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Der Obstler mit dem Hahnenkopf

Eine kleine Brennerei im tschechischen Grenzgebiet zu Sachsen setzt auf hochwertige Liköre.

Edle Brände in exklusiven Flaschen: Radka Pifková und Zdenek Kohout brennen hochwertige Spirituosen in Böhmen.
Edle Brände in exklusiven Flaschen: Radka Pifková und Zdenek Kohout brennen hochwertige Spirituosen in Böhmen. © Steffen Neumann

Alles begann mit einem Kaffeelikör. „Wir konnten uns nicht helfen, aber alle Liköre, die wir bisher probiert haben, schmeckten eher nach Karamell, aber nicht nach Kaffee“, erzählt Radka Pifková. Ganz anders jener Likör, den sie selbst herstellt. „Da ist wirklich Kaffee drin und zwar nicht irgendwelcher, sondern eine Auswahl bester Sorten“, betont sie. Und tatsächlich, im Vorraum zur Schnapsbrennerei ist eimerweise Kaffeesatz abgestellt.

Die Herstellung aus reinen Rohstoffen ist Programm in der kleinen Likör- und Schnapsmanufaktur Galli Distillery im tschechischen Dolní Podluží (Niedergrund). In einem Backsteinbau nur wenige Hundert Meter von der Grenze zu Sachsen entfernt, gewinnt Pifková mit ihrem Partner Zdeněk Kohout seit gut einem Jahr aus verschiedenen Obstsorten Spirituosen.

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Tschechien ist das Land der Hausbrennereien, die Liebe zum Sliwowitz berühmt. Der Gesetzgeber hat das berücksichtigt und den Hausbrand für privaten Genuss unter Steuerfreiheit gestellt. Auch die Brennerei von Pifková und Kohout brannte unter dem Vorbesitzer den Schnaps der Obstbauern und Gärtner aus der Region. „Das machen wir immer noch, aber wir haben auch unsere eigene Produktion“, erzählt Kohout, der in dem Team fürs Marketing zuständig ist.

Nach einem Jahr Existenz unter erschwerten Bedingungen ziehen beide ein positives Fazit. Ihre Brände werden ihnen regelrecht aus den Händen gerissen. Sie scheinen eine Marktlücke gefunden zu haben. Dabei sind sie blutige Anfänger. „Radka hat früher schon Saft selbst gemacht und ich bin eher der Biertrinker“, räumt Kohout freimütig ein. Er arbeitete lange für den tschechischen Werkzeughersteller Narex, sie für die Varnsdorfer Textilfabrik Velveta. Dass sie sich auf das neue Terrain wagten, hat mehrere Gründe. Sie sind Anfang und Mitte 40. Nach erfolgreichen Jahren teils in führenden Positionen und im Ausland war es Zeit für einen Wechsel. „Uns reizte die Handarbeit“, sagt Kohout. Da fügte sich, dass Pifkovás Vater ihnen seine Hausbrennerei anbot. Aber einfach nur den Obstler der Gärtner brennen, war ihnen zu wenig. „Wir wollen etwas schaffen, das auch unserer Region einen Mehrwert bietet“, sagt Kohout, während er Etiketten, Korken sowie das Steuerband auf die Flaschen aufbringt. Pifková wiederum verschwindet jede halbe Stunde in der Brennerei, um die aktuellen Werte wie Temperatur und Brennvolumen zu messen.

Nur frische Rohstoffe werden verwendet

„Unser Renner ist der Ingwerlikör. Der war zeitweilig ausverkauft“, sagt Kohout. Ihre Liköre schmecken nicht nur süß, sondern nach den Rohstoffen. Künstliche Farb- und Aromastoffe sowie Geschmacksverstärker sind tabu. „Wir verwenden frischen Ingwer, dazu frische Orangen. Alles wird immer erst kurz vor der Mazeration gekauft“, verrät Kohout das Geheimnis. Mazeration ist der Prozess, der für die Aromatisierung des Alkohols sorgt. „Für den Ingwerlikör und den Mandellikör verwenden wir unseren Apfelobstler, der durch Eintauchen der Rohstoffe veredelt wird“, erklärt Kohout. Die Nachfrage nach Ingwer- und Mandellikör war so groß, dass sie den auch für den Verkauf vorgesehenen Apfellikör erst einmal aus dem Programm nehmen mussten.

Die Verwendung von natürlichen Rohstoffen, die bevorzugt aus der Region stammen, und der hohe Anteil an Handarbeit, haben natürlich ihren Preis. Der eingangs erwähnte Kaffeelikör kostet in der Halb-Liter-Flasche etwas über zwölf Euro. Am teuersten sind mit über 20 Euro der Sliwowitz und der Birnenschnaps aus dem Eichenfass. Lausitzer Kräuter und neuerdings auch Gin komplettieren das Angebot.

Die Nähe zu Deutschland möchten die beiden in Zukunft nutzen, ihre Produkte auch dort verkaufen und ausschenken lassen. „Die Verankerung in der Region ist uns sehr wichtig, die hört an der Grenze nicht auf“, betont Kohout. Einige Kunden haben sie schon entdeckt und kommen aus Herrenwalde und Großschönau.

Aber erstens ist das wegen Corona gerade nicht mehr möglich und zweitens konzentriert sich die noch junge Firma erst einmal auf den heimischen Markt. „Eigentlich wollte ich alle Gastronomen und Händler der Region abklappern, aber dann kam die Pandemie“, erzählt Kohout von den schweren Anfängen. Inzwischen findet man sie in vielen feinen Cafés und Restaurants im Grenzgebiet. „Gerettet haben uns unser Online-Shop sowie zwei Fachhändler im Internet“, sagt Kohout. Am Ende des Jahres stand eine schwarze Null in den Büchern. „Uns geht es auch nicht darum, groß zu werden“, sagt Kohout. Klein, aber fein, ist ihr Motto und soll es bleiben. „Aber mittelfristig hätten wir gern noch ein, zwei Mitarbeiter und eine Abfüllanlage.“ Vor allem wollen sie weiter experimentieren. Exklusiv für die Brauerei Kocour in Varnsdorf brannten sie den Bierlikör „Kabuki“. Mit der Firma BB Cidre aus Rumburk tüfteln sie an einem Calvados. Und auch die Krönung der tschechischen Spirituosenkunst haben sie im Blick, wie Radka Pifková verrät: „Ein Galli-Absinth wäre der Traum.“ Namensgeber ist übrigens ihr Partner. Tschechisch „kohout“ und lateinisch „gallus“ heißen auf Deutsch dasselbe: Hahn.

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