraut & Rüben"-Verein im Vorjahr nicht nur das vereinbarte Drittel, sondern die kompletten Nebenkosten des vorderen Gebäudeteils bezahlen. Und das, obwohl sie die dortigen Räume nicht voll nutzen konnten. Das hätte sich auch mit dem neuen Vertrag nicht geändert - trotz steigender Miete.

Mike Wohne bezeichnet den neuen Vertrag als faires Angebot. Die Mietsteigerung zum ursprünglichen Vertrag liegt bei zwölf Euro und damit unter fünf Prozent und deutlich unter dem örtlichen Mietspiegel. "Der Kraut & Rüben e.V. hat das Mietangebot nicht angenommen", sagt Wohne. Lukas Stöckmann erklärt warum: Die Miete sollte sich jedes Jahr um mehrere Prozent erhöhen - ohne damit mehr Rechte zu bekommen.

Es gab auch Probleme bei der gemeinsamen Nutzung von Räumen im Ashram und im Außenbereich, erklärt Wohne auf die Frage nach den Gründen der Trennung. "Beispiele sind die divergierenden Auffassungen von Ordnung und Sauberkeit, das Parkproblem sowie die vertragsmäßige Zahlung von Mietzins und Nebenkosten", so Wohne.

Verein: Miete immer gezahlt

Die Miete für den Bioladen-Raum sei immer gezahlt worden, betont Lukas Stöckmann. Auch die Nebenkosten wurden bis zu dem Zeitpunkt gezahlt, bis der aus Sicht des Vereins unberechtigte Betrag gefordert wurde.

Zweimal in der Woche, wenn der Bioladen geöffnet war, parkten Liefer- und Kundenfahrzeuge direkt vor dem Haus, so Stöckmann. Das sei immer nur kurz der Fall gewesen. Und zur Sauberkeit: "Wir haben eine Menge Kinder, die auch die Toilette benutzen. Wenn es matschig draußen ist, sah der Flur mal wie Sau aus", erzählt Stöckmann. Die Mitglieder hätten danach alles wieder in einen ordentlichen Zustand versetzt. Der Vereinschef räumt aber ein, dass man nicht fehlerfrei sei.

Unverständlich finden die "Kraut & Rüben"-Leute, dass vier Wochen vor Mietende das Türschloss gewechselt wurde und sie sich den Zugriff auf ihre persönlichen Sachen erzwingen mussten. Wahrscheinlich werden sich die Vertreter beider Vereine vor Gericht wiedersehen, da noch größere Vorwürfe im Raum stehen. Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, will sich keine Seite dazu äußern.

Den Bioladen brachte der "Kraut & Rüben"-Verein erst mal in einem Bauwagen auf dem Nachbargelände unter. Er ist aber auf der Suche nach einem anderen Ort.

Dem Birkenhof bleibt der Verein dennoch treu. Neben dem Ashram wurde ein Gelände für drei Jahre gepachtet, auf dem der Dorf-Waldgarten entsteht. Diese Fläche soll nicht aufgegeben werden, da dort gut 1.000 ehrenamtliche Arbeitsstunden drinstecken. So mussten die umsturzgefährdeten Pappeln beseitigt und tonnenweise Müll entsorgt werden. Eine kleine Streuobstwiese ist angelegt und ein Grillplatz.

Er sei von der Situation deprimiert gewesen. Doch der Vorstand sah in der Trennung Chancen. "Wenn wir jetzt andere Wege gehen müssen, gehen wir sie", so Stöckmann.

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