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Zittau

"Ich bin enttäuscht von einigen Menschen"

Corona hat Zittaus Westpark-Center voll getroffen. Im Gastbeitrag schreibt Chef Heiko Wasser über die Zeit, in der er gute und schlechte Erfahrungen machte.

Heiko Wasser ist Geschäftsführer und Inhaber des Westpark-Centers.
Heiko Wasser ist Geschäftsführer und Inhaber des Westpark-Centers. ©  Matthias Weber (Archiv)

Was war das für ein Jahr? 2020 – es wird uns noch lange in Erinnerung bleiben. Heute möchte ich mich bei allen Gästen, Mitgliedern und auch Mitarbeitern bedanken, die uns das ganze Jahr über die Treue gehalten haben. Wir haben gemeinsam viel geschafft. Mehr, als wir Anfang Januar je erahnt hätten. Ich kann mich noch genau an den Tag und an die Minuten erinnern, als ich nach über 15 Jahren erstmals am 16. März die vollständige Betriebsschließung unseres Sport- und Freizeitzentrums bekannt geben "musste".

Es war - ich kann es nicht beschreiben - ein schreckliches Gefühl! Gefolgt von wochenlanger Unsicherheit: Wie geht es weiter, was passiert mit dem Center, was ist Corona und wie werden wir damit die nächste Zeit umgehen können? Eine völlig neue Situation. Für alle. In dieser Zeit erreichten uns immens viele Nachrichten. Egal ob per E-Mail, per Facebook, per WhatsApp oder per Post. Was waren das für Nachrichten? Ich kann es euch sagen: Es waren gute Nachrichten! Meldungen, die uns Mut gemacht haben. Meldungen, die uns wieder aufgemuntert haben. Meldungen mit überwältigender Unterstützung! Danke für jede Zeile!

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Damit haben wir uns wieder aufgerappelt - haben Ideen entwickelt, wie es weiter geht, was wir in der Sperrzeit alles machen können. Und was haben wir gemacht? Alles das, wofür wir bisher nie die Zeit hatten. Vor allem hinter den Kulissen – was während des permanenten Betriebes schlicht nicht möglich ist. Dann kam der bis dato irrsinnige Gedanke, die Schwimmbad-Sanierung vorzuziehen. Und siehe da, mit breiter Unterstützung aller Gewerke, Zulieferer und auch Mitarbeiter konnten wir diesen Sommer das große Bauprojekt durchziehen. Die Wiedereröffnung und zeitgleich Tag der offenen Tür am 4. Oktober waren einer der schönsten Tage in diesem Jahr. Auch hier nochmal ein großes Dankeschön an jenen Besucher, der da war.

Ein großer Schock

Vier Wochen später, am 2. November: Bum! Wieder alles zu! Alles von vorne! Nach dem die beiden Konzerte, der Abiball und die 30-Jahre-Feier der Firma Osteg Corona zum Opfer fielen, nun die nächsten Hiobsbotschaften: Alle Weihnachtsfeiern absagen. Alle Tennisabonnements absagen. Alle Fußball-Abonnements absagen. Kein Badbetrieb und kein Zugang mehr ins Fitnessstudio. Die Kletterhalle wurde gesperrt, die Bowlingbahnen und der Squashplatz sowie allen anderen Bereiche. Und das alles in der Hauptgeschäftszeit! Ein großer Schock! Erstmal hieß es nur "November". Jetzt auch noch der Rest des Jahres. Was haben wir gemacht? Wir haben kein Trübsal geblasen. Nein. Wir haben die Küche ausgeräumt, alle Nebenräume geleert. Die nächste Grundsanierung stand an. Mit glücklicher Weise noch viel Elan haben wir auch dieses Projekt durchgezogen, was letzten Freitag sein Ende fand. Und auch die Küche und Neben-/Lagerräume glänzen wieder, sind auf dem neuesten Stand der Technik. Einfach nur großartig!

Aber was nützt uns das jetzt? Nichts. Was nützen uns irgendwelche Proteste an der B96? Was nützen uns die unzähligen Corona-Leugner im Netz und auf den Marktplätzen? Was bringt uns ein "Totenzug" durch die Innenstadt? Was bringen uns gegenseitige Anfeindungen? Und, wenn ich die ganze Zeit "uns" schreibe – dann meine ich nicht uns im Center – sondern uns alle! Ich habe viel gelesen und noch viel mehr selbst erleben müssen. Vor allem, als wir noch geöffnet hatten. Ich bin heute noch sprachlos und unglaublich enttäuscht von einigen Menschen, Gästen und sogar auch Mitgliedern. Ich hatte es schonmal erwähnt. Was meine Mitarbeiter und ich uns im Oktober alles anhören durften – von Kunden, von denen wir das niemals nur ansatzweise gedacht hätten. Erschütternd! Abstand halten, Maske tragen und beim Eintritt den kleinen Kontaktzettel ausfüllen. Ist das wirklich so schwer?

Aber am Ende war ja dann doch alles gut. Bei uns muss momentan nun keiner mehr eine Maske tragen und auch keiner mehr einen Zettel ausfüllen. Alles super, oder? Blöd nur, dass auch diese Personen jetzt vorübergehend keinen Zugang mehr haben. Glückwunsch! Wollen wir nicht eigentlich alle mal wieder so richtig feiern? Wollen wir nicht eigentlich alle mal wieder gemeinsam sportlern, Tennis spielen, kicken, bowlen, Squash spielen, Tischtennis spielen, eine Runde schwimmen, ein zwei Saunagänge absolvieren und anschließend ein kühles Blondes am Tresen trinken sowie ein Rostbrätel verputzen?

Arschbacken zusammenkneifen

Wollen wir nicht eigentlich wieder mal eine neue Kletterroute erklimmen? Was ist mit Aquafitness? Babyschwimmen? Zweimal mussten die Vorschulschwimmkinder bereits ihren Kurs unterbrechen. Das soll doch alles schon bald wieder möglich sein, oder etwa nicht? Konzerte, Abiball, die Nachholung der Osteg-Feier, Jugendweihen und Geburtstage in großer Runde! Auch meine Mitarbeiter wollen wieder für euch da sein. Sie wollen euch wieder begrüßen dürfen, bewirten und begeistern. Und sie wollen wieder ihr Geld bei uns verdienen, damit auch jene ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Auch meine Mitarbeiter haben Kinder und eine große Verantwortung!

Das alles geht nur, wenn wir gemeinsam die nächsten paar Monate die Arschbacken zusammenkneifen! Abstand halten. Hygiene. Keine großen Menschenansammlungen. Keine großen Privatpartys. Auch wenn es verdammt schwer ist! Wir wissen das. Tut euch allen selbst den Gefallen. Umso eher können wir wieder alle so leben wir vor der Pandemie. Tut es für eure Eltern, für eure Großeltern, für eure Liebsten!

Allen Freunden, Bekannten, Gästen und Mitgliedern wünsche ich eine besinnliche Weihnachtszeit. Einen ruhigen Rutsch ins neue Jahr! Bleibt gesund und bleibt solidarisch! Ein Danke, was meiner persönlichen Meinung nach viel zu wenig bis gar nicht vergeben wird, geht an die vielen Informations-Unterstützer wie an Stephan Meyer! Ein Danke auch mal an die Agentur für Arbeit, an die Landesdirektion Sachsen, an die IHK Dresden, an meinen Steuerberater und auch an die Bundesregierung. Bis jetzt konnten wir uns ehrlich gemeint über Hilfen, egal in welcher Form, nicht beschweren. Ich kenne kein Land in dieser Welt, was uns Geschäftsleute in der Krise so unterstützt hat wie Deutschland. Bemerkenswert, fair und richtig!

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Liebe Mitarbeiter, auch euch wünsche ich ein großartiges Weihnachtsfest. Ein Weihnachtsfest, wie ihr es seit vielen Jahren nicht kennt. Ein Fest, was definitiv für uns alle Gastronomen in Erinnerung bleiben wird!

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