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Warum Zittaus Rathausuhr besonders war

Vor 400 Jahren schmückte sich die Stadt mit einem böhmischen Zeitmesser. Der besaß zwei Zeiger. Und das wirkte sich auf den Stundenschlag aus.

Die Uhr von 1611 mit ihren zwei Zeigern am linken Rathausgiebel.
Die Uhr von 1611 mit ihren zwei Zeigern am linken Rathausgiebel. © Repro SZ

Als am 13. Juni 1611 der Zittauer Stadtrat erstmalig wieder in das nach dem Stadtbrand 1608 zerstörte Rathaus einzog, schmückte den Doppelgiebel zum Markt eine neue Uhr. Das Zifferblatt am linken Giebel hatte zwei Zeiger. Aber nicht für Stunden und Minuten wie heute üblich, sondern es waren beides Stundenzeiger.

Während einer die heutige übliche Zeit anzeigte, war am anderen die Zeit nach der sogenannten böhmischen Uhr abzulesen. Bei der böhmischen Uhr begann der 24-Stunden-Tag mit dem Sonnenuntergang. Im Januar war das also nachmittags um Vier und im Juni 7.45 Uhr am Abend.

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Das wirkte sich auch auf den Stundenschlag aus. Im August schlug die Uhr demnach mittags um Eins 18-mal. Ab dem15. August 1584 allerdings, also schon bei der alten Rathausuhr, erfolgte der Stundenschlag nur noch entsprechend der deutschen Zeit. Warum diese Uhr? Vermutlich hatte sich Zittau als „böhmische Stadt“ in der Pflicht gesehen, auch die andere komplizierte Zeit anzuzeigen, was die Uhrmacher vor mechanische Herausforderungen stellte, die sie aber meisterten.

Schließlich schafften sie es auch, dass sich am anderen Rathaus-Giebel ein Fenster nur am 7. Juni öffnete, genau um dreiviertel Zwölf. Zum Andenken an Datum und Stunde des Brandes im Jahr 1608 erschienen dann in jedem Jahr an diesem Datum die sogenannten Feuermännchen. Über diese wunderbare Uhr konnten die Zittauer bis zur tragischen Zerstörung der Stadt im Siebenjährigen Krieg am 23. Juli 1757 staunen.

Im benachbarten Böhmen gibt es noch heute zahlreiche solcher Uhren, vor allem in Prag. Dort wundern sich am Rathaus immer wieder zahlreiche Besucher über die merkwürdige Uhrzeitanzeige. Aber so weit muss man gar nicht reisen. Auch am Görlitzer Rathaus findet man bis heute ein getrenntes Zifferblatt einer böhmischen Uhr.

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