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Hartauer ist Sachsens bester Nachwuchs-Landwirt

Horst Fridolin Brause wurde von seinen Eltern trotz aller Widerstände zu Hause unterrichtet. Geschadet hat's ihm offenbar nicht.

Von Jan Lange
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Horst Fridolin Brause ist Sachsens bester Landwirt-Azubi.
Horst Fridolin Brause ist Sachsens bester Landwirt-Azubi. © Matthias Weber/photoweber.de

Gerade mal drei Tage alt war Horst Fridolin Brause schon beim Heu machen dabei - auf dem Rücken seiner Mutter Kathrin. Prägend scheint das Erlebnis damals nicht gewesen zu sein, der Hartauer wollte später eigentlich Instrumente bauen. Er bewarb sich an der Staatlichen Musikinstrumentenbauschule Mittenwald. Bei der Eignungsprüfung wurde er Fünfter. Das reichte jedoch nicht, die renommierte Schule in Oberbayern nahm nur die vier besten Bewerber auf.

Und so musste Horst Fridolin Brause sich beruflich neu orientieren. Lange überlegen brauchte er nicht. Schnell sei ihm klar geworden, dass die Landwirtschaft etwas für ihn sein könnte, meint der 21-Jährige. Den endgültigen Anstoß gab ein Praktikum bei der Agrargenossenschaft Bertsdorf-Olbersdorf, wo er später auch seine Lehre absolvierte.

Für den jungen Hartauer die beste Entscheidung. Landwirt sei für ihn der "absolut richtige Beruf", findet er heute. Auch wenn der Beruf teilweise körperlich schwer sei, könne er immer etwas dazulernen.

Seine dreijährige Ausbildung hat er inzwischen abgeschlossen - mit einem erstklassigen Ergebnis. Horst Fridolin Brause ist dieses Jahr Sachsens bester Landwirtschafts-Azubi.

Der sehr gute Abschluss sei für ihn nicht überraschend gewesen, erzählt der junge Hartauer. Er hatte nach der Prüfung ein gutes Gefühl, das durch die Noten später bestätigt wurde. Die theoretische Prüfung im Pflanzenbau schloss er mit einer Eins, die in der Tierproduktion mit einer Zwei ab. Die anderen Azubis in Löbau seien oft in der Tierproduktion besser als im Pflanzenbau, weiß der 21-Jährige.

Kinder zu Hause unterrichtet

Zeit seines Lebens hat er sich von anderen unterschieden. Seine Familie zog 1995 nach Hartau, pflegte einen alternativen Lebensstil. Vater Bert schickte seine Kinder zuerst ins benachbarte Hradek nad Nisou in eine tschechische Schule. Die deutschen Behörden liefen dagegen Sturm: Brauses Kinder sollten eine deutsche Schule besuchen.

Später unterrichteten Brauses ihre Kinder zu Hause. Auch das gefiel der zuständigen Schulbehörde in Bautzen nicht. Die Möglichkeit von Hausunterricht war ihrer Meinung nach in keinem Paragrafen vorgesehen. Trotz gerichtlicher Auseinandersetzungen und Geldstrafen hielt die Hartauer Familie aus Überzeugung am Hausunterricht fest.

Geschadet hat der Unterricht zu Hause Brauses Kindern scheinbar nicht, wie der sehr gute Abschluss von Horst Fridolin beweist. Bert Brause ist stolz, dass sich der eigene Nachwuchs so gut entwickelt hat.

Auch in Hartau sind Brauses keine Außenseiter mehr, wie andere Einwohner des Zittauer Ortsteils bestätigen. Horst Fridolins Brüder hatten dieses Jahr die riesige Schiffs-Rutsche für den neugestalteten Hartauer Spielplatz am Birkenhof angefertigt.

Mit Unterstützung seiner Familie bringt Horst Fridolin nun auch einen Schandfleck auf Vordermann: die alte Ziegelei vor dem Hartauer Ortseingang. Im Herbst 2019 erwarb der heute 21-Jährige einen Teil davon - das frühere Sozialgebäude, in dem sich auch Wohnungen befinden, und das Ofengebäude mit dem über 40 Meter hohen, weithin sichtbaren Schornstein. Einiges haben sie bereits gesichert, eine Menge ist noch zu tun.

Zumindest ist das Wohnhaus so hergerichtet, dass Horst Fridolin und seine beiden Brüder Amos und Simon hier wohnen können.

Horst Fridolin Brause hält sich auch Shetland-Ponys.
Horst Fridolin Brause hält sich auch Shetland-Ponys. © Matthias Weber/photoweber.de

Fünf Hektar eigenes Land

Der junge Hartauer erwarb auch Land, zwei Hektar Grünland grenzen an die alte Ziegelei an, der Rest - insgesamt sind es fünf Hektar - ist zerstückelt im Ort verteilt. Der 21-Jährige will sich hier einen eigenen Landwirtschaftsbetrieb aufbauen. Das sei der Traum jedes Landwirts, meint er. Die Anfänge sind getan: Im vergangenen Herbst erwarb er zwei Kälber. Ab 2023 werden sie voraussichtlich ihre erste Milch geben. Horst Fridolin Brause will sie ein bisschen länger stehen lassen, nicht zu früh mit dem Melken beginnen. Dann leben sie länger, erklärt er, und müssen nicht schon nach wenigen Jahren zum Schlachter gebracht werden.

Auf 200 Quadratmetern hat er auch Kartoffeln angebaut, dazu noch Grünkohl, Rote Beete, Zwiebeln und anderes mehr. Bisher nutzt die Familie den Ertrag zur Selbstversorgung. "Ohne die Unterstützung meiner Familie wäre vieles nicht gelaufen", meint Horst Fridolin. Als beispielsweise die Heumaschine kaputtging, zog die Familie mit dem Handrechen los und machte das Heu.

Die eigene Landwirtschaft ist für den 21-Jährigen derzeit nur ein Hobby. Sich damit selbstständig zu machen, kann er sich im Moment noch nicht vorstellen. Ebenso wie tagtäglich der gleichen Arbeit in einem Landwirtschaftsbetrieb nachzugehen. Deshalb begann er im September eine weitere, ebenfalls dreijährige Ausbildung zum staatlich geprüften Techniker für Landbau. Es tue ihm schon leid, seinen Ausbildungsbetrieb verlassen zu haben, aber es gebe noch so viele Felder, wo er nicht genug wisse und mehr erfahren möchte, sagt der junge Hartauer.