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Schedel muss "kleinere Brötchen" backen

Bäcker finden kaum Mitarbeiter - schon wegen der Arbeitszeiten. Nun kommt Corona dazu. Die Zittauer Bäckerei hat deshalb Konsequenzen gezogen.

Bäckermeister Jürgen Schedel hat Schwierigkeiten, Mitarbeiter zu finden.
Bäckermeister Jürgen Schedel hat Schwierigkeiten, Mitarbeiter zu finden. © Matthias Weber

Wenn die Discounter morgens öffnen, dann gehen in der Filiale der Bäckerei Schedel an der Äußeren Weberstraße schon wieder die Lichter aus. "Ab 7 Uhr geschlossen" steht an der Eingangstür. Wegen Personalmangel. Zwei Monate suchten die Zittauer Bäcker nach neuen Mitarbeitern. Und nutzten dazu auch die sozialen Netzwerke. Acht Bewerber stellten sich vor, berichtet Bäckermeister Jürgen Schedel. Immer wieder bekam er zu hören, dass die Bewerber nicht frühmorgens oder am Wochenende arbeiten können. Am liebsten wollten sie von 9 bis 15 Uhr tätig sein. "Das geht in einem Café nicht", meint der 70-jährige Firmengründer.

Dass es so schwierig ist, gute und motivierte Mitarbeiter zu finden, kann Jürgen Schedel nicht verstehen. Am Geld kann es kaum liegen. Die Bäckerei Schedel zahlt ihren Angestellten mehr als den Mindestlohn. "Wenn man nur den Mindestlohn zahlen würde, bekommt man niemanden", ist sich Jürgen Schedel sicher.

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Zwei Verkäuferinnen sind am Ende eingestellt worden. Aber die sind im Café am Rathausplatz tätig. Auch für die Filiale im Stadtzentrum wurden Mitarbeiter gebraucht. Das Café war während der monatelangen Personalsuche nur stunden- und tageweise geöffnet. Jetzt ist es wieder von 6 bis 18 Uhr offen.

Trotz längerer Öffnungszeiten sind die aktuellen Umsätze laut Jürgen Schedel nur halb so hoch wie früher. Das ist auch Corona geschuldet. Die Gäste dürfen derzeit nicht im Café sitzen, nur Backwaren zum Mitnehmen kaufen. Zudem fehlen die tschechischen Kunden, sagt der Bäckermeister. Sachsen hat vorige Woche den "kleinen Grenzverkehr" zwischen Tschechien und dem Freistaat untersagt. Das spürt die Bäckerei Schedel in ihrem Café deutlich. "Wir können die Mitarbeiter aber nicht in Kurzarbeit schicken", sagt der 70-Jährige.

Seit 1973 gibt es die Bäckerei Schedel. Firmengründer Jürgen Schedel will das 50-jährige Jubiläum noch mitmachen.
Seit 1973 gibt es die Bäckerei Schedel. Firmengründer Jürgen Schedel will das 50-jährige Jubiläum noch mitmachen. © Matthias Weber

Während im Café am Rathaus noch ein paar Umsätze gemacht werden, tendieren diese im Laden an der Äußeren Weberstraße gegen Null. Nicht nur wegen Corona. Ein Grund sei auch die Baustelle direkt vor dem Geschäft.

Seit zwei Jahren wird die Äußere Weberstraße saniert und ist gesperrt. Anfangs öffnete "Schedel's Backstube" bis 14 Uhr. Anfangs seien auch noch Bauarbeiter gekommen, sagt Jürgen Schedel. Doch je länger die Bauarbeiten andauerten, umso kleiner wurde der Kundenstamm. "Im Sommer war der Fußweg ganz geschlossen", blickt er zurück.

Schedels haben deshalb gehandelt und die Öffnungszeiten verkürzt - zwischendurch auf 8.30 Uhr, und nun auf 7 Uhr. Eineinhalb Stunden ist die Bäckerei-Filiale jetzt frühmorgens offen. Für die wenigen Kunden reiche das aus, meint der Bäckermeister. Eine Verkäuferin dafür extra zu beschäftigen, lohne sich nicht. Die kurze Ladenöffnung sichern Jürgen Schedel und die Mitarbeiter aus der Backstube selber ab. Man müsse nun eben "kleinere Brötchen backen", sagt der 70-Jährige mit Blick auf die schwierige Situation.

Dass er mit 70 noch im Laden verkaufen muss, hätte Jürgen Schedel nicht gedacht. Aber er will die Bäckerei auch nicht den Bach runtergehen lassen. Da hängt viel Herzblut dran. Mit gerade mal 22 Jahren eröffnete er sie 1973 und führte sie seitdem durch gute und schwierige Zeiten. Heute wird der Familienbetrieb von seiner Frau Manuela und Sohn Brain geleitet. Aber Jürgen Schedel steht immer noch täglich in der Backstube. Arbeitsbeginn ist derzeit 2.30 Uhr.

Nur eineinhalb Stunden ist "Schedel's Backstube" an der Äußeren Weberstraße derzeit nur geöffnet - von 5.30 bis 7 Uhr.
Nur eineinhalb Stunden ist "Schedel's Backstube" an der Äußeren Weberstraße derzeit nur geöffnet - von 5.30 bis 7 Uhr. © Matthias Weber

Wenn die Verkaufshütte auf dem Campingplatz am Olbersdorfer See geöffnet ist, fängt der 70-Jährige sogar eine Stunde früher an. Die Camper seien in der aktuellen Situation die größte Stütze gewesen, sagt Jürgen Schedel. Bis zu 550 Gäste weilten zeitweise auf dem Campingplatz, zuletzt sind es noch gut 200 Gäste gewesen. Jetzt herrscht Winterruhe in der Verkaufshütte am Olbersdorfer See. Seit gut 20 Jahren bieten die Schedels ihre Waren am Olbersdorfer See an, erst im Verkaufswagen, dann in einer einfachen Hütte und seit fünf Jahren in einer stabilen Holzhütte.

Mit einem Verkaufsmobil standen sie auch zehn Jahre lang an der Hochwaldstraße, neben der AOK-Filiale. Das Auto ist dieses Jahr verkauft worden, weil sich der Stand nicht mehr gelohnt habe. Denn gerade die Klientel der Studenten fehlte, weil sie monatelang digital studierten.

Jürgen Schedel hofft, dass die Äußere Weberstraße bald für den Verkehr freigegeben wird und dann mehr Kunden vorbeikommen. "Wir werden sehen, ob es sich wieder einspielt", sagt Jürgen Schedel.

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