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Chopinstraße bleibt beliebtes Ziel für Diebe

Die Einbrüche auf dem Firmengelände in Zittau reißen nicht ab. Dabei haben die Betreiber schon viel in die Sicherheit investiert. Ob bald Polizeikameras helfen?

März 2021: Zwei Männer machen sich an dem Saab zu schaffen.
März 2021: Zwei Männer machen sich an dem Saab zu schaffen. © Screenshot SZ

Ein schwarzer Ford Focus fährt auf das Firmengelände an der Chopinstraße in Zittau. Zwei Männer steigen aus und versuchen, die Fahrer- und Seitentür eines roten VW T4 zu öffnen - erfolglos. Dann entdecken die Täter auf dem Hof einen weißen Opel Movano einer Heizungsbaufirma. Ihn können sie aufbrechen und Werkzeug daraus entwenden. Anschließend flüchten die Diebe.

Das Geschehen am 17. April nehmen die Kameras von Jens Neumann-Weinbeer auf, der dort eine Lackiererei betreibt. Nicht so am 30. desselben Monats. In der Nacht versuchen Unbekannte vom Firmengelände einen 30 Jahre alten Audi 80 zu stehlen, an dem noch alles original ist. "Ein Auto in dem Zustand ist nur noch selten zu finden", sagt er. Am Zündschloss hätten die Täter alles zerhackt. Aufzeichnungen davon gibt's jedoch nicht. "Das lief alles komplett im Dunklen", so Jens Neumann-Weinbeer.

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Wieder deutlich sind die Aufnahmen vom 15. Mai. Ein grüner Volvo V40 mit polnischem Kennzeichen rollt um 5.01 Uhr auf den Hof. Zwei Männer entdecken bei den Containern zwei Fahnenmasten aus Alu. Die Teile sind um die 100 Kilogramm schwer und 6,50 Meter lang. Trotzdem können die Diebe die Stangen in den Kombi hieven. "Sie dienten vor Jahren mal als Werbeträger", berichtet Jens Neumann-Weinbeer. Um 5.07 Uhr fährt der Volvo mit den Teilen vom Gelände.

Schon beim Diebstahl am 13. März versuchen Unbekannte die Stangen mitzunehmen. Doch diese passen nicht in ihren roten Subaru. Zuvor wollen sie von einem Kunden-Auto den Kat mit einem Spanngurt herausreißen, der dabei von den Böcken kippt. Am Ende nehmen die Täter acht Stahlträger für Schwerlastregale mit. Ein weiterer Vorfall ereignet sich zehn Tage darauf, als Männer mit einem Wagen - vermutlich einem Renault - vorfahren und Schrott aus einem Container stehlen.

Wegziehen kommt nicht infrage

Die Ermittlungen in beiden Fällen vom März führen die Polizei zu einem polnischen Tatverdächtigen - auch dank der Videoaufzeichnungen. Kräfte der Gemeinsamen Fahndungsgruppe Neiße der Soko Argus finden zudem den Subaru verlassen am Fahrbahnrand neben dem Tagebau Turow - mit eingeschlagener Scheibe. Nicht nur dort laufen noch die Ermittlungen wegen des besonders schweren Falls des Diebstahls, gleiches gilt für die Taten vom April und Mai. "Die Fahndung nach Tatverdächtigen dauert an", teilt Sprecher Kai Siebenäuger mit.

Das gilt auch für die Ereignisse am 4. April an der Chopinstraße, als Unbekannte erfolglos versuchen, in einen VW Caddy zu gelangen, am 28. April, als Diebe von einem Auto den Kat abbauen und 27. Mai, als ein Einbruch in einen Wagen scheitert. Der jüngste Fall stammt vom 2. Juni. Dabei beobachtet und filmt ein Augenzeuge, wie ein Mann auf der Beifahrerseite eines schwarzen Alfa Romeo wartet, während ein zweiter unter dem dahinter stehenden BMW liegt, die Auspuffanlage abtrennt und damit zurück rennt. Beide Täter flüchten.

Sobald es eine Erfolgsmeldung in den Fällen gebe, werde die Polizei berichten, sagt Kai Siebenäuger. Dabei soll beispielsweise der Volvo vom Mai auch im Zusammenhang mit anderen Diebstählen in Zittau stehen, wie Jens Neumann-Weinbeer mitteilt.

Ob die Kameras, oder vergitterte Fenster mit Blechtafeln und Klappgitter vor den Türen - der Firmeninhaber selbst hat alles getan, um zumindest seine Lackiererei zu schützen. Und damit weiter versichert zu bleiben. Schließlich sind auch die vergangenen Jahre immer wieder Einbrüche und Diebstähle auf dem Gelände passiert. Und wegziehen für ihn keine Option. Der Mietpreis und die sonstigen Voraussetzungen würden ja stimmen.

Weitere Hilfe könnte nun von der Polizei kommen. Im Kampf gegen die Grenzkriminalität sind eigene Kameras an der Friedens- und Chopinstraße und gegebenenfalls an einem weiteren Punkt im Stadtgebiet geplant. Vorbild dafür ist Görlitz. Seit August 2019 überwacht die Polizei dort relevante Standorte per Video. Der Einsatz der Technik führte schon zu vielen Ermittlungserfolgen, bilanzierten Polizei und Innenministerium mehrfach. "Sie liefern hervorragende Bilder", sagt Kai Siebenäuger.

Für Jens Neumann-Weinbeer kommen die Kameras jedoch 14 Jahre zu spät, seit die Grenzen zu Polen offen sind. Und diese schrecken seiner Sicht nach Diebe letztlich auch nicht ab. Diese würden die Kameras entweder abhängen oder mit falschen Kennzeichen vorbeifahren. "Was wir brauchen, sind mehr zivile Kontrollen", sagt er.

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